Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Vergleichende Untersuchung zur Wirksamkeit unterschiedlicher Behandlungsprotokolle mit Prostaglandin F2α im Puerperium bei Milchkühen (2016)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Kregel, Sebastian (WE 19)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2016 — 76 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-784-2
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000103971
    Kontakt
    Tierklinik für Fortpflanzung

    Königsweg 65
    Haus 27
    14163 Berlin
    +49 30 838 62618
    fortpflanzungsklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Ein ungestörtes Puerperium ist eine Voraussetzung für eine gute Fruchtbarkeit. Zwei Injektionen von PGF2α im Abstand von 14 Tagen wird in der tierärztlichen Praxis zur Östrusinduktion und zur Reinigung des Uterus im Sinne eines best practice Vorgehens im Puerperium genutzt. In einer zu Beginn dieser Arbeit aktuellen Studie zeigte eine zweimalige PGF2α Injektion im Abstand von 8 Stunden einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit bei Tieren mit unterschiedlichen Puerperalstörungen. Ein Vergleich dieses Vorgehens mit dem üblichen best practice Protokoll ist in der Literatur noch nicht beschrieben worden.

    Dafür wurden zwei Untersuchungen durchgeführt. In der ersten Untersuchung wurden zwei Behandlungsprotokolle mit Prostaglandin F2α mit einem existierenden Standardprotokoll verglichen. Das Ziel dieser randomisierten Non-Inferiority-Studie war es, die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit zu untersuchen. Betrachtet wurden dabei der Erstbesamungserfolg und die Wahrscheinlichkeit einer Trächtigkeit bis zum 200. Laktationstag. Insgesamt wurden 1.286 Milchkühe in die Studie aufgenommen und randomisiert einer von drei Behandlungsgruppen zugeordnet. Tiere in Gruppe I (n = 362) erhielten PGF2α im Abstand von 14 Tagen an Tag 20 (± 3) und an Tag 34 (± 3) postpartum. Kühe der Gruppe II (n = 358) bekamen zwei Injektionen von PGF2α an Tag 20 (± 3) im Abstand von 8 Stunden und eine Injektion von PGF2α an Tag 34 (± 3) postpartum. Die Tiere in Guppe III (n = 369) erhielten nur an Tag 20 (± 3) postpartum zweimal im Abstand von 8 Stunden PGF2α. Eine Puerperalkontrolle wurde an Tag 41 (± 3) postpartum durchgeführt. Alle Tiere mit einer Endometritis 2. (Anteil eitriger Bestandteile im Vaginalsekret über 50%) und 3. Grades (100% eitriges vaginalsekret) wurden mit 500 mg Cephapirin intrauterin behandelt, 7 Tage später erneut untersucht und gegebenenfalls nochmal behandelt. Für die abschließende Auswertung standen 1.089 Tiere (408 primipare Kühe, 37,4%; 681 multipare Kühe, 62,6%) zur Verfügung. Bei der Puerperalkontrolle an Tag 41 (± 3) waren numerisch (P = 0,06) mehr Tiere mit einem VDS von zwei und drei in Gruppe III (15,2%) als in Gruppe II (11,0%) und Gruppe I (9,8%). Die Behandlung mit PGF2α hatte keinen Einfluss auf den Erstbesamungserfolg (Gruppe I: 34,5%, Gruppe II: 33,4%, Gruppe III: 37,0%) und die Wahrscheinlichkeit einer Trächtigkeit bis zum 200. Laktationstag. Die Konzentrationen von ß–hydroxybutyrat an den Tagen 20 und 41 postpartum hatten keinen Einfluss auf den Erstbesamungserfolg und die Wahrscheinlichkeit einer Trächtigkeit innerhalb von 200 Laktationstagen. Der Temperatur-Feuchte Index zum Zeitpunkt der Besamung hatte einen signifikanten Einfluss (P < 0,01) auf den Erstbesamungserfolg.

    In der Hauptuntersuchung wurde auf eine unbehandelte Kontrollgruppe verzichtet, um mögliche negative Auswirkungen bei Tieren mit Endometritis zu vermeiden. Deshalb ist keine Aussage möglich, ob PGF2α bei der Behandlung sowohl von kranken, als auch von gesunden Kühen im Puerperium überhaupt einen positiven Effekt auf die Fruchtbarkeit der Tiere hat. Um diese Frage zunächst in einer Pilotstudie nachzugehen, wurde eine zweite Untersuchung durchgeführt. In dieser wurde eine Behandlungsgruppe (n = 112), welche eine zweimalige PGF2α-Injektion im Abstand von 14 Tagen erhielt (Tag 20 (± 3) und Tag 34 (± 3) postpartum) mit einer unbehandelten Kontrollgruppe (n = 114) verglichen. Interessanterweise traten keine Unterschiede bezüglich der in der Hauptuntersuchung betrachteten Fruchtbarkeitsparameter zwischen der behandelten Versuchsgruppe und unbehandelten Kontrollgruppe auf. Die Stichprobe (n = 226) ist jedoch zu klein um eine statistisch gesicherte Schlussfolgerung zu ziehen. Weitere Untersuchungen sind notwendig um die aufgestellten Hypothesen zu belegen.