Fachbereich Veterinärmedizin


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    Gesellschaftliche Debatten um die wirtschaftliche und psychosoziale Nutzung des Hundes von 1870 - 1945 in Deutschland (2009)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Renger, J.
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verl, 2009 — [8], 265 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-638-4
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000012289
    Kontakt
    Institut für Tierschutz und Tierverhalten

    Königsweg 67
    Gebäude 21, 1. OG
    14163 Berlin
    Tel.: +49 30 838 62901 (Sekretariat)
    email: tierschutz@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Ziel der vorliegenden Dissertation ist es, die Entwicklung des Hundes zum „companion animal“ zu untersuchen und anhand von gesellschaftlichen Debatten und Auseinandersetzungen zur wirtschaftlichen und psychosozialen Nutzung des Hundes im Zeitraum von 1870-1945 bestehende Widersprüche und gesellschaftliche Entwicklungen aufzuzeigen. Weiterhin sollen der Einfluss und die Auswirkungen der gesellschaftlichen Werthaltung hinsichtlich der verschiedenen Nutzungsformen des Hundes auf die tierärztliche Hundebehandlung geklärt werden. Als Quellengrundlage diente veröffentlichte Literatur in Form von kynologischen, tierschützerischen, jagdlichen und veterinärmedizinischen Zeitschriften, deren Beschaffung mangels eines systematisch erschlossenen, nach einheitlichen Kriterien geordneten Archivs schwierig war.
    Im ersten Teil werden die gesellschaftlichen Debatten, die um die Nutzungsrichtungen des Gebrauchshundes geführt werden, aufgezeigt, sofern sie eine unterschiedliche Wertschätzung der verschiedenen Gebrauchsformen erkennen lassen.
    Im zweiten Teil werden gesellschaftliche Debatten um die psychosoziale Nutzung des Hundes nachgezeichnet. Zentrales Thema ist hierbei die Entwicklung des Hundes zum „companion animal“. Bis Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts handelte es sich bei Hunden, die keine bestimmte Aufgabe im Sinne einer Gebrauchsfunktion ausübten, um Luxushunde, denen wenig gesellschaftliche Akzeptanz entgegengebracht wurde. Dies änderte sich im Zuge eines gesellschaftlichen Wertewandels, der dazu führte, dass nicht nur der Begriff „Luxushund“ verschwand, sondern dass sich diese Hunde ihren Platz als „companion animal“ an der Seite des Menschen sicherten, so dass auch diese Nutzungsform eine positive Wertschätzung erfährt. Weiterhin wird der Einfluss der gesellschaftlichen Werthaltung gegenüber den Nutzungsformen des Hundes auf dessen tierärztliche Behandlung dargestellt. Dabei wird deutlich, dass die von Hundeausstellungen und Rassehundezucht getragene kynologische Bewegung für die Entstehung privater Hundepraxen in Großstädten verantwortlich ist. Während es sich bei den Patienten primär um Rassehunde handelt, die für ihre Besitzer einen Wert psychosozialer Art bzw. „postmaterialistischer sozialer Art“ darstellen, werden zu Zeiten des Ersten Weltkrieges auch Dienst- und Gebrauchshunde vorgestellt. Im Zuge des gesellschaftlichen Wertewandels ist es die emotionale Beziehung zum Hund, die einen Wert darstellt, der dessen tierärztliche Behandlung rechtfertigt.