Fachbereich Veterinärmedizin


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    Untersuchung von Einflussfaktoren auf die Höhe der Einsatzleistung von Holstein-Friesian-Kühen und deren Beziehung zur Milchleistung in der Folgelaktation:
    Investigation of factors influencing initial lactation milk yield of Holstein Friesian cows and its relationship to milk yield in the entire lactation (2016)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Bachstein, Julia (WE 18)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2016 — IX, CCLXXXVI Seiten Seiten
    ISBN: 978-3-86387-763-7
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000103606
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62261 Fax.+49 30 838 62512
    email:klauentierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Ziele dieser Arbeit waren
    1) die Untersuchung der Beziehung zwischen der Einsatz- und Laktationsleistung inklusive der Definition des Begriffs „Einsatzleistung“ und
    2) die nähere Charakterisierung wichtiger Einflussfaktoren auf die Milchmenge insbesondere zu Laktationsbeginn.

    Zu diesem Zweck wurde vom April 2013 bis Februar 2014 eine Beobachtungsstudie auf einem Milchviehbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern mit ca. 2000 Holstein-Friesian-Kühen und einer Jahresleistung von 10900 kg (LKV 2012/2013) durchgeführt. Für die Untersuchung wurden die Tagesmilchmengen von Tag 1 bis 7 p.p., die Wochendurchschnittsleistungen bis zur 7. Laktationswoche sowie die kumulierte 100- und 305-Tage-Leistung erfasst. Weiterhin erfolgten die Bestimmung der Erstkolostrummenge (kg) und –qualität (Dichtespindel, Refraktometer), der Rückenfettdicke (Ultraschall) zur Einstallung in den Transitstall (RFD1, Primipare: ca. 1-2 Wochen a.p., Pluripare: zum Trockenstellen ca. 6 Wochen a.p.), unmittelbar nach der Kalbung (RFD2) und am Tag der Ausstallung (RFD3, ca. 2 Wochen p.p.).

    Blutproben wurden 7-14 Tage vor (v) und direkt nach der Kalbung (0) sowie an den Tagen (1), (3) bzw. (7) post partum für die Laboranalyse der Parameter β-Hydroxybutyrat (BHB), Calcium und der Freien Fettsäuren (NEFA) entnommen. Die Datenerfassung aus dem Herdenmanagementprogramm beinhaltete die Laktationszahl, den Kuhvater, Reproduktionsdaten (Tag der Konzeption, Anzahl der Besamungen, Zwischentragezeit), Tierbewegungen (Datum der Einstallung, der Umstallung in die Vorbereitergruppe, der Kalbung und Ausstallung, sowie die Frühtrockensteh-, Vorbereitungs- und Trächtigkeitsdauer), die Kälberdaten (Kälberanzahl, -geschlecht, -gewicht, Totgeburten und Geburtsverlauf) und Erkrankungsfälle (Geburtsverletzung, Retentio placentae, Metritis, Gebärparese, Ketose, Dislocatio abomasi [bis zum 30. Tag p.p.] bzw. Mastitiden und Klauenerkrankungen [bis zum 150. Tag p.p.]). Wiederholt auftretende Erkrankungen wurden erst ab dem 11. Tag nach der Erstdiagnose als Neuerkrankungsfall definiert. Für die Auswertung der Daten erfolgte die Erstellung von Laktationskategorien in A) Tiere der 1. Laktation, B) Tiere der 2.-3. Laktation und C) Tiere ab der 4. Laktation.

    Zur Überprüfung von Zusammenhängen und Einflussfaktoren fanden Kreuztabellen mit Chi-quadrat-Tests, Odds Ratios, Korrelationsanalysen, T-Tests, allgemeine lineare Modelle bzw. Varianzanalysen (ANOVA) mit Post-hoc-Tests, Diskriminanzanalysen sowie schrittweise multiple lineare Regressionsanalysen Anwendung.

    Als Einsatzleistung wurden die Erstwochenleistung (durchschnittliche Milchleistung zwischen Tag 2-7 p.p.) und die Peakwochenleistung (höchste Wochendurchschnittsleistung zwischen Woche 3-7 p.p.) definiert, d.h. im weitesten Sinne die Milchleistung bis zum 50. Tag post partum.

    Signifikante