Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen den Blutserumkonzentrationen an Kalzium und anorganischem Phosphor und dem postpartalen Krankheitskomplex sowie der Leistung von Holstein Friesian Milchkühen (2017)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Möhringer, Frank (WE 18)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2017 — V, 161 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-803-0
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000104642
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    +49 30 838 62261
    klauentierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Ziel dieser Arbeit war es, einen möglichen Nachweis zu erbringen, ob Tiere, die postpartale Hypokalzämie bzw. Hypophosphatämie aufweisen, vermehrt Krankheiten und Leistungseinbußen in der Folgelaktation zeigen.

    Von 2094 Holstein-Friesian-Kühen wurden an den Tagen 0, 1, 3 und 5 p. p. die Serum-Ca- und P-Konzentrationen bestimmt. Für jedes einzelne Tier wurden die aufgetretenen Erkrankungen im Zeitraum von 100 Tagen p. p. sowie diverse Fruchtbarkeits- und Leistungsparameter (BI, RZ, ZTZ, 100-Tage-ML) erfasst. Es sollten statistische Zusammenhänge hergestellt werden, um zu prüfen, ob sich geringe postpartale Serum-Ca- bzw. -P-Konzentrationen negativ auf die Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung auswirken. Es wurden sowohl die Gesamtherde als auch Jungkühe und pluripare Kühe getrennt ausgewertet.

    Die vorliegende Arbeit kann bestätigen, dass hauptsächlich pluripare Kühe an Gebärparese erkranken. Diese wiesen in den ersten 5 Tagen post partum durchgehend signifikant verringerte Serum-Ca-Konzentrationen auf, die im Mittel bis zu 0,4 mmol/l unter denen der nicht erkrankten Kühe lagen. Hypokalzämische Tiere zeigten unmittelbar peripartal ebenfalls eine niedrigere Serum-P-Konzentration. Ob dies lediglich eine alimentär bedingte Folge einer hypokalzämischen GP ist oder es sich um ein eigenständiges Geschehen innerhalb des Gebärparese-Komplexes handelt, kann diese Arbeit nicht abschließend klären.

    Der teilweise signifikante Zusammenhang zwischen postpartaler Hypokalzämie an den Tagen 3 und 5 post partum und vermehrtem Auftreten von Nachgeburtsverhalten und Metritis ist mit der begleitenden Inappetenz und folglich einer Ca-Unterversorgung zu erklären. Somit ließ sich weder Nachgeburtsverhalten noch Metritis puerperalis oder Endometritis als Folge hypokalzämischer Zustände darstellen. Auch die Labmagenverlagerung scheint nach den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchung eher einen Ca-Mangel als Folge der Erkrankung zu haben. Ebenso verhielt es sich mit der Ketose. Pluripare Kühe, die eine Mastitis entwickelten, wiesen an den ersten beiden Tagen post partum deutlich verminderte Serum-Ca-Werte auf. Dies führt zu dem Schluss, dass eine peripartale Hypokalzämie signifikanten Einfluss auf das Entstehen von Euterentzündungen hat, was von weiteren Berechnungen bestätigt wurde. Lediglich die multiple Regressionsanalyse, bei welcher mehrere Faktoren

    einflossen, maß bezüglich der Enstehung einer Mastitis dem Ca-Mangel im Vergleich zu einer hohen Laktationszahl kaum ätiologische Bedeutung zu. Je älter eine Kuh demnach ist, desto größer wird das Risiko, eine Euterentzündung zu entwickeln.

    Da ältere Tiere meist geringere Ca-Werte aufweisen als Jungkühe, widersprechen diese Ergebnisse nicht der Behauptung, dass Ca-Mangel ein prädisponierender Faktor in der Ätiologie von Mastitiden darstellt.

    An Mastitis erkrankte Tiere wiesen unmittelbar postpartal ebenfalls vermehrt eine Hypophosphatämie auf, was die Zusammengehörigkeit dieser beiden Werte verdeutlicht. Ob dies eigenständig zu betrachten ist oder vielmehr eine alimentäre Folge der Hypokalzämie ist, konnte in dieser Untersuchung nicht geklärt werden. Somit kann keine Auskunft über einen möglichen Mastitis-fördernden Einfluss der peripartalen Hypophosphatämie gegeben werden.

    Ein direkter Einfluss von Ca und P auf die Leistung konnte nicht nachgewiesen werden. Ältere Tiere, die physiologisch geringere Serumkonzentrationen beider Mengenelemente aufweisen, zeigten im Schnitt höhere 100-Tage-ML. Auch die höheren Rastzeiten bei Färsen scheinen eher durch vermehrt erfolgte Geburtshilfe und daraus resultierende Fruchtbarkeitserkrankungen begründet und haben somit keinen direkten Zusammenhang zur Serum-Ca-Konzentration. Die Ergebnisse für P entsprechen auch hier denen für Ca.

    Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen die enge Verbindung zwischen peripartaler Ca- und P-Konzentration, ohne jedoch weitere Erklärungen über den genauen Zusammenhang zu liefern.

    Peripartale Hypokalzämie und Hypophosphatämie scheinen zusätzlich zu ihrer Bedeutung für die Gebärparese, einen signifikanten Einfluss auf das Entstehen von Mastitiden zu haben.

    Ob dies an erhöhter Immunsuppression durch Gebärparese (GOFF und HORST 1997), verringertem Muskeltonus des Zitzensphinkters (GOFF 1999) oder vermehrtem Liegen auf kontaminiertem Untergrund (OETZEL 1988, STAUFENBIEL 1999) liegt, bedarf weiterer Untersuchungen.