Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Histomorphologische Untersuchungen der Kniegelenkkapsel von Hunden mit und ohne kongenitaler Patellaluxation unter besonderer Berücksichtigung der Kollagenzusammensetzung (2016)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Peer, Petra (WE 20)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2016 — V, 235 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-776-7
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000104435
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62356 Fax: +49 30 - 838 460 157
    email: kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die Patellaluxation ist eine der häufigsten erblich bedingten Funktionsstörungen und am Kniegelenk wohl die häufigste beim Hund. Eine mikroskopische Untersuchung der Kniegelenkkapsel blieb bei den bisherigen zahlreichen Studien zu dieser Erkrankung aus Acht gelassen.

    Ziel dieser Dissertation ist es, histomorphologische Veränderungen der Kniegelenkkapsel von Hunden mit und ohne Patellaluxation zu charakterisieren. Hunde mit einer Femurfraktur, mit einer Ruptur des Ligamentum cruciatum craniale oder mit einer Luxation und zusätzlichem Kreuzbandriss sowie ein altes, multimorbides Tier und eines mit einem inoperablen Ileus und daher eingeschläfertes Tier dienten als Kontrollen. Mit dieser Schrift wurde erstmals die Gelenkkapsel des Kniegelenks von Hunden mit dieser Erkrankung hinsichtlich des Gehalts und der Dichte an Kollagen mit Unterscheidung der Typen I, III, IV, V und VI untersucht. Zudem wurden Dicken der Gelenkkapsel und definierter Schichtabschnitte, die Anzahl der Deckzellen des Stratum synoviale, das Ausmaß der Zottenbildung und der Fibringehalt bestimmt.

    Die Kniegelenkkapsel aller untersuchten Hunde besteht aus drei Schichten und zwar dem inneren, die Gelenkhöhle auskleidenden Stratum synoviale, auf das nach außen das Stratum subsynoviale folgt, und das Stratum fibrosum, welches den äußeren Abschluss der Gelenkkapsel bildet. Alle drei Schichten lassen sich in proximo-distaler Richtung in einen proximalen, mittleren und distalen Abschnitt unterteilen. Dadurch lassen sich wie folgt insgesamt neun verschiedene Schichtabschnitte der Gelenkkapsel unterscheiden: proximales Stratum synoviale, proximales Stratum subsynoviale, proximales Stratum fibrosum, mittleres Stratum synoviale, mittleres Stratum subsynoviale, mittleres Stratum fibrosum, distales Stratum synoviale, distales Stratum subsynoviale und distales Stratum fibrosum. Bis auf das Stratum subsynoviale des mittleren Kapselabschnittes weisen alle Schichtabschnitte einen kontinuierlichen Verlauf in proximo-distaler Richtung auf. Hunden mit Patellaluxation fehlte in 81,36 % und denen mit Kreuzbandriss 63,64 % das mittlere Stratum subsynoviale. Bei den Kontrollen hatten 50 % der Tiere ein Stratum subsynoviale im mittleren Bereich, während es 50 % fehlte. Bestand die Lahmheit schon länger, fehlte dieser Schichtabschnitt signifikant häufiger. Die Kniegelenkkapsel des Hundes ist im proximalen, mittleren und distalen Abschnitt unterschiedlich dick. Bezogen auf die gesamte Population der untersuchten Tiere korrelieren die Dicken der drei Abschnitte miteinander signifikant und zwar war der proximale Abschnitt in 93,60 % dicker als der mittlere. Die Kniegelenkkapsel von Toy-Hunden ist insgesamt signifikant dünner als die der anderen Rassegruppen. Hunde mit Patellaluxation haben ein signifikant dünneres Stratum synoviale im mittleren Abschnitt als die anderen Gruppen (Femurfraktur und andere, Kreuzbandruptur und Luxation mit Kreuzbandruptur). Lag bei einem Patienten die Luxation bilateral vor, waren der proximale und mittlere Abschnitt des Stratum fibrosum und der distale des Stratum synoviale signifikant dünner als bei Patienten mit einer unilateralen Luxation.

