Fachbereich Veterinärmedizin


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    Mikrobiota an der Augenoberfläche von gesunden Katzen (2017)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Büttner, Jessica (WE 20)
    Quelle
    Berlin, 2017 — 153 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000105337
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    +49 30 838 62356
    kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Ziel dieser Arbeit war die Bestimmung der Mikrobiota aus dem Konjunktivalsack von gesunden Katzen aus dem Berliner Einzugsgebiet und die Erstellung von In-vitro-Empfindlichkeitstests, um die Resistenzlage der isolierten Bakterien zu evaluieren.
    Es wurden insgesamt 120 Katzen mit unterschiedlichem Alter und Geschlecht sowie verschiedener Rassen untersucht. Es erfolgte eine Einteilung der Tiere in 3 Gruppen bezüglich ihrer Haltungsform. Gruppe 1 gehörten Tiere an, die reine Wohnungskatzen waren ohne weitere Katzen im Haushalt. Zu Gruppe 2 zählten reine Wohnungskatzen mit weiteren Partnerkatzen im Haushalt. Alle Freigängerkatzen wurden der Gruppe 3 zugeordnet.
    Mittels steriler trockener oder mit NaCl angefeuchteter Tupfer wurden nach erfolgter Allgemein- und opthalmologischer Untersuchung Proben aus dem Konjunktivalsack entnommen, per Post an das veterinärmedizinische Labor LABOKLIN GmbH & CO.KG versendet und dort auf aerobe, anaerobe Bakterien sowie Pilze untersucht. Von den isolierten Bakterein wurden In-vitro-Empfindlichkeitsbestimmungen mittels Bouillon-Mikrodilutionsverfahren durchgeführt.
    Bei 49 der 120 Katzen (40,8 %) bzw. bei 73 der 240 Tupferproben (30,4 %) konnten Mikroorganismen nachgewiesen werden. Insgesamt gelang der Nachweis von 38 unterschiedlichen Bakterien- und Pilzspezies, wobei 23 (60,5 %) zu den grampositiven und 12 (31,6 %) zu den gramnegativen Arten zählten. 3 Arten (7,9 %) waren Pilze. Es wurden insgesamt 83 Bakterienisolate nachgewiesen. Grampositive Bakterien gehörten mit 61 Isolaten (73,5 %) zu den dominierenden Bakterien an der Augenoberfläche von Katzen aus Berlin und Umgebung. Der Nachweis von gramnegativen Bakterien lag bei 22 Isolaten (26,5 %). Staphylococcus zählte mit 41 Isolaten (49,4 %) zu der am häufigsten isolierten Bakteriengattung der grampositiven Bakterien, wobei Staphylococcus felis mit 18 Isolaten (21,7 %) die am häufigsten nachgewiesene Bakterienspezies insgesamt war. Bei den gramnegativen Mikroorganismen waren Bakterien der Gattung Acinetobacter mit 6 Isolaten (7,2 %) am häufigsten vertreten, wohingegen Moraxella osloensis mit 5 Isolaten (6 %) die am häufigsten isolierte gramnegative Keimart darstellte. Bei den meisten hier isolierten Bakterien handelt es sich um opportunistische Erreger, die bei Herabsetzen der Abwehrmechanismen am Auge möglicherweise auch Infektionen hervorrufen können. Die Pilzspezies Aspergillus brasiliensis, Chaetomium globosum und Pichia guilliermondi wurden zuvor noch bei keiner Katze an der Augenoberfläche nachgewiesen und kamen hier lediglich bei drei Katzen an jeweils einem Auge vor. Vermutlich handelt es sich hierbei um transiente Besiedlier, die aus der Umwelt der jeweiligen Katzen stammen. Der Nachweis von anaeroben Bakterien gelang nicht.
    Verschiedene Faktoren hatten einen Einfluss auf die Nachweisrate bzw. die Zusammensetzung der Bakterien. So waren die unterschiedlichen Keimanchweisraten in den verschiedenen Jahreszeit statistisch signifikanten (p = 0,04), wobei in den wärmeren Monaten im Sommer und Herbst mehr Bakterien nachgewiesen wurden. Die Probenentnahme mit trockenen oder mit NaCl angefeuchteten Tupfern hatte dagegen einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Bakterienzusammensetzung (p = 0,03). So konnten mit feuchten Tupfern deutlich mehr grampositive Bakterien isoliert werden. In den drei Haltungsgruppen bestand kein Unterschied bezüglich der Nachweisrate oder der Bakterienzusammensetzung. Die Resistenzlage der isolierten Mikrobiota an der Augenoberfläche von Berliner Katzen ist als günstig einzustufen.
    Als abschließendes Fazit kann festgehalten werden, dass die bakterielle Zusammenstzung am Katzenauge im Berliner Einzugsgebiet weitestgehend der in der Literatur beschriebenen Bakterien am Katzenauge entspricht. Es konnte jedoch eine deutlich größere Diversität der Bakterienspezies und eine höhere Anzahl der gramnegativen Bakterien nachgewiesen werden. Für prä- und postoperative Behandlungen sowie bei Verletzungen der Augenoberfläche ist deshalb der Einsatz eines Antibiotikums mit möglichst großem Wirkungsspektrum zu empfehlen. Die Entnahme von mirkobiologischen Proben aus dem Konjunktivalsack von Katzen sollte mit zuvor angefeuchteten Tupfern erfolgen. Um größere Temperaturschwankungen zu vermeiden, sollte zusätzlich der Transport der Proben für bakteriologische Untersuchungen, v.a. zu den kälteren Jahreszeiten, schnellst möglich zum Zielort mittels Kurier erfolgen.