Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchungen zur Wirkung von Antithymozytenglobulin bei der Rekonditionierung von mit Magensaft/Blut-Gemisch vorgeschädigten Spenderlungen (2017)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Störmer, Anja Elena (WE 12)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2017 — vii, 113 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-833-7
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000105446
    Kontakt
    Institut für Tierpathologie

    Robert-von-Ostertag-Str. 15
    Gebäude 12
    14163 Berlin
    +49 30 838 62450

    Abstract / Zusammenfassung

    Für Patienten mit schweren Lungenerkrankungen ist eine Lungentransplantation oft die letzte Therapiemöglichkeit. Leider versterben jedoch viele Patienten, während sie auf eine Lunge warten. Der Mangel an Spenderlungen liegt aber nicht nur an einer zu kleinen Anzahl von Spendern: der überwiegende Teil der Spenderlungen muss bisher als nicht transplantabel eingestuft werden. Daher sollte es ein vorrangiges Ziel bleiben, den Spenderpool für Lungentransplantationen zu erweitern.

    Es gibt bereits viele Ansätze dieses zu tun. Verschiedene Konservierungstechniken wurden entwickelt, damit Spenderlungen auch von herztoten Spendern verwendet werden können, so genannten Non Heartbeating Donors. Eine große Anzahl weiterer Untersuchungen beschäftigt sich mit der Rekonditionierung von Lungen, die nach den zurzeit akzeptierten Kriterien als nicht transplantabel gelten. Dabei hat der Einsatz von Immunsuppressiva entscheidend zur Erfolgsgeschichte der Lungentransplantation beigetragen.

    Ziel dieser Arbeit war es, einen Beitrag zur Rekonditionierung vorgeschädigter Spenderlungen zu leisten. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Untersuchung des Einflusses von Antithymozytenglobulin auf die Rekonditionierung von durch Aspiration eines Magensaft/-Blut-Gemisches vorgeschädigten Lungen.

    Frühere Studien haben sich bereits mit der Rekonditionierung von durch Magensaftaspiration vorgeschädigten Lungen beschäftigt, ohne dabei allerdings einen zu hohen pulmonalen vaskulären Widerstand, eine zu niedrige Compliance und die Entstehung eines Ödems verhindern zu können.

    Die Versuche dieser Arbeit wurden an deutschen Hausschweinen, sus scrofa domestica, durchgeführt. Durch eine intratracheale Injektion eines Magensaft-Blut-Gemisches wurde die Schädigung der Lunge durch Magensaftaspiration nachgebildet. Die Ergebnisse unserer Versuche an sieben Tieren (Gruppe 3) wurden mit zwei Versuchsgruppen (Gruppe 1 und 2) mit sechs beziehungsweise sieben Versuchstieren verglichen (Die früher ermittelten Versuchsdaten zu diesen zwei Versuchsgruppen wurden von Frau Dr. S.Wipper zur Verfügung gestellt.). Die Lungen der ersten Gruppe wurden über sechs Stunden ex vivo rekonditioniert. In der zweiten Gruppe wurden die Lungen zusätzlich mit intensivmedizinischen Maßnahmen (Stickoxid-Beatmung, Acetylcystein, Antibiotika und Methylprednisolon) stabilisiert. Die dritte Gruppe war identisch zur zweiten Gruppe, nur wurde hier zusätzlich Antithymozytenglobulin (ATG Fresenius®) eingesetzt, welches die Lungen noch weiter stabilisieren sollte.

    Die Arbeitshypothese dabei war, dass der Spenderpool von Lungen erweitert werden kann, indem man die entzündungshemmende Wirkung von Antithymozytenglobulin nutzt, um den Erfolg der bereits früher gezeigten intensivmedizinischen Maßnahmen bei der Rekonditionierung von durch Magensaftaspiration vorgeschädigte Lungen so zu steigern, dass so behandelte Lungen in größerem Umfang als transplantabel eingestuft werden können. Hervorzuheben dabei ist, dass die Antithymozytenglobulingabe bereits im Spender erfolgt und ex vivo wiederholt wird. Bisher war es bei Lungentransplantationen nur üblich, eine Antithymozytenglobulingabe in den ersten Tagen post transplantationem zu verabreichen, um dem in diesem Zeitraum vermuteten größten Abstossungsrisiko entgegen zu wirken.

    Zur Beurteilung der Transplantabilität der Spenderlungen wurden verschiedene hämodynamische Parameter (Compliance, pulmonaler vaskulärer Widerstand, pulmonaler Oxygenierungsgrad), eine makroskopische Beurteilung der Lungenqualität, eine wet/dry ratio Bestimmung, histologische Untersuchungen und eine Messsung der Myeloperoxidase Aktivität durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Arbeit weisen auf die Richtigkeit unserer Arbeitshypothese hin. Vor allem die Auswertung der Myeloperoxidase Aktivität deutet auf eine Erhöhung der Transplantabilität von Lungen der Gruppe 3 im Vergleich zu denen der anderen beiden Gruppen hin.

    Es konnten so Hinweise darauf erarbeitet werden, dass durch eine Antithymozytenglobulin Applikation noch im Donor eine signifikante Stabilisierung des Transplantates erreicht werden kann. Die Versuchsergebnisse stützen die Annahme eines positiven Antithymozytenglobulin-Einflusses bei Verabreichung in vivo und ex vivo. Zukünftige Arbeiten sollten weitere Nachweise für die Gültigkeit der Beobachtungen liefern und klären, ob diese Rekonditionierungstechnik eine erfolgreiche Transplantationen von Spenderlungen erlaubt und ob eine akute und eventuell auch chronische Abstossung der transplantierten Lunge durch dieses Verfahren inhibiert werden kann.