Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Vaginopathien bei der Hündin:
    eine retrospektive Studie (2007)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Barner, Dorina
    Quelle
    Berlin: Mensch & Buch Verl., 2007 — IV, 104 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-348-2
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000003478
    Kontakt
    Tierklinik für Fortpflanzung

    Königsweg 65
    Haus 27
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62618 Fax.+49 30 838 62620
    email:fortpflanzungsklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die vorliegende Arbeit stellt Scheidenerkrankungen der Hündin in ihrer Komplexität dar. Einleitend werden die verschiedenen Vaginopathien anhand einer Literaturübersicht erläutert. Im Rahmen der eigenen Untersuchungen wurden Krankenakten von 233 Hündinnen mit Vaginalerkrankungen der Klinik für Fortpflanzung des Fachbereiches Veterinärmedizin der Freien Universität, der Tierklinik-Tierheim GmbH Rostock und mehrerer Kleintierpraxen über einen Zeitraum von 10 Jahren aufgearbeitet und ausgewertet. Dabei handelte es sich um zufällig zur Verfügung stehende Patienteninformationen (convenience sample). Es zeigten 60 Patienten eine Vaginitis, 41 einen Vaginalprolaps, 122 Neubildungen im Scheidenbereich, sieben kongenitale Anomalien und drei Verletzungen der Scheide. Außerdem wurden auch bei einigen Prolaps- und Tumorpatienten Verletzungen der Vaginalmukosa beobachtet, drei davon durch Automutilation. Neben der Erfassung von Rasse, Alter und klinischen Symptomen wurden bei 22 Vaginitispatienten bakteriologische Untersuchungen, einschließlich Resistenztestung, bei 76 Tumorpatienten histologische und bei den Patienten mit angeborenen Defekten vagino-endoskopische und röntgenologische Untersuchungen durchgeführt. Die Hündinnen mit Vaginitis gehörten überwiegend (60,0 %) großen Rassen an. Nur zu 8,3 % waren Vertreter kleiner Rassen beteiligt. Überwiegend handelte es sich um juvenile Vaginitiden (73,3 %), mit einem Durchschnittsalter der betroffenen Hündinnen von 5,6 Monaten. In 26,7 % der Fälle wurde die Scheidenentzündung erstmals bei adulten Tieren (Durchschnittsalter 5,8 Jahre) diagnostiziert, die außerdem häufig an anderen Erkrankungen litten. Hiervon waren überwiegend kleine Hündinnen betroffen. Dagegen trat die juvenile Vaginitis bei Hündinnen großer Rassen im Vergleich zu Vertretern kleiner Rassen signifikant häufiger auf (p=0,014). Im Rahmen der mikrobiologischen Untersuchungen wurden zu 57,9 % Mono- und zu 42,1 % Mischkulturen angezüchtet. Eine Dominanz von Staphylococcus spp. (S. intermedius, S. aureus, S. epidermidis) mit 49 %, gefolgt von Streptococcus spp. (22 %) war deutlich. Mit einer antibiotischen und/ oder lokalen Therapie war die Symptomatik bei 15,0 % der Patienten nur kurzfristig oder gar nicht beeinflussbar. Juvenile Vaginitiden heilten in den meisten Fällen mit und ohne Behandlung nach Erreichen der Geschlechtsreife aus. Ein Vorfall von Scheidengewebe ereignete sich bei 39 Tieren während der Läufigkeit und bei zwei Hündinnen während der Hochträchtigkeit. Der Altersmedian der Patienten mit Läufigkeitsprolaps liegt bei 18 Monaten. Betroffen waren überwiegend große Hunde (58,5 %) prädisponierter Rassen. Vertreter kleiner Rassen waren lediglich zu 4,9 % beteiligt. Die am häufigsten betroffenen Rassen waren Boxer und Doberman (je 12,2 %), Staffordshire Terrier (9,8 %) sowie die Deutsche Dogge (7,3 %). Insgesamt ist der Anteil von Hündinnen brachyzephaler Rassen mit 36,6 % besonders hoch. Am häufigsten wurde ein birnenförmiger Vorfall (67,9 %) beobachtet, gefolgt vom dreilappigen (21,4 %) und ringförmigen (10,7 %). Form und Größe des Vorfalls lassen sich keiner bestimmten Krankheitsdauer zuordnen. Die chirurgische Entfernung des prolabierten Gewebes, als Therapiemethode der Wahl, wurde in 75,6 % der Fälle vorgenommen. Neubildungen stellten ein Problem der älteren Hündinnen mit einem Durchschnittsalter von 9,1 Jahren dar. Die Tumorpatienten gehörten 26 verschiedenen Rassen an, wobei Mischlinge am häufigsten betroffen waren (16,4 %), gefolgt vom Deutschen Schäferhund und dem Zwergpudel (je 15,6 %) sowie dem Cocker-Spaniel (11,5 %). In 49,2 % der Fälle waren kleine Rassen betroffen. Als Leitsymptome traten ein Tumorvorfall (54,1 %), blutiger Ausfluss (22,9 %) und eine Umfangsvermehrung in der Perinealgegend (9,8 %) in Erscheinung. Ein beachtlicher Anteil von 18,8 % der Hündinnen zeigte jedoch keine spezifischen Symptome. Die Tumoren befanden sich bei 81,9 % der Hündinnen in der Vagina propria. In einigen Fällen traten sie jeweils im Vestibulum vaginae, perivaginal, perivestibulär oder perineal auf. Von allen histologisch untersuchten Tumoren (n = 76) waren 81,6 % benigne. Den größten Anteil bildeten Fibrome (43,4 %), Leiomyome (18,4 %) und Lipome (10,5 %). Unter den malignen Neubildungen war die Gruppe der Sarkome am häufigsten (14,5 %). Solitäres oder multiples Wachstum ließ nicht auf die Dignität schließen. Eine chirurgische Abtragung wurde bei 93,4 % der Patienten, zu 39,5 % in Verbindung mit einer Episiotomie, vorgenommen und stellte sich als Methode der Wahl heraus. Kongenitale Anomalien traten in Form von Stenosen (n = 3), Scheidensepten (n = 3) und einer ano-rektalen Missbildung auf. Therapie und Prognose waren in diesen Fällen von Ausmaß und Ausprägung der Anomalie abhängig. Die Verletzungen rührten je einmal von einer Geburtsstörung, einer Deckverletzung und einem mechanischen Insult (Schere des Hundefriseurs) her.