Fachbereich Veterinärmedizin


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    Einflussfaktoren auf die angiogene Potenz humaner mikrovaskulärer Endothelzellen in vitro (2017)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Sievers, Henrieke (WE 1)
    Quelle
    Berlin, 2017 — 77 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000105447
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Anatomie

    Koserstr. 20
    14195 Berlin
    Tel.+49 30 838 53555 Fax.+49 30 838-53480
    email:anatomie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Bei der Entwicklung anti-/angiogener Therapien werden erste Versuche hinsichtlich der Wirksamkeit einer Substanz in in vitro-Modellen durchgeführt. Dafür ist es erforderlich, dass isolierte Endothelzellen bei der Kultivierung in einem Angiogenese-Modell durch den Einsatz eines proangiogenen Kultivierungsmediums aktiviert und zur Angiogenese stimuliert werden können.

    Bei der Kultivierung humaner mikrovaskulärer Endothelzellen unterschiedlicher Organe und Firmen in einem all-in-one-Modell [11] beobachteten Bahramsoltani und Plendl [12], dass diese Zellen trotz Kultivierung in proangiogenen Kultivierungsmedien deutliche Unterschiede hinsichtlich ihrer angiogenen Potenz aufweisen können. Daher war das Ziel der vorliegenden Arbeit, potentielle Einflussfaktoren auf die angiogene Potenz humaner mikrovaskulärer Endothelzellen in vitro systematisch zu untersuchen.

    Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit bestätigen, dass kultivierte Endothelzellen prägnante Unterschiede hinsichtlich ihrer angiogenen Potenz aufweisen können. Diese wurden sowohl zwischen Endothelzellen unterschiedlicher Organe als auch unterschiedlicher Zellspender sowie zwischen Endothelzellen innerhalb derselben Kultur beobachtet. In der Ausprägung ihrer angiogenen Potenz können sie dabei maßgeblich durch die Kultivierungsbedingungen beeinflusst werden. Die Beobachtungen aus den letzten beiden Studien der vorliegenden Arbeit deuten zudem darauf hin, dass bestimmte Endothelzellen sogar dazu in der Lage sind, vermutlich als Reaktion auf die Kultivierungsbedingungen, ihren Phänotyp zu ändern und die Funktion nicht vorhandener Zellen, wie zum Beispiel Perizyten, vaskulären Myozyten oder Makrophagen zu übernehmen. Demnach kann angenommen werden, dass die angiogene Potenz einer Endothelzelle das Resultat einer Interaktion dieser Zelle mit ihrer Umwelt ist, so dass die Ergebnisse von in vitro-Studien zur Angiogenese in erster Linie von der verwendeten Endothelzellcharge sowie den Kultivierungsbedingungen abhängen. In Anbetracht des mannigfaltigen Angebots an unterschiedlichen Zellchargen sowie Kultivierungsbedingungen stellt sich daher die Frage, inwiefern in vitro-Studien zur Angiogenese sicher reproduzierbar sind. Wissenschaftliche Veröffentlichungen über nicht-angiogene Endothelzellen gibt es kaum. Dies gibt Grund zur Annahme, dass bei der Durchführung von in vitro-Studien zur Angiogenese der Einsatz unterschiedlicher Endothelzellchargen sowie Kultivierungsbedingungen als Einflussfaktoren auf die angiogene Potenz kultivierter Endothelzellen nicht ausreichend berücksichtigt und Studien zur Reproduzierbarkeit nicht durchgeführt wurden, infolgedessen es womöglich zu falsch-positiven/-negativen Ergebnissen gekommen sein könnte.

    Die vorliegende Arbeit verdeutlicht, dass Ergebnisse aus in vitro-Studien zur Angiogenese ausschließlich auf die in der jeweiligen Studie verwendeten Zellen und Kultivierungsbedingungen bezogen werden dürfen. Es ist dringend erforderlich, die gewonnenen Ergebnisse validierten Kontrollen zu unterziehen und in weiteren Modellen, auch unter Verwendung anderer Zellchargen, zu bestätigen.

    Die vorliegende Arbeit hebt ebenfalls deutlich die Relevanz der Veröffentlichung negativer Ergebnisse hervor, um auf derartige Beobachtungen in in vitro-Studien zur Angiogenese aufmerksam machen zu können.

    Die Tatsache, dass sich kultivierte Endothelzellen trotz Einsatz eines proangiogenen Kultivierungsmediums als nicht-angiogen erweisen können, muss bei der Durchführung von in vitro-Studien zur Angiogenese unbedingt berücksichtigt werden.

    Die Etablierung universeller Marker könnte eine Unterscheidung angiogener von nicht-angiogenen Endothelzellen ermöglichen.