Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Der Mangel an tierärztlichem Nachwuchs in der Nutztiermedizin (2010)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Kostelnik, K.
    Quelle
    Berlin: Mensch & Buch Verl., 2010 — III, 72 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-885-2
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000021344
    Kontakt
    Tierklinik für Fortpflanzung

    Königsweg 65
    Haus 27
    14163 Berlin
    +49 30 838 62618
    fortpflanzungsklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die Tiermedizin, früher ein von Männern dominiertes Berufsfeld, hat in den letzten 15 Jahren einen bedeutenden Anstieg an weiblichen Studienanfängern erfahren. Heute sind über 85 % der Tiermedizinstudierenden Frauen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Absolventen/innen, die sich für eine Karriere in der Nutztiermedizin entscheiden. Immer mehr Praktiker, vor allem in ländlichen Gegenden, beklagen den Mangel an tierärztlichem Nachwuchs. Sowohl die Feminisierung als auch der Nutztierärztemangel stellen ein international auftretendes Phänomen dar. Unter Tierärzten und in der Fachliteratur wird lebhaft diskutiert, ob zwischen diesen beiden Trends ein Zusammenhang besteht. Vor allem in Australien, Kanada und den USA wurden bereits umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. In Deutschland gab es bisher keine aussagekräftigen Daten aus wissenschaftlichen Erhebungen zu dieser Thematik. Als mögliche Ursache wird, neben dem gestiegenen Frauenanteil unter den Studierenden, vor allem das schlechte Image der Nutztierpraxis diskutiert.
    Ziel der vorliegenden Untersuchung war es herauszufinden, ob männliche und weibliche Studierende die Wahl für ein Tätigkeitsfeld nach dem Studium aufgrund unterschiedlicher Motivationen und Interessen treffen, wie die Vorlieben und Vorstellungen der Studierenden in Bezug auf ihr späteres Berufsleben aussehen und ob es Abweichungen zwischen den Vorstellungen der Studierenden und dem Berufsalltag von Assistenztierärzten/innen gibt. Um diese Fragen zu klären, habe ich eine schriftliche Befragung unter 1.498 Studierenden des ersten und neunten Semesters an den fünf deutschen tiermedizinischen Ausbildungsstätten durchgeführt (Rücklaufquote 80,3 %). Um den Abgleich zwischen den Vorstellungen der Studierenden und dem Berufsalltag von Assistenztierärzten/innen vornehmen zu können, habe ich darüber hinaus in einer zweiten Untersuchung 810 Assistenztierärzten/innen in ganz Deutschland befragt, die bereits über mehrjährige Berufserfahrung verfügten und in den Jahren 2004/2005 ihre Approbation erhalten hatten (Rücklaufquote 54,8 %).
    Die gewonnenen Daten zeigen, dass männliche Studierende (23,4 %) eher zu einer Karriere in der Nutztiermedizin tendieren als weibliche (12,0 %). Außerdem entschieden sich Studierende aus einer ländlichen Gegend mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für die Nutztierpraxis (55,6 %), als Studierende mit einem städtischen Hintergrund (18,1 %). Darüber hinaus weisen die Ergebnisse auf einen starken speziesspezifischen Zusammenhang zwischen den Vorlieben der Studierenden hinsichtlich eines Tätigkeitsfeldes und der Art der Tiere, die sie oder ihre Familien hielten, hin. Studierende, die ausschließlich Kleintiere hielten, zeigten ein starkes Interesse an der Kleintierpraxis (erwartete Häufigkeit 130,9, tatsächliche Häufigkeit 172). Hingegen bevorzugten Studierende, die Nutztiere ausschließlich oder zusammen mit Pferden und/oder Kleintieren hielten, eine Tätigkeit in der Nutztierpraxis (erwartete Häufigkeit 12,5, tatsächliche Häufigkeit 26). In Hinblick auf das Berufsbild ergaben sich die größten Unterschiede zwischen den Vorstellungen der Studierenden und den Angaben der Assistenztierärzte/innen bei der Beurteilung der Arbeitszeiten und der Verdienstmöglichkeiten. Während etwa gleich viele Studierende der Aussage zustimmten, gute Verdienstmöglichkeiten in der Kleintier- (45,6 %) bzw. der Nutztierpraxis zu haben (42,0 %), stimmten dem nur 16,0 % der Assistenztierärzte/innen aus dem Kleintierbereich, hingegen 39,7 % aus dem Nutztierbereich, zu. Weitestgehende Übereinstimmungen zwischen den beiden Gruppen gab es unter anderem bei der Aussage, dass die Arbeit in der Nutztierpraxis hart, körperlich anstrengend und schmutzig sei.
    Die Ergebnisse der Untersuchungen deuten an, dass für die Wahl des Tätigkeitsfel-des im Anschluss an das Studium die Herkunft, die gehaltenen Haustiere und das Geschlecht wichtige Einflussfaktoren darstellen. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass die Vorstellungen der Studierenden über die Nutztierpraxis in großen Teilen mit dem Berufsalltag der Assistenztierärzte/innen übereinstimmen. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass es die bestehenden Praxisstrukturen in der Nutztierpraxis sind, die eine Karriere in diesem Bereich unattraktiv für den tierärztlichen Nachwuchs machen.