Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie zur Untersuchung der Effekte einer homöopathischen Mastitistherapie bei Milchkühen (2016)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Ebert, Fanny (WE 18)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2016 — V, 165 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-783-5
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000103970
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    +49 30 838 62261
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    Abstract / Zusammenfassung

    Die Mastitis beim Milchrind ist ein bedeutendes Problem der Milchwirtschaft im Hinblick auf Tierschutz, Ökonomie und Verbraucherschutz. In den letzten Jahren hat die Anwendung homöopathischer Therapiekonzepte in Milchviehbetrieben stark zugenommen, obwohl Wirksamkeit, Vorteile und Risiken der homöopathischen Therapie kontrovers diskutiert werden. Bisherige Forschungsarbeiten zur Homöopathie in der Veterinärmedizin sind geprägt von verhaltener wissenschaftlicher Tätigkeit, divergierenden Ergebnissen und unterschiedlicher wissenschaftlicher Qualität. Deutlich weniger Publikationen ergeben einen statistisch signifikanten Vorteil der Homöopathie als die Schlussfolgerungen der Autoren bezüglich der Ergebnisse ihrer Studie nahelegen.

    Ziel dieser dreifach verblindeten, randomisierten und Placebo-kontrollierten Studie war es, in den Nutzen einer homöopathischen Bestandstherapie am Beispiel der Mastitis zu beurteilen.

    Zwischen Juni 2013 und Mai 2014 wurden in einem großen Milchviehbetrieb in Norddeutschland 195 Kühe mit akut katarrhalischer Mastitis randomisiert einer Verum- und Placebogruppe zugeteilt. Zur Überprüfung der natürlichen Heilungsprozesse wurde ab März 2014 zusätzlich eine homöopathisch unbehandelte Kontrollgruppe mitgeführt (n=15). Für jedes relevante Homöopathikum standen Verum- und Placebovarianten zur Verfügung, die den Studientieren der jeweiligen Gruppe entsprechend den betriebsspezifischen Protokollen und den Behandlungsgrundsätzen der klinischen Homöopathie vaginal appliziert wurden. Für die Behandlung war hauptsächlich ein Komplex-Homöopathikum, bestehend aus vier Nosoden der Potenz C200 (Streptococcinum-, Staphylococcinum-, Pyrogenium-, E. coli-Nosode), vorgesehen. Mastitiden mit schwerem klinischem Verlauf wurden zusätzlich schulmedizinisch therapiert. Während der Erkrankungsdauer und der maximal 200 Tage andauernden Nachbeobachtungszeit wurden erkrankungsunabhängige (Stamm-, Fruchtbarkeits-, Kalbungs-, Leistungs- und Anamnesedaten) sowie erkrankungsabhängige Parameter (Erkrankungsdauer, Daten zu Behandlung, klinischer Heilung, Abgang, Folgemastitiden, Zellzahl) erfasst. Die Zellzahl wurde im Zuge der ersten Milchleistungsprüfung nach Beendigung der Mastitis ermittelt. Die Auswertung der Daten erfolgte mittels Überlebensanalyse nach Kaplan-Meier, ANOVA, T-Test, Kruskal-Wallis- und Mann-Whitney-U-Test, Chi-Quadrat-Test sowie exaktem Test nach Fisher.

    Die erkrankungsunabhängigen Parameter wurden zwischen allen 210 Studientieren verglichen. Nach Ausschluss der Kühe mit vorzeitigem Studienende (n=33) erfolgt die Analyse der Hauptergebnisse für die übrigen 177 Tiere. Zwischen der Verumgruppe, der

    Placebogruppe und der unbehandelten Kontrollgruppe lassen sich keine signifikanten Unterschiede bezüglich der erkrankungsunabhängigen Parameter ermitteln. Lediglich die Anzahl der bakteriologisch untersuchten Milchproben mit einem positiven Staph. – aureus-Befund ist in der unbehandelten Kontrollgruppe signifikant höher als in der Verum- und Placebogruppe. Weder zwischen der Verum- und Placebogruppe noch bei dem Vergleich der beiden Gruppen mit der Kontrollgruppe können signifikante Unterschiede bezüglich des Behandlungserfolges ausgemacht werden (p = 1,000; p = 0,585 und p = 0,597). Die klinische Heilungsrate nach sieben (p = 0,938) und 14 Tagen (p = 0,770) ist in allen drei Untersuchungsgruppen vergleichbar hoch. Die Behandlungsdauer ist in der unbehandelten Kontrollgruppe signifikant niedriger als in der Verum- und Placebogruppe (p<0,001). Insgesamt 60 % der Tiere der unbehandelten Kontrollgruppe erhalten während der Mastitis kein Medikament, während infolge des Behandlungsregimes allen Tieren der Verum- und Placebogruppe Studienhomöopathika verabreicht werden (p<0,001). Bezüglich der Behandlung mit nicht-antibiotischen Allopathika (p = 0,178) und Antibiotika (p = 0,081) existieren keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Erkrankungsdauer (p = 0,749), Auftreten von Folgemastitiden (p = 0,647), Zellzahl (p = 0,642) sowie Abgangshäufigkeit (p = 0,229) liegen in den Gruppen auf einem ähnlichen Niveau.

    Aufgrund der ähnlichen Ergebnisse der erkrankungsunabhängigen Parameter in allen drei Gruppen können die erkrankungsabhängigen Parameter zwischen den Gruppen verglichen werden. Aus den Ergebnissen der erkrankungsabhängigen Parameter lässt sich schließen, dass in der vorliegenden Untersuchung weder ein spezifischer Wirkstoffeffekt noch ein unspezifischer Behandlungseffekt nachweisbar ist. Die zufriedenstellenden Therapieerfolge erschweren jedoch die kategorische Ablehnung der Homöopathie. In einem großen modernen Milchviehbetrieb könnte die Homöopathie möglicherweise als Hilfsmittel eingesetzt werden, um Herdenmanagement und Tiergesundheit zu optimieren und die Verwendung allopathischer Medikamente zu reduzieren. Allerdings sollte eine homöopathische Behandlung stets nach Rücksprache mit dem Tierarzt, nur bei bestimmten Erkrankungen, unter Vereinbarung definierter Abbruchkriterien und ausschließlich durch geschultes Personal erfolgen. Weiterhin sollten Grundsubstanz und Verdünnung des eingesetzten Homöopathikums unbedenklich sein. Beim Einsatz homöopathischer Behandlungsregime sollte der Tierarzt eine entscheidende Rolle als fachlicher Berater einnehmen und auf die Umsetzung der Bedingungen zur homöopathischen Behandlung achten.

    Um den Nutzen einer homöopathischen Bestandsbehandlung umfassend beurteilen zu können, homöopathisch arbeitende Landwirte besser zu beraten und inadäquate Therapien zu vermeiden, bedarf es weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen sowie einer Verbesserung des veterinärmedizinischen Wissensstandes bezüglich homöopathischer Therapiemethoden.