Fachbereich Veterinärmedizin


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    Forensische Aspekte bei der Hufrehe des Pferdes (2017)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Damm, Julia (WE 17)
    Quelle
    Berlin, 2017 — 45 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000104433
    Kontakt
    Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62299 Fax.+49 30 838 62529
    email:pferdeklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Schadenersatzforderungen gegen Tierärzte aufgrund von vermeintlichen Befunderhebungs-, Diagnose- oder Behandlungsfehlern verzeichnen seit den 70er Jahren einen ununterbrochenen Anstieg. Die Hufrehe mit ihrem vielgestaltigen Krankheitsbild, den immer noch offenen Fragen zur Ätiopathogenese und einer fehlenden einheitlichen Therapieempfehlung besitzt bei ausbleibendem Behandlungserfolg besonderes Potenzial für Rechtsstreitigkeiten.

    Ziel dieser Arbeit war es, die gutachterliche Beurteilung von vermeintlichen Befunderhebungs- , Diagnose- und Behandlungsfehler-Vorwürfen gegen den Tierarzt bei der Hufrehe des Pferdes darzustellen, um mögliche Fehlerquellen aufzuzeigen und Hinweise zu deren Vermeidung zu geben.

    Dazu wurden Gutachten aus den privaten Archiven von 4 sachverständigen Gutachtern mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der Pferdeorthopädie deskriptiv statistisch ausgewertet, aus denen 58 Fehlervorwürfe identifiziert werden konnten. Im Bereich der Hufrehediagnostik wurden von 22 dem Tierarzt vorgeworfenen Fehlern, etwas weniger als die Hälfte (40,9%) durch die Gutachter bestätigt. Davon stellten die Fehlinterpretation von klinischen (33,3%) und röntgenologischen (33,3%) Befunden die häufigste Fehlerquelle dar, gefolgt von der unterlassenen klinische Untersuchung (22,2%) und einer unterlassene röntgenologische Untersuchung (11,1%).

    Abseits der Diagnostik richtete sich die Vorwürfe der Pferdebesitzer in 20 Fällen gegen die vom Tierarzt durchgeführte Hufrehe-Therapie und 16 Fällen gegen eine tierärztliche Behandlung, in deren Folge eine Hufrehe aufgetreten war.

    Die Gutachter bestätigten die Behandlungsfehler-Vorwürfe bei der Hufrehe-Therapie in mehr als der Hälfte der Fälle (55,0%) und begründeten diese mit vorangegangenen Diagnosefehlern (54,5%) und einer unzureichenden orthopädischen Therapie (45,5%).

    Hinsichtlich des Vorwurfs „iatrogene Hufrehe“ kam der Cortison induzierten Rehe die größte Bedeutung (68,8%) zu. Insgesamt bestätigten die Gutachter den Vorwurf „iatrogene Hufrehe“ zu knapp einem Drittel (31,3%).

    Zur Vermeidung von Diagnose- und Befunderhebungsfehlern bei der Hufrehe sind eine systematische klinische Untersuchung sowie eine standardisierte, röntgenologische Untersuchung essentiell. Die differentialdiagnostische Abgrenzung der Hufrehe zu ähnlichen Krankheitsbildern, wie dem der Pododermatitis, kann im Anfangsstadium dennoch schwierig sein. Ein hohes aber tendenziell vermeidbares Risiko für den Tierarzt bergen Dokumentationsversäumnisse, die im Ernstfall als Befunderhebungsfehler gewertet werden können, welche der Tierarzt rechtlich zu vertreten hat.

    Aus der Beurteilung der Gutachter ergibt sich, dass als wesentliche Maßnahme bei der Behandlung der Hufrehe eine frühzeitige orthopädische Therapie, mit dem Ziel, die erkrankten Bereiche zu entlasten, anzusehen ist. Das verspätete Durchführen bzw. Unterlassen von orthopädischen Maßnahmen besitzt nach Meinung der Gutachter forensische Relevanz.

    Die Cortison-Rehe stellt ein spezielles forensisches Risiko für den Tierarzt dar, vor dem er sich schützen kann, indem er bei Glukokortikoid-Behandlungen die Indikationsstellung kritisch prüft und die Anwendungshinweise des Herstellers genau beachtet.