Fachbereich Veterinärmedizin


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    Hüftgelenksendoprothetik:
    Komplikationsanalyse bei Hund und Mensch im Vergleich (2016)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Dettling, Anna (WE 20)
    Quelle
    Berlin, 2016 — 154 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000103648
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
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    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62261 Fax.+49 30 838 62512
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    Abstract / Zusammenfassung

    Sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin ist die Hüftendoprothetik in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Bestandteil der orthopädischen Chirurgie geworden.

    Trotz großer Fortschritte und Routine, sowohl in der human- als auch in der veterinärmedizinischen Hüftendoprothetik, kommt es nach wie vor zu Komplikationen und Behandlungsfehlern bei oder nach Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes.

    Die Häufigkeit verschiedener Komplikationen wird in dieser Arbeit aufgezeigt. Es wird unterschieden zwischen Komplikationen beim Menschen und beim Hund und auch zwischen Komplikationen bei zementierten und unzementierten Endoprothesen. Es werden die häufigsten Komplikationen – aseptische Prothesenlockerung, Luxatio ossis femoris, Infektion, Fraktur des Os femoris, Neurapraxie, vaskuläre Schädigung, Prothesenbruch, ektopische Ossifikation, pulmonäre Thrombembolie, tiefe Beinvenenthrombose, Osteosarkom und Granulom - betrachtet.

    Die Winkelung und Belastung des Hüftgelenkes ist bei der bipoden Spezies Mensch eine andere als bei der quadropoden Spezies Hund. Der CCD beträgt beim Menschen ca. 130° und beim Hund ca. 148°. Während die Belastung der Hintergliedmaßen beim Hund in der Bewegung das 4-fache des Körpergewichtes erreicht, wird beim Menschen das 7-fache des Körpergewichtes erreicht.

    Der Gelenkaufbau ist bei beiden Spezies doch sehr ähnlich und der Hund dient vielfach als Modell für Versuche oder Testungen neuer Endoprothesen in der Humanmedizin.

    Es wurden hier die Ergebnisse human- und veterinärmedizinischer Studien analysiert und verglichen. Die Komplikationsrate ist bei zementierter Prothetik sowohl beim Hund mit 15,62% (n=3087 TEPs) als auch beim Menschen mit 9,96% (n=4284 TEPs) am höchsten. Bei unzementierter Technik ist diese Rate bei beiden Spezies niedriger. Beim Hund beträgt sie 12,24% (n=494 TEPs) und beim Menschen 9,19% (n=3005 TEPs).

    Beim Hund ist die Luxation die häufigste Komplikation. Bei zementierter Technik ist sie mit 4,66% seltener als bei unzementierter mit 5,87%. Allerdings ist bei unzementierter Technik beim Hund die Fraktur des Os femoris mit 6,06% noch häufiger als die Luxation.

    Die septische Lockerung (2,25%) und die Femurfraktur (1,96%) kommen beim Hund in der zementierten Endoprothetik nahezu gleichhäufig vor. Bei zementfreiem Vorgehen beträgt die Inzidenz der septischen Lockerung sowie des Prothesenbruchs 1,21%. Aseptische Lockerungen kommen in der Tiermedizin bei zementierter Technik in 1,48% der Fälle vor und sind damit seltener als septische Lockerungen (2,25%). Dagegen ist bei unzementierter Implantation die aseptische Lockerung (1,37%) etwas häufiger als die septische (1,21%).

    Neurapraxie (0,96% bzw. 0,61%) und Lungenembolie (0,58% bzw. 0%) sind in der Veterinärmedizin sehr seltene Komplikationen, sowohl bei zementierter als auch unzementierter Hüftgelenksendoprothetik.

    In der Humanmedizin ist die aseptische Lockerung die häufigste Komplikation, sowohl bei zementierter (6,06%) als auch bei unzementierter Endoprothetik (4,26%). Die Luxationsinzidenz ist mit 1-2,67% deutlich seltener als beim Hund. Die Fraktur des Os femoris ist nach unzementiertem Vorgehen beim Menschen zweithäufigste Komplikation (1,06%), während sie nach Zementierung mit 0,14% sehr selten entsteht. Insgesamt kommt die Femurfraktur somit deutlich seltener vor als beim Hund. Septische Prothesenlockerungen sind in der Humanmedizin ebenfalls sehr viel seltener als in der Tiermedizin (0,86% bzw. 0,7%).

    Die tiefe Beinvenenthrombose ist eine Komplikation, die in der Veterinärendoprothetik keine Rolle spielt. In der Humanmedizin macht sie 0,96% nach zementierter und 0,53% nach umzementierter Technik aus.

    Eine Lungenembolie als Komplikation der zementierten Hüftendoprothetik, ist mit beinahe 0,6% sowohl beim Hund als auch beim Menschen eine gefürchtete Komplikation.

    Beim Menschen selten ist der Prothesenbruch mit 0,1-0,22%, wie auch die Neurapraxie mit 0,03-0,09% sowohl bei zementierter als auch bei unzementierter Implantation.