Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Die fetale Entwicklung des bovinen Vormagen-Magensystems (2017)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Reincke, Ricarda (WE 1)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2017 — VI, 79 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-789-7
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000104298
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Anatomie

    Koserstr. 20
    14195 Berlin
    Tel.+49 30 838 53555 Fax.+49 30 838-53480
    email:anatomie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Während der Entwicklung des Wiederkäuermagens kommt es sowohl prä- als auch postnatal zu komplexen Wachstums- und Differenzierungsvorgängen. Im Ergebnis wird eine funktionelle Einheit aus Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen gebildet, welche einen mehrhöhlig zusammengesetzten Magen darstellt. Die hohen Verluste bei der Aufzucht von Milchrindkälbern in Deutschland durch Erkrankungen des Magen-Darmtraktes zeigen den Bedarf und das medizinische Interesse an weiteren Erkenntnissen zur Entwicklung des bovinen Magensystems. Informationen zur pränatalen morphologischen Entwicklung des Wiederkäuermagens gibt es derzeit lediglich aus zum Teil über 10 Jahre alter Literatur.

    Ziel dieser Studie war es daher, einen Beitrag zum Verständnis der Embryologie des Wiederkäuermagens zu leisten. Dazu wurde zunächst ein aktueller Überblick zur Literatur der bovinen Magenentwicklung gegeben. Hier wurden neben den makroskopischen und histologischen Aspekten auch die molekularbiologischen Mechanismen weitestgehend beleuchtet. Darüber hinaus wurde erstmals eine computertomographisch unterstützte morphologische Entwicklungsstudie an bovinen Feten durchgeführt, welche als Grundlage für die diesbezügliche Lehre in der Embryologie dienen soll.

    Die Untersuchung des bovinen Magensystems erfolgte anhand von Ganzkörper-CTAufnahmen von 30 Feten der Rasse Deutsche Holstein vom Schlachthof (16 weiblich und 14 männlich) mit einer Scheitel-Steißlänge von 9,5 cm bis 89 cm. Mithilfe entsprechender Software wurden die drei Magenabteilungen (Ruminoreticulum, Omasum und Abomasum) erstmals bezüglich ihrer relativen und absoluten Volumenentwicklung sowie ihrer in situ-Lage in kraniokaudaler Ausdehnung untersucht. Zur Validierung der CT-Untersuchungen wurden drei Feten unterschiedlichen Alters exemplarisch topographisch präpariert.

    In der Auswertung vom 3. bis zu Beginn des 9. Trächtigkeitsmonats zeigen die Magenabteilungen einen chronologischen Wachstumsfortschritt mit einigen Besonderheiten:

    - Das Ruminoreticulum ist vom 3. (55% vom Gesamtvolumen) bis zum 5. Trächtigkeitsmonat (70% vom Gesamtvolumen) die größte Magenabteilung. Zur selben Zeit stellt das Abomasum die kleinste Magenabteilung mit 21% (3. Monat) und 11% vom Gesamtvolumen (5. Monat) dar.

    - Mit dem Übergang in den 6. Trächtigkeitsmonat ändern sich die Proportionen. Das Abomasum steigt im Anteil vom Gesamtvolumen bis zum 9. Monat auf 55% (größtes Magenabteilung). Das Ruminoreticulum hingegen sinkt in derselben Zeit bis auf 40% vom Gesamtvolumen.

    / Die relative Volumenentwicklung von Ruminoreticulum und Abomasum ist invers.

    - Das Omasum zeigt geringe Proportionsänderungen. Es ist bis zum Übergang in den 6. Trächtigkeitsmonat die zweitgrößte Magenabteilung (19% vom Gesamtvolumen im 5. Monat) anschließend verringert sich der Anteil vom Gesamtvolumen bis zum 9. Monat auf 5%.

    / Das Omasum ist bereits im letzten Drittel der Trächtigkeit nahezu vollständig entwickelt.

    - Basierend auf dem Faktor der Volumenzunahme geschieht die größte absolute Volumenzunahme im Übergang vom 3. in den 4. Monat der Trächtigkeit (Ruminoreticulum=30, Abomasum=24, Omasum=20). Darüber hinaus zeigen Ruminoreticulum und Abomasum maximal eine vierfache Volumenzunahme pro Monat, das Omasum lediglich eine Verdopplung.

    - Mit dem Übergang in den 6. Trächtigkeitsmonat zeigt das Abomasum nochmals eine Zuwachsspitze (Faktor der Volumenzunahme=17).

    / Dieser Wachstumsschub könnte eine kritische Phase beim Auftreten von pathologischen Prozessen darstellen.

    - Das Ruminoreticulum liegt im Abdomen der linken Bauchwand an, ragt nicht über die Medianebene hinaus und ist die am weitesten gestreckte Magenabteilung. Es erreicht im 4. Trächtigkeitsmonat eine maximale Ausdehnung über 9,5 Wirbelkörper, welche den Verhältnissen im adulten Rind entspricht.

    - Das Omasum liegt zumeist im intrathorakalen Teil des Abdomen, relativ konstant in kugeliger Form in der Medianebene und ist die am geringsten gestreckte Magenabteilung.

    - Das Abomasum hat stets einen intrathorakalen Teil und liegt rechts vom angrenzenden Ruminoreticulum, zumeist der ventralen Bauchwand an. Es ist stets die zweitlängste Magenabteilung, die weder eine einheitliche Gestalt noch eine konstante Lage im Abdomen zeigt.

    / Die Lageveränderung des Abomasums an die linke Bauchwand bei zwei Feten im letzten Drittel der Trächtigkeit entspricht einer Dislocatio abomasi sinistra.