Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Einführung in die Tierschutzethik – unter besonderer Berücksichtigung des sog. ‚ethischen Tierschutzes’ (2004)

    Art
    Vortrag
    Autor
    Luy, Jörg
    Kongress
    9. Internationale Fachtagung zum Thema Tierschutz
    Nürtingen, 19. – 20.02.2004
    Quelle
    Tagungsband der Fachgruppen "Tierschutzrecht" und "Tierzucht, Erbpathologie und Haustiergenetik" der DVG
    Gießen: Verlag der DVG Service GmbH, 2004 — S. 2–7
    Kontakt
    Institut für Tierschutz und Tierverhalten

    Königsweg 67
    Gebäude 21, 1. OG
    14163 Berlin
    +49 30 838 62901
    tierschutz@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Das 2002 zum Staatsziel erklärte Konzept des „ethischen Tierschutzes“ billigt dem Gesetzgeber offenbar mehr Gestaltungsspielraum zu als das vorausgegangene rein pathozentrische Konzept, welches grundsätzlich einen Rekurs auf „Schmerzen, Leiden oder Schäden“ erfordert; denn anthropozentrische Zusatzargumente befinden sich schon seit 1972 im Tierschutzgesetz. Der Vergleich mit der Schweiz zeigt, dass dort das Konzept der „Würde der Kreatur“ ebenfalls eingeführt wurde, um in bestimmten Fällen (insbesondere bei der Tierzüchtung und gentechnischen Veränderungen) über den pathozentrischen Schutzrahmen hinausgehen zu können. Der Gesetzgeber braucht sich daher weder in der Schweiz noch in Deutschland in jedem Tierschutzproblembereich durch die Schwierigkeiten des Nachweises von Schmerzen, Leiden oder Schäden – der Referenzgröße im Rahmen pathozentrischer Argumentationen – knebeln zu lassen, da anthropozentrische Zusatzargumente zulässig sind, und deren Referenzgröße die „Sicht der Allgemeinheit“ ist. Aufgrund ihrer Fachkompetenz und beruflichen Erfahrungen sind Tierärztinnen und Tierärzte prädestiniert, solche Missstände zu benennen, und (über den Weg einer öffentlichen Diskussion) eine rechtliche Regelung zu erwirken.