Fachbereich Veterinärmedizin


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    Entwicklung eines Bewertungsprotokolls für Peking- und Moschusenten zur Erfassung des Tierwohls bei Haltung, Transport und Schlachtung - eine Literaturstudie (2017)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Sperlich, Rhea Margarita (WE 15)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2017 — 185 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-820-7
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000105266
    Kontakt
    Institut für Geflügelkrankheiten

    Königsweg 63
    14163 Berlin
    +49 30 838 62676
    gefluegelkrankheiten@vetmed.fu-berlin

    Abstract / Zusammenfassung

    Der Umgang mit Nutztieren ist in den letzten Jahren, v.a. in Europa immer weiter in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt.

    Tierschutzaspekte belasten zunehmend das Image der Nutztierhaltung. Vielen Verbrauchern ist nicht mehr nur noch die Frische und hygienische Unbedenklichkeit von tierischen Erzeugnissen wichtig, sondern auch, ob die Tiere tiergerecht gehalten, schonend transportiert und schnell und schmerzlos geschlachtet wurden.

    Trotz einer Vielzahl an Gesetzen und Rechtstexten zum Schutz von Nutztieren existieren bislang nicht für alle Tierarten verbindliche Regelungen. Hierzu gehören auch die beiden vorrangig genutzten Entenrassen. Die Pekingenten und die Moschusenten.

    Private und staatlich geförderte Tierschutzsiegel gelten als mögliche Lösung den praktischen Tierschutz in Deutschland und Europa voran zu bringen. Und auch wenn bereits einige Siegel Anforderungskataloge für Enten erstellt haben (z.B. Freedom Food, Label Rouge), basieren diese bislang auf wenigen Eckpunkten der Haltungsumwelt. Tierbezogene Messwerte, wie sie im Rahmen des Welfare Quality® Projektes für andere Nutzrassen etabliert worden sind, existieren bislang nicht.

    Anhand einer detaillierten Literaturrecherche werden in dieser Arbeit zum Einen die ethologischen Grundlagen des Verhaltens beider Entenarten besprochen und im Weiteren die sich daraus ergebenden derzeitigen Probleme bei ihrer Haltung, sowie bei Transport und Schlachtung beleuchtet. Ziel ist es, die so gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, um durch weitergehende ethologische und wissenschaftliche Forschungsarbeit problemorientierte und vorrangig tierbezogene Bewertungsprotokolle nach dem Vorbild von Welfare Quality® zu erstellen.

    Als ein wichtiger Problembereich in der Haltung beider Entenarten wird die häufig massive Reizarmut und ihre Folgen für die Tiere identifiziert. Besonders der positive Einfluss von Umweltreizen, wie einem Auslauf, Beschäftigungs- und Bademöglichkeiten wird noch immer kritisch betrachtet, kann in ihrer Bedeutung jedoch anhand der Literatur und existierender Forschungsarbeiten bekräftigt werden. Auch die Auswirkungen des Stallklimas inkl. des Beleuchtungsregimes auf Verhalten und Gesundheit der Tiere stellen nach Auswertung der Literatur wichtige Eckpfeiler dar.

    Insbesondere bei der Moschusentenhaltung ergibt sich ein massives Problem durch schadhaftes Verhalten in Form von Federrupfen und Kannibalismus. Bislang erfolgten Eindämmungsversuche v.a. durch weiteres Abschirmen der Tiere von möglichen auslösenden Reizen, z.B. durch die Haltung in Dunkelställen. Auch tierschutzbedenkliche Eingriffe, wie die Kürzung der Schnäbel, ist noch immer gängige Praxis. Auch hier soll eine bestmöglich an die Bedürfnisse der Tiere angepasste Haltungsumwelt helfen, dass Problem in seiner Grunderstehung zu erfassen und seine Ausprägung zu verhindern.

    Tierschutzrelevante Probleme dürfen nicht nur in der Haltung gesucht werden. Auch eine Verbesserung des Umgangs mit den Tieren während des Transports und der Schlachtung sind als essentielle Eckpunkte zur Verbesserung des Wohlbefindens und zum Schutz der Tiere vor Schmerzen, Leiden und Schäden im Sinne des §1 TierSchG zu sehen. Auch hier erfolgt eine problemorientierte Aufarbeitung der Literatur mit Lösungsvorschlägen zu den einzelnen Kriterien.

    Zum Abschluss werden alle erarbeiteten Messwerte zur Erfassung des Wohlbefindens der Enten in übersichtlichen, nach Problembereichen geordneten Bewertungsprotokollen für beide Arten zusammengefasst. Derart soll das über Enten verfügbare Wissen zur Tierschutzbeurteilung dem Tierarzt des öffentlichen Dienstes oder den Auditoren künftiger Tierschutzsiegel für Betriebsbesichtigungen unter Tierschutzgesichtspunkten zugänglich gemacht werden und weitere Denkanstöße geboten werden.