Fachbereich Veterinärmedizin


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    Gibt es ethische Normen für Tierschutz? (2006)

    Art
    Vortrag
    Autor
    Luy, Jörg
    Kongress
    21. Hülsenberger Gespräche der H. Wilhelm Schaumann Stiftung: Fortschritte in Tierzüchtung und Tierhaltung
    Lübeck, 14. – 16.06.2006
    Quelle
    Tagungsband
    Hamburg, 2006 — S. 164–168
    Kontakt
    Institut für Tierschutz und Tierverhalten

    Königsweg 67
    Gebäude 21, 1. OG
    14163 Berlin
    Tel.: +49 30 838 62901 (Sekretariat)
    email: tierschutz@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Der Zweck der Tierschutzethik liegt in der logischen Klärung von ethischen Normen für Tierschutz. Die deskriptive Ethik betreibt Recherche und Beschreibung von Tierschutznormen in Abhängigkeit von den sie vertretenden gesellschaftlichen Gruppen, während die präskriptive (normative) Ethik sich mit der Prüfung und Optimierung der Tierschutznormen im Hinblick auf allgemeine Plausibilität beschäftigt (auch im Vorgriff auf eine denkbare juristische Umsetzung). Ein beispielhafter aktueller Befund der deskriptiven Ethik besteht darin, dass die Bevölkerung in Deutschland sich zur Umsetzung des „sittlich verantworteten Umgangs des Menschen mit den Tieren“ ein im Tierschutzrecht verankertes „ethisches Mindestmaß“ wünscht. Heute allgemein von der Ethik anerkannt ist Folgendes:
    – Tierschutznormen entspringen dem Perspektivenwechsel (Empathie, Mitleiden) und dem Gerechtigkeitsempfinden (Gleichheitsgrundsatz).
    – D.h. weder ethische noch juristische Normen setzen eine Symmetrie von Rechten und Pflichten voraus.
    – Ethische Normen müssen alle Wesen umfassen, mit denen Mitleiden bzw. Empathie möglich ist (= leidensfähige Wesen).
    – (Zumindest höhere) Tiere gelten als schmerz- und leidensfähig.
    – Ethische Normen für Tierschutz können – ohne Verletzung des Gerechtigkeitsempfindens – von zwischenmenschlichen Ethiknormen abweichen, wo unterschiedliche Bedürfnisse dies rechtfertigen (Gleichheitsgrundsatz).
    – In Ergänzung von „pathozentrischen“ Schutzpflichten sind aus gesellschaftlicher Perspektive auch „anthropozentrische“ Tierschutznormen erwägenswert (Verrohungsargument).

    Fazit: Es gibt ethische Normen für Tierschutz … auch wenn Seitens der präskriptiven Ethik noch Detailarbeit zu tun bleibt.