Fachbereich Veterinärmedizin


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    Analyse von zyklusabhängigen Lauten beim Rind zur Erkennung der Brunst (2010)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Hämel, K.
    Quelle
    Berlin: Mensch & Buch Verl., 2010 — 106 Seiten
    ISBN: 3-86664-828-6
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000019187
    Kontakt
    Tierklinik für Fortpflanzung

    Königsweg 65
    Haus 27
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62618 Fax.+49 30 838 62620
    email:fortpflanzungsklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    1. Ziel dieser Arbeit war, das Vokalisationsverhalten von Rindern als Kriterium für Brunst zu untersuchen. Der Ausgangspunkt für diese Arbeit war die Annahme, dass Rinder zum Zeitpunkt der Brunst einen charakteristischen Laut ausstoßen, im landwirtschaftlichen Sprachgebrauch auch „Brüllen“ genannt.
    2. Im Vorversuch konnte zunächst eine eindeutige Unterscheidbarkeit der verschiedenen Laute zu unterschiedlichen Zykluszeiten nachgewiesen werden. Es wurden von 2 Rindern (DE0934936730 und DE0934851144) Laute zu verschiedenen Zykluszeiten (Östrus/Mitte Zyklus) aufgenommen und mit einem Sonagramm bildlich dargestellt. Zur Zyklusmitte wurden harmonische Laute, Muh-Laute genannt, und während der Brunst geräuschhafte Laute, Brüll-Laute genannt, erfasst.
    3. Aufbauend auf den Ergebnissen vom Vorversuch, wurden im ersten Experiment von 8 Tieren die Vokalisationen zur Zyklusmitte und zum Zeitpunkt der Brunst mit einem Camcorder aufgenommen. Der Östrus wurde durch eine Blutentnahme während der Brunst retrospektiv bestätigt. Die benötigten Lautsequenzen wurden per Hand ausgeschnitten, digitalisiert und mit Computer weiter verarbeitet. Dabei konnte für alle untersuchten Tiere eine Frequenzzunahme der Vokalisation zum Zeitpunkt der Brunst nachgewiesen werden, wobei von den insgesamt erfassten Lauten, aufgenommen über 12 Wochen, lediglich nur von 4 Rindern 17 Laute aus der Zyklusmitte erfasst werden konnten. Es war daher nicht möglich die Brunsterkennung über die Unterscheidung der Lauttypen nachzuweisen, da nicht genügend Laute erfasst werden konnten, um ein Neuronales Netzwerk anzulernen. Das machte eine Veränderung des Versuchsaufbaues nötig.
    4. Im zweiten Experiment konnte durch verbesserte Technik und leistungsfähigere Rechner eine Aufnahmetechnik verwendet werden, die eine kontinuierliche Aufnahme von jedem Tier über mehrere Tage gewährleistete. Die Aufnahmen wurden immer in der Mitte des Zyklus begonnen und die Brunst mit PGF2α ausgelöst. Die Auswertung der gewonnen Daten hat für die 10 untersuchten Tiere ergeben, dass ein Zusammenhang zwischen der Brunst und der Vokalisationshäufigkeit besteht. Dieses Ergebnis steht in deutlichem Gegensatz zu den Auswertungen des Stallbuches, nach dem nur ungefähr 11% der Tiere als vokalisierend während der Brunst erfasst worden sind.
    5. In der vorliegenden Arbeit konnte die Annahme, die Rinder würden zum Zeitpunkt der Brunst vermehrt „brüllen“, nicht bestätigt werden. In der Zusammensetzung der Vokalisationen sind die geräuschhaften und harmonischen Anteile ungefähr gleichmäßig verteilt. Es konnte aber für alle untersuchten Tiere ein signifikanter Anstieg der Gesamtvokalisation zum Zeitpunkt der Brunst nachgewiesen werden.