    Die Deckzellen des Stratum synoviale bilden den inneren Abschluss zur Gelenkhöhle. In der VOLKMANN-STRAUß-Färbung stellten sie sich pleomorph und heterochromatisch dar, waren rund bis oval und dunkelviolett gefärbt. Die Anzahl ihrer Zelllagen war sehr variabel, daher ordneten sich die Deckzellen sowohl bei Kniegelenk-gesunden (Femurfraktur und Kontrollen) als auch bei Kniegelenk-kranken (Patellaluxation, Kreuzbandruptur, Luxation mit Ruptur des Ligamentum cruciatum craniale) Tieren in einer bis zwei oder mehreren Zelllagen dicht nebeneinander an. Je länger die Lahmheitsdauer bei den Kniegelenk-kranken Tieren, desto mehr Deckzelllagen waren zu finden. Demnach betraf dies alle Hunde mit Patellaluxation / Kreuzbandruptur, während sich bei den Kontrollen (z. B. mit einer Femurfraktur) die geringste Anzahl der Deckzelllagen bestätigte.

    Zotten - Plicae synoviales - stellen sich als fingerförmige Ausläufer an der Gelenkinnenoberfläche dar und werden aus einer oder mehreren Deckzelllagen und subsynovialem Bindegewebe gebildet. In der Rassegruppe „kleine Hunde“ und der Gruppe „Patellaluxation“ konnten die größten Schwankungen in der Zottenausbildung festgestellt werden, es waren keine (Oberflächenvergrößerungsfaktor (OVF) 0) bis große (2,5 < OVF ≥ 5) und viele Zotten zu finden. Im Gegensatz dazu hatten die Kontrolltiere ausschließlich große bzw. viele Zotten.

    Kollagenfasern machen zwischen 40 % und 65 % an der Gesamtfläche der Kniegelenkkapsel des Hundes aus. Die drei Schichten (Stratum fibrosum, Stratum subsynoviale, Stratum synoviale) weisen signifikant differente Flächenanteile (in %) des Gesamtkollagens auf, während die drei Abschnitte (proximal, mittig, distal) innerhalb derselben Schicht signifikant korrelierte Kollagengehalte auszeichnet. Im Stratum subsynoviale finden sich die größten Flächenanteile (61,11 % - 64, 41 %) des Gesamtkollagens, während sie im Stratum synoviale am kleinsten ausfielen.

    Die immunhistochemischen Nachweismethoden stellten heraus, dass die Kollagen Typen I und III am meisten in der Kniegelenkkapsel des Hundes vertreten waren und in 88,7 % (n = 69) der Gesamtpopulation einen Score von 3 aufwiesen. Sie waren omnipräsent, das heißt sie kamen in allen drei Schichten und in allen drei Abschnitten als dicht gepackte Faserbündel vor. Das Vorkommen von Kollagen Typ I und III war bei Hunden mit einer chronischen Funktionsstörung, also einer Luxation, einem Kreuzbandriss oder einer Kombination aus beiden gleichermaßen ausgeprägt, während hingegen bei Hunden mit einer akuten Lahmheit wie bei Femurfraktur und bei den anderen Kontrollen deutlich mehr Kollagen Typ III als Kollagen Typ I vorkam. Kollagen IV kam ausschließlich in Gefäßwänden vor und zwar unabhängig von Erkrankung, Rasse, Geschlecht, Alter und Lahmheitsdauer. Dahingegen war Kollagen V ausschließlich im Stratum synoviale präsent, ein geringer Gehalt auch im proximalen Abschnitt des Stratum subsynoviale von Hunden mit einer Kreuzbandruptur mit einer Luxatio patellae. Kollagen VI ähnelte im Verteilungsmuster jenem der Typen I und III, war jedoch quantitativ seltener. Während bei Hunden mit einer Femurfraktur der Kollagen Typ VI im geringsten Ausmaß vorkam, wurde der Typ bei denen mit Patellaluxation und Kreuzbandruptur am meisten nachgewiesen. Je länger eine Lahmheit bestand, desto mehr Kollagen aller Typen wurde insgesamt in der Kapsel der Hunde detektiert.

    Zwei Besonderheiten kamen bei zwei Hunden in Form von netzartigen Faserknorpelarealen neben rudimentär vorhandenem, physiologischem Kniegelenkkapsel-Gewebe vor. Diese Knorpelzonen kamen ausschließlich im mittleren Abschnitt der Kniegelenkkaspel und zwar im Stratum synoviale und im Stratum fibrosum, vor. Ein Stratum subsynoviale fehlte beiden Patienten im mittleren Abschnitt. Beide Hunde litten an einer Patellaluxation, einer mit einer Ruptur des Ligamentum cruciatum craniale.

    Die histomorphologischen Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen spezifische Veränderungen bei der kongenitalen Patellaluxation auf.