Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchung zur Tötung von Pferden (2017)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Walther, Maike (WE 17)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2017 — VI, 94 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-759-0
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000106523
    Kontakt
    Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62299 Fax.+49 30 838 62529
    email:pferdeklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die Euthanasie beim Pferd stellt in den meisten Fällen nicht nur für den Besitzer, sondern auch für das Pferd und nicht zuletzt für den Tierarzt selbst eine schwierige Situation dar, die nicht einfach zu meistern ist. Er muss mit einem hohen Maß an Professionalität und Sorgfalt im Sinne des Tierwohls agieren und dabei dem Besitzer und Angehörigen mit viel Empathie begegnen. Vor diesem Hintergrund war es Ziel dieser Arbeit die Auswirkungen einer Euthanasie auf den betroffenen Besitzer, das Pferd und den ausführenden Tierarzt näher zu untersuchen, um eine Empfehlung für eine sichere und stressfreie Euthanasie geben zu können.

    In dieser Studie wurde bei 40 Pferden die Herzfrequenzvariabilität vor und während der Euthanasie gemessen und die Serumkortisolwerte prä- und postmortal bestimmt. Neben Untersuchungen zur Euthanasie in der Klinik wurden die Stressparameter im Blut von 20 Schlachtpferden auf dem Schlachthof Mecke GmbH und Co. KG in Werne gemessen. Zur Stressevaluierung wurden der Kortisol-, Laktat-, und Glukosewert nach der Schlachtung im Blut bestimmt. Zusätzlich wurden Fragebögen für Pferdebesitzer und Tierärzte konzipiert. Der Fragebogen für Pferdebesitzer wurde auf der Homepage der Reiter Revue International mit dem Aufruf zur Teilnahme veröffentlicht. Der Fragebogen für Tierärzte wurde per E-Mail an verschiedene Pferdekliniken verschickt. Es nahmen acht deutsche Pferdekliniken und jeweils eine Klinik aus Belgien, Österreich und England an der Umfrage teil.

    Anhand der Ergebnisse ließ sich bei den 40 euthanasierten Pferde insgesamt ein signifikanter Anstieg (p = 0,001) des Kortisolwertes im Blutserum nach der Euthanasie feststellen. Die Auswertung der HFV zeigte eine Dominanz der sympathischen Aktivität in der Vorbereitungsphase der Euthanasie und zum Zeitpunkt der Injektion von Pentobarbital. Des Weiteren wurden signifikant niedrigere (p = 0,04) Kortisolwerte bei den Pferden, die in Anwesenheit ihres Besitzers eingeschläfert wurden, festgestellt. Der Ort der Euthanasie und verwendete Prämedikation wiesen keinen signifikanten Einfluss auf die Stresswerte auf. Pferde, die aufgrund von Kolik eingeschläfert wurden, hatten insgesamt signifikant höhere prä- (p = 0,002) und postmortale (p = 0,001) Kortisolwerte. Der Vergleich der postmortalen Kortisolwerte der euthanasierten Pferde mit den Kortisolwerten der Schlachtpferde zeigte deutlich, dass die Schlachtpferde signifikant (p = 0,019) höhere Kortisolwerte aufwiesen als die euthanasierten Pferde. Bei den Schlachtpferden konnten erhöhte Laktat-, Glukose- und Kortisolwerte nach der Schlachtung festgestellt werden. Ob die Pferde dabei in einem Sammeltransporter oder von ihrem eigenen Besitzer zum Schlachthof gebracht worden sind, hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Stresswerte.

    Auffällig bei der Auswertung der Tierärztefragebögen war, dass der Ort der Euthanasie, sowie die verwendete Prämedikation zwischen den Kliniken stark variierte. Beachtlich war, dass die Mehrheit der befragten Kliniken T61 (n = 8) als Euthanasiepräparat verwendete. Am häufigsten wurden Muskelzuckungen und tiefe Atemzüge vor dem Einsetzten des Atemstillstandes beobachtet.

    Die Haupterkenntnis aus den Fragebögen für die Besitzer war, dass die Empathie der in Deutschland praktizierenden Tierärzte insgesamt als gut eingeschätzt wurde. Besitzer, die ihr Pferd in einer Pferdeklinik einschläfern lassen mussten, bemängelten teilweise die Atmosphäre und mangelnde Aufklärung über den Ablauf der Euthanasie. Zudem gaben 45,1 % der Befragten an, das Niedergehen des Pferdes als emotional besonders stressig empfunden zu haben. Des Weiteren zeigte sich, dass die Meinung des Tierarztes einen hohen Stellenwert bei der Entscheidungsfindung bezüglich einer bevorstehenden Euthanasie hat und dass 81,3 % der Besitzer generell eine Euthanasie einer Schlachtung vorziehen bzw. gar nicht über diese alternative Tötungsmethode informiert wurden (66,3 %). Ebenfalls auffällig war, dass 64,8 % der Besitzer angaben, dass die Anwesenheit bei der Euthanasie dabei geholfen hat, über den Verlust des Pferdes hinwegzukommen.

    Aufgrund der gewonnenen Daten wurde im Zuge dieser Arbeit eine Empfehlung für eine Euthanasie beim Pferd angefertigt. Diese empfiehlt neben der Anwesenheit des Besitzers während der Euthanasie vorab die genaue Aufklärung über den Ablauf. Darüber hinaus sollte der Besitzer auf das eventuelle Auftreten von Begleiterscheinungen wie zum Beispiel Muskelzuckungen, Exzitationen oder „final gasps“ hingewiesen werden. Als Euthanasieprotokolle eignen sich verschiedene Kombinationen. An der Klinik für Pferde, Allgemeine Chirurgie und Radiologie der Freien Universität Berlin Klinik erfolgt die Sedierung mit Xylazin (0,8 mg/i.v.) oder Xylazin (0,8 mg/kg i.v.) und Butorphanol (0,025 mg/kg i.v.). Zur Einleitung in die Narkose wird Diazepam (0,02 mg/kg i.v.) und Ketaminhydrochlorid (2,2 mg/kg i.v.) verwendet. Die Euthanasie sollte danach mit Pentobarbital (80 mg/kg i.v.) erfolgen.

    Im Rahmen einer Weiterführung dieser Arbeit wäre eine Wiederholung der Studie mit einer größeren Fallzahl zur Verifizierung der Ergebnisse angezeigt. Auch eine Befragung zum Thema Euthanasie der in Deutschland praktizierenden Pferdefahrpraktiker wäre interessant. Des Weiteren gibt es bisher keine Stressmessungen bei Pferden, die zu Hause in gewohnter Umgebung eingeschläfert wurden. Hier würde sich ebenfalls eine Erhebung der HFV und der prä-, und postmortalen Kortisolwerte anbieten. Ansonsten wäre eine Stressmessung beim Pferd während der Euthanasie, unter dem Einsatz verschiedener Präparate, ebenfalls interessant zu untersuchen. Einen weiteren Untersuchungsansatz bietet die Studie von EVANS et al. (1993). Die Autoren beobachteten nämlich weniger Schnappatmung bei Hunden, die sie zusätzlich zu Pentobarbital noch mit Lidocain (4,4 mg/kg) einschläferten. Man könnte in zukünftigen Studien diesen Untersuchungsansatz auch beim Pferd weiterführen, um so eventuell das Auftreten der „final gasps“ zu minimieren. Auch bei den Schlachtpferden könnten weiterführende Untersuchungen anschließen. Neben Verlaufsmessungen der Kortisolwerte wäre die Erhebung der HFV und der anschließende Vergleich mit den Werten der euthanasierten Pferde sinnvoll.