Fachbereich Veterinärmedizin


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    Euthanasie in der Kleintierpraxis (2007)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Stauch, Susanne
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2007 — IV, 142 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-220-1
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002893
    Kontakt
    Institut für Tierschutz und Tierverhalten

    Königsweg 67
    Gebäude 21, 1. OG
    14163 Berlin
    +49 30 838 62901
    tierschutz@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Der Anteil an Euthanasien beträgt in dieser Praxis 0,5 Prozent aller tierärztlichen Leistungen eines Jahres. Trotz dieses gering anmutenden Zahlenwertes ist die Durchführung von Euthanasien ein Aufgabengebiet, das dem Tierarzt und seinem Praxisteam enorm viel abverlangt. Die oft mit dem absehbar nahenden Tod auftretenden gravierenden Verschlechterungen des Allgemeinbefindens mit Leiden und Schmerzen gilt es, dem Tier zu ersparen. Dabei ist die Sichtweise von Tierhalter und Tierarzt meist eine unterschiedliche. Dem Tierarzt obliegt die Meisterung der Gratwanderung zwischen Tier, Tierhalter und Gesetz. Aus der Summe aller Betrachtungen ergibt sich für den Tierarzt ein Tötungsgebot oder ein Tötungsverbot für das konkrete Tier. Nicht jedem Wunsch der Tierhalter, ein Tier zu euthanasieren, sollte und kann der Tierarzt entsprechen. Abgesehen von bestimmten Tumorerkrankungen, Missbildungen, amtstierärztlich angeordneten Euthanasien oder Traumata stellt meist nicht eine einzige, klar zu definierende Diagnose den Grund für eine Euthanasie dar, sondern eher die Konzentration von klinischen Erscheinungen und Symptomen. Hierzu zählen Komplexe wie altersbedingt sehr schlechtes Allgemeinbefinden, Krankheiten mit infauster Prognose, Krankheiten mit erheblichen Schmerzen sowie Verhaltensstörungen und Aggressionen. Vor- und Nachteile der Durchführung von Euthanasien in der tierärztlichen Praxis oder als Hausbesuch werden in Beziehung zu den eigenen Untersuchungsergebnissen erörtert. In der vorliegenden Untersuchung stellen sich unter anderen folgende Aspekte dar und werden erörtert: - Im Frühjahr zeigte sich generell eine Zunahme von traumatisch bedingten Euthanasiegründen. - Nur bis in den Herbst, also in den wärmeren Monaten, wurden Hunde und Katzen wegen „Krankheiten mit erheblichen Schmerzen“ euthanasiert. - Kontinuierlich über das Jahr verteilt fanden Euthanasien wegen altersbedingt sehr schlechtem Allgemeinzustand statt. - Von April bis Juni stieg die Zahl euthanasierter Hunde und Katzen, ebenso im Januar. Mögliche saisonale Zusammenhänge werden darlegt. - Rüden und Kater wurden mehr als weibliche Tiere wegen Krankheiten mit erheblichen Schmerzen euthanasiert. - Bei großen Hunderassen führten im Gegensatz zu kleinen und mittleren Rassen eher traumatische Ereignisse und Verhaltensstörungen zur Euthanasie. - Männliche Hundehalter benötigten im Gegensatz zu männlichen Katzenhaltern eine längere Entscheidungszeit. - Hundehalter wiesen im Gegensatz zu Katzenhaltern deutlich mehr „rechtzeitig Rat suchende“ Tierhalter auf. - Katzenhalter wiesen 6 Prozent „gleichgültige“ Tierhalter auf. Bei Hundehaltern konnten unsere Untersuchungen keinen „gleichgültigen“ Halter ermitteln. - Hundehalter wiesen gegenüber Katzenhaltern den höheren Anteil an „fordernden“ Tierhaltern auf. - Zum Wochenende hin stieg die Zahl „fordernder“ Katzenhalter. - Katzen wurden im Laufe ihres Lebens generell weniger regelmäßig von ihren Haltern in der Tierarztpraxis vorgestellt als Hunde. - Generell entschieden sich Katzenhalter schneller als Hundehalter, eine anstehende Euthanasie zu realisieren. - Die meisten Tierhalter warteten während der Durchführung der Euthanasie lieber im Wartezimmer oder noch häufiger außerhalb des Gebäudes. - Am Montag und am Vormittag wurden die meisten Euthanasien durchgeführt. - Drei Viertel der Hundehalterfamilien bevorzugten einen Hausbesuch. - 75 Prozent aller euthanasierten Hunde und Katzen wurden in einem eigenen Grab beerdigt. Trotz aller korrekten Abrechnungsmöglichkeiten wird sich der im Rahmen der Euthanasie vom Tierarzt und seinem Team erbrachte Einsatz nicht im Geldwert messen lassen. Es gilt, tagtäglich zu jeder Zeit Entscheidungen mit weitreichenden Folgen überschauend und angemessen zu treffen. Überdurchschnittlicher Einsatz, couragiertes Handeln, die Bereitschaft, immer wieder mit aller Kraft und zu den unmöglichsten Zeiten vollen Einsatz zu leisten sowie großes Einfühlungsvermögen in immer wieder neu entstehende und anders geartete Situationen kennzeichnen dieses Arbeitsgebiet eines Tierarztes