Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Wirksamkeit einer metaphylaktischen systemischen Antibiose bei Milchkühen mit Nachgeburtsverhaltung (2005)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Reichert, Ulf
    Quelle
    Berlin: Mensch-und-Buch-Verl., 2005 — 125 Seiten
    ISBN: 3-89820-887-7
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001870
    Kontakt
    Tierklinik für Fortpflanzung

    Königsweg 65
    Haus 27
    14163 Berlin
    +49 30 838 62618
    fortpflanzungsklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    In einem milcherzeugenden Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern wurden zwei Konzepte der systemischen Applikation von Ceftiofur zur Therapie der Nachgeburtsverhaltung miteinander verglichen.

    Tiere, deren Eihäute nicht innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt abgegangen waren, wurden in eine von zwei Studiengruppen aufgenommen. Es wurden keine manuellen Abnahmeversuche und keine lokale Antibiose (Uterusstäbe) durchgeführt.

    Die Körpertemperatur wurde während der ersten zehn Tagen p.p. täglich rektal gemessen. Eine Körpertemperatur von ≥ 39,5 °C wurde als Fieber definiert.

    Tiere der Gruppe A (n = 60) erhielten unmittelbar nach Feststellung der Nachgeburtsverhaltung systemisch das Antibiotikum Ceftiofur (Excenel RTU®) in einer Dosierung von 1 mg/kg Körpergewicht (KGW).

    Tiere der Gruppe B (n = 53) erhielten erst nach der Feststellung von Fieber systemisch das Antibiotikum Ceftiofur in einer Dosierung von 1 mg/kg KGW.

    Das Antibiotikum wurde in beiden Gruppen an drei aufeinander folgenden Tagen appliziert. Wies ein Tier am Tag nach der dritten Behandlung noch Fieber auf, wurde die Behandlung noch bis zu zwei weitere Tage fortgesetzt. Wenn nach fünf erfolgten Behandlungen mit Ceftiofur am folgenden Tag die Temperatur nicht unter 39,5 °C gesunken war, galt die Behandlung als Therapiemisserfolg. Bei diesen Tieren wurde auf ein anderes Antibiotikum ausgewichen (Ausweichtherapie).

    Die Kontrollgruppe (n = 113) bestand aus Tieren ohne Nachgeburtsverhaltung. Es wurde jeweils ein Tier, welches innerhalb von 24 Stunden vor oder nach einem Studientier gekalbt hatte und zur selben Laktationsnummer gehörte, aufgenommen. Tiere der Kontrollgruppe erhielten innerhalb der ersten zehn Tage p.p. keine systemische antibiotische Behandlung.

    In den drei Gruppen erhielten alle Tiere zwischen dem 18. und 24. Tag p.p. und erneut zwischen dem 32. und 38. Tag p.p. eine subkutane Injektion mit 25 mg Dinoprost (Dinolytic®). Bei Tieren der Gruppen A und B wurde zwischen dem 32. und 38. Tag p.p. eine Puerperalkontrolle mittels rektaler Palpation durchgeführt, um den Anteil an Tieren mit einer chronischen Endometritis festzustellen.

    Die freiwillige Wartezeit wurde auf 42 Tage festgesetzt. In dem Betrieb wurde bei allen Tieren, die bis zum 80. Tag p.p. noch nicht besamt oder als nicht tragend befundet worden waren, routinemäßig ein Ovsynch-Programm durchgeführt.

    Die beiden Therapiekonzepte waren hinsichtlich des Auftretens von Fieber und der Endometritis- und Abgangsraten gleichwertig (Gruppe A: 71,7 %, 29,4 % bzw. 40,0 %; Gruppe B: 69,8 %, 18,8 % bzw. 34,0 %). Die Applikation von Ceftiofur nur bei Tieren mit Fieber (Gruppe B) führte zu höheren Konzeptionsraten (38,9 % vs. 25,0 %) und zu einem größeren Anteil tragender Tiere (66,0 % vs. 60,0 %). Im Vergleich zu den Gruppen A und B wies die Kontrollgruppe insgesamt einen höheren Anteil tragender Tiere (74,3 %) auf. Die Konzeptionsrate in der Kontrollgruppe (36,2 %) war ebenfalls höher als in der Gruppe A und entsprach annähernd der der Gruppe B. Die sofortige Applikation von Ceftiofur bei Tieren mit Nachgeburtsverhaltung führte zu einem deutlich höheren Verbrauch an Medikamenten. Aus den vorliegenden Ergebnissen lässt sich folgern, dass eine systemische Antibiose bei Tieren mit Nachgeburtsverhaltung direkt nach der Kalbung unabhängig von der Körpertemperatur nicht effektiv ist und daher für die tierärztliche Praxis nicht empfohlen werden kann.