Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Studien zu Anaplasma phagocytophilum beim Hund: Klinik der granulozytären Anaplasmose und Bedeutung für die Transfusionsmedizin (2018)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Chirek, Aleksandra (WE 20)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2018 — 83 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/22451
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    +49 30 838 62356
    kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    A. phagocytophilum ist ein gram negatives, obligat intrazelluläres Bakterium, welches hauptsächlich von Zecken der Gattung Ixodes übertragen wird. Es befällt vor allem neutrophile Granulozyten und ist unter anderem Auslöser der caninen granulozytären Anaplasmose. Ziele der vorliegenden retrospektiven Studien waren 1) die Beschreibung der klinischen Symptome, der Laborwertveränderungen, der Therapie und der Verlaufes der CGA und 2) die Ermittlung des Vorkommens von A. phagocytophilum bei gesunden Blutspenderhunden und die Bedeutung des Erregers für die Transfusionsmedizin. 1) Im Untersuchungszeitraum 2006 bis 2012 wurden 974 Hunde mit in der Literatur beschriebenen Symptomen einer CGA in der Klinik für kleine Haustiere der FU Berlin vorstellig, von denen 72 Hunde ein positives PCR-Ergebnis für A. phagocytophilum-DNA hatten. 63 Hunde erfüllten die Einschlusskriterien und gingen in die Studie ein. Die Hauptsymptome der an CGA akut erkrankten Hunde waren Apathie und reduziertes Allgemeinbefinden (83 %), Fieber (67 %) und Inappetenz (63 %). Die häufigste Laborwertveränderung war Thrombozytopenie (86 %) gefolgt von erhöhten Leberenzymaktivitäten und Hyperbilirubinämie (77 %), Anämie (70 %), Hypoalbuminämie (62 %) und Leukozytose (27 %). 44 % von 36 getesteten Hunden mit Thrombozytopenie waren positiv für thrombozytengebundene Antikörper. 59 von 61 Hunden erholten sich, zwei Hunde verstarben (ein Hund an epileptischen Anfällen, ein weiterer an den Folgen einer immunhämolytischen Anämie), zwei Hunde konnten nicht nachuntersucht werden. Bei Hunden, bei denen eine Zeckenexposition nicht ausgeschlossen werden kann, und die mit unspezifischen Symptomen wie Lethargie und Fieber und/oder Anzeichen einer immunmediierten Erkrankung vorstellig werden, sollte in endemischen Gebieten die CGA als Ursache in Betracht gezogen werden. 2) Insgesamt 917 EDTA-Blutproben von 517 Blutspenderhunden wurden im Untersuchungszeitraum 2006 bis 2012 mittels real-time PCR auf das Vorkommen von A. phagocytophilum-DNA getestet. 158 der Hunde spendeten mehrmals Blut und wurden somit mehrmals getestet (2 - 11 mal, Median 3). Bei 21 der 917 (2,3 %) Blutproben von 21 Blutspenderhunden war die PCR positiv, bezogen auf die Anzahl der Blutspenderhunde betrug die Prävalenz 4,06 %. Die positiven Ergebnisse fielen hauptsächlich in die Monate Juni (n=8), Mai (n=5) und Juli (n=3), kamen aber auch in fünf weiteren Monaten vor. Keiner der getesteten Hunde war mehrfach positiv. Eine leicht erhöhte Rektaltemperatur (=39,0 °C) lag bei drei Hunden vor. Bei elf Hunden fielen geringgradige Laborwertveränderungen auf: Thrombozytopenie (n=3), Leukozytose (n=2), Leukopenie (n=2), Anämie (n=1), Hyperproteinämie (6 von 18 getesteten Hunden). Im Hinblick auf die Laborwertveränderungen gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den PCR positiven und PCR negativen Blutproben. Da 2,3 % der Blutproben gesunder Blutspenderhunde PCR-positiv für A. phagocytophilum waren, sollten alle Blutspender in endemischen Gebieten vor jeder Blutspende das ganze Jahr über auf das Vorkommen von A. phagocytophilum-DNA im Blut getestet werden.