Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Untersuchungen zur Magendilatation bei Heimtierkaninchen (Oryctolagus cuniculus) (2017)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Böttcher, Anja (WE 20)
    Quelle
    Berlin, 2017 — VII, 132 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000105178
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    +49 30 838 62356
    kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Ziel der Studie war es, die Symptome, die labordiagnostischen und röntgenologischen Befunde sowie die Therapien und den Verlauf von Magendilatationen bei Heimtierkaninchen auszuwerten.

    In die vorliegende Studie wurden alle Tiere aufgenommen, die röntgenologisch eine Magendilatation (Röntgen: flüssigkeits- und gasgefüllter Magen) aufwiesen. In einem Zeitraum von sechs Jahren (2009 bis 2015) wurden retro- und prospektiv insgesamt 155 Heimtierkaninchen mit Magendilatation ausgewertet. Das Alter der Kaninchen (86 männliche, davon 61 kastriert und 69 weibliche, davon 24 kastriert) variierte zwischen 0,25 und 11 Jahren (Median: 3 Jahre). Der Großteil der Patienten wurde mit unspezifischer Symptomatik wie Inappetenz (85 %), Apathie (41 %), abdominalen Schmerzen (15 %) und fehlendem Kotabsatz (12 %) vorgestellt. Ein spezifischeres Symptom wie Diarrhö konnte nur bei 5 % der Tiere festgestellt werden.

    Mit Hilfe einer Kontrollgruppe (n = 50, klinisch gastroenterologisch gesunde Kaninchen) wurde röntgenologisch überprüft, ob eine Unterscheidung der Röntgenbefunde anhand des Vertebral Stomach Score (VSS) zu Kaninchen mit Magendilatation möglich ist. Zwischen der Kontrollgruppe und der Magendilatationsgruppe konnte beim Vergleich der Mediane des VSS ein signifikanter Unterschied von zwei Lendenwirbeleinheiten (größer für Kaninchen mit Magendilatation) festgestellt werden (p = 0,001). Signifikante Unterschiede bezüglich der Mortalitätsrate wurden für die Menge der Gasansammlung im Magen (p = 0,001) sowie für die ventrale bzw. zentrale Lage der Gasansammlung im Magen (p = 0,023) festgestellt. Kaninchen mit Magendilatation, deren kaudale Magenausdehnung über den zweiten Lendenwirbel reichte, wiesen eine doppelt so hohe Mortalitätsrate im Vergleich zu Tiere mit Magendilatation und einer kaudalen Magengrenze auf, die bis kranial des zweiten Lendenwirbels (p = 0,01) reichte.

    Labordiagnostisch wurden bei Kaninchen mit Magendilatation am häufigsten Azotämien (n = 37/72), Hyperglykämien (n = 28/75,) und Hyponatriämien (n = 27/63) festgestellt. Die Mortalitätsrate von Tieren mit einer Glukosekonzentration von mehr als 25 mmol/l betrug 70 %, bei Kaninchen mit Azotämie 43 % und bei Tieren mit Hyponatriämie 36 %. Eine Kombination von Hyponatriämie und Hyperglykämie wiesen 15 Tiere auf, von denen 47 % verstarben. Der Hämatokrit war bei 13/65 Tieren bis zu einem Maximum von 57 % erhöht. Die anderen blutchemischen und hämatologischen Parameter wiesen nur geringe Abweichungen auf.

    144 Patienten wurden ausschließlich konservativ behandelt, acht Patienten wurden nach 24 Stunden ohne Besserung chirurgisch versorgt. Drei Patienten verstarben vor Therapiebeginn. Von 155 Kaninchen überlebten 105 Tiere und 50 Tiere verstarben oder wurden euthanasiert. Die Ursachen der Magendilatation konnte nur während der Probelaparotomie oder durch eine pathologische Untersuchung diagnostiziert werden. In der vorliegenden Untersuchung wurden Obstruktionen im Dünndarmbereich durch kleine Trichobezoare (n = 12), Johannisbrotbaumsamen (n = 5), Darmwandstrikturen (n = 4) sowie ein paralytischer Ileus des gesamten Darms (n = 3) und eine Einschnürung des Dünndarms im kaudalen Abdomen (n = 1) festgestellt.