Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Entwicklung und Erprobung eines Hygienemonitoringprogramms für Milchviehbetriebe (2017)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Kühl, Nils Dirk (WE 10)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2017 — X, 133 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-819-1
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000105239
    Kontakt
    Institut für Tier- und Umwelthygiene

    Robert-von-Ostertag-Str. 7-13
    Gebäude 35
    14169 Berlin
    Tel.+49 30 8385 1845 Fax.+49 30 83845 1863
    email:tierhygiene@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Ein hohes Tiergesundheitsniveau ist Grundvoraussetzung für die Sicherheit und Unbedenklichkeit vom Tier stammender Lebensmittel sowie für die Wirtschaftlichkeit der Rinderhaltung. Während für Geflügel- und Schweinehaltungen inzwischen diverse präventiv ausgerichtete Regelungen für Haltungs- und Hygienestandards geschaffen sowie diesbezügliche Erfassungs- und Bewertungssysteme implementiert wurden, fehlen diese für Rinderhaltungen. Ziel dieser Dissertation war daher die Erarbeitung und Evaluierung eines objektiven Erfassungs- und Bewertungssystems für Milchviehbetriebe, welches anhand von Kennziffern einen Vergleich verschiedener Bestände erlaubt und Risikofaktoren zu identifizieren und Optimierungsmaßnahmen zu empfehlen hilft.

    In 10 sächsischen Milchviehbetrieben (380 bis 1.400 Milchkühe) wurde der aktuelle Hygienestatus unter Zugrundelegung von „Hygienekennziffern“ analysiert. Diese werden basierend auf einer Kombination aus Fragebogenerhebungen sowie Stallbegehungen für insgesamt 11 Teilbereiche ermittelt. Zusätzlich wurden pro Bestandsbesuch umfangreiche mikrobiologische Proben im Bereich der Melkhygiene, der Fütterung und der Kälberaufzucht entnommen und anschließend mikrobiologisch untersucht.

    Der Aufbau des Hygienemonitoringprogramms gliedert sich in die elf Teilbereiche:

    1. Biosicherheit

    2. Reinigung und Desinfektion

    3. Futtermittel- und Tränkwasserhygiene

    4. Tierkörperbeseitigung, Abprodukte, Entwesung

    5. Haltungs- und Verfahrenshygiene

    6. Stallklima

    7. Transporthygiene

    8. Quarantäne und Krankenisolierung

    9. Geburtshygiene

    10. Melkhygiene

    11. Leitung, Planung und Organisation

    Jeder Teilbereich stellt einen eigenen Untersuchungsgang dar und kann in weitere Unterteilbereiche gegliedert sein. An der Basis des Hygienemonitoringprogramms stehen die Einzelkriterien, die vom Untersucher systematisch bewertet werden. Zu jedem Teilbereich errechnet sich nach Bewertung der Einzelkriterien eine sogenannte „Teilhygienekennziffer“. Der gesamtbetriebliche Hygienestatus wird durch die sogenannte „Gesamthygienekennziffer“ dargestellt, die sich aus den einzelnen Teilhygienekennziffern berechnet.

    Nach der Entwicklung des Hygienemonitoringprogramms wurde in einer ersten Bestandsuntersuchungsreihe der Status praesens bezüglich der Haltungs- und Produktionshygiene der 10 teilnehmenden Pilotbetriebe ermittelt. In Beratungsgesprächen wurden mit den Betriebsleitern Optimierungsmaßnahmen besprochen, die in einer zweiten Bestandsuntersuchungsreihe auf Ihre Umsetzung hin überprüft wurden. Trotzdem die Umsetzung der mit den Betriebsleitern besprochenen Maßnahmen eine personelle und finanzielle Herausforderung war, konnten die Betriebe ihre Gesamthygienekennziffern im Vergleich zum ersten Hygienemonitoring verbessern. Die Laboruntersuchungen konnten im Betriebsvergleich weitere Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen (z.B. fehlerhafte Enddesinfektion der Melkgeschirre, mangelnde Reinigung und Desinfektion der Tränkenuckel, erhöhte Gesamtkeim- und Coliformenzahl in Euterlappen). Durch umfangreichere Probenahmen konnten Befunde aus der ersten Untersuchungsreihe vertieft werden.

    Die 10 verschiedenen Betriebe ließen sich somit mit dem entwickelten Hygienemonitoringprogramm objektiv bewerten und differenziert vergleichen und es konnten bestandsspezifische Risikofaktoren und Optimierungsmöglichkeiten benannt werden. Das Hygienemonitoringprogramm kann durch seinen modularen Aufbau in seinem Umfang angepasst werden und für eine zukünftige flächendeckende Evaluierung des betrieblichen Hygienemanagements von Milchviehanlagen Anwendung finden.