Fachbereich Veterinärmedizin


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    Morphologische Untersuchungen des Verdauungsapparates verschiedener Greifvögel unter Berücksichtigung ihrer Ernährungsstrategie (2003)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Heidbrink, Stefanie
    Quelle
    Berlin, 2003 — 246 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000000936
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Anatomie

    Koserstr. 20
    14195 Berlin
    +49 30 838 53555
    anatomie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Der Verdauungsapparat einschließlich der Anhangsdrüsen von Fischadler, Mäusebussard, Rohrweihe, Rotmilan, Sperber, Turmfalke, Wanderfalke und Wespenbussard wurde anatomisch und histologisch dargestellt und auf speziesspezifische Anpassungen an ihre typische Beute und die Art des Nahrungserwerbs untersucht.
    Die Speiseröhre der untersuchten Greifvögel ist innen mit einer kutanen Schleimhaut ausgekleidet. Sie enthält muköse Schleimdrüsen, deren Anzahl im Kropf deutlich abnimmt. Ein spindelförmiger echter Kropf ist stets vorhanden. In der Lamina propria mucosae von Speiseröhre und Kropf sind bei den untersuchten Greifvögel häufig einzelne glatte Muskelfasern eingestreut. Die Drüsen im Inneren des Drüsenmagen sind zu längsverlaufenden Wülsten zusammengelegt. Die Schleimhaut des Muskelmagens enthält bei allen untersuchten Spezies eine Lamina muscularis mucosae.
    Das Duodenum ist bei Rotmilan, Turm- und Wanderfalke schneckenförmig in einer Ebene aufgerollt. Das Jejunoileum ist bei Sperber, Turm- und Wanderfalke zu einer doppelten Dünndarmspirale aufgerollt. Die Caeca sind bei allen untersuchten Greifvogelspezies zu kurzen, abgerundeten Gebilden zurückgebildet, das viel lymphatisches Gewebe enthält. Die Leber ist stets zweilappig. Der Fischadler hat einen extrem langen Darm. Auffällig ist das Stratum compactum in der Lamina propria mucosae des Verdauungstraktes dieser Spezies.
    Der Mäusebussard nutzt als Ansitzjäger ein vielseitiges Nahrungs-spektrum, wofür der Darm zwar länger als bei Vogeljägern sein muss, aber keine so extreme Länge nötig ist wie beim Fischadler. Der Darm der Rohrweihe ist länger und dünnwandiger als der des Mäusebussards.
    Der Rotmilan hat das mit Abstand längste Duodenum und auch insgesamt einen sehr langen Darmtrakt, was eine Verwertung verschiedener, auch minderwertiger Nahrung (Aas) ermöglicht. Der Sperber besitzt einen nur kurzen Verdauungstrakt, was ihn durch die Gewichtsersparnis sehr wendig für die Vogeljagd macht. Er ist damit auf hochwertige Nahrung angewiesen. Der Darm des Turmfalken ist in Anpassung an sein Beutegreifverhalten zur Gewichts-ersparnis recht kurz. Der Wanderfalke hat einen dem Turmfalken sehr ähnlichen Aufbau des Verdauungstraktes. Das Meckelsche Divertikel ist bei dieser Vogelspezies zu einem ausgeprägten lymphatischen Organ umgebildet. Der Verdauungstrakt des Wespenbussards ist in Anpassung an die hochwertige Nahrung vergleichsweise kurz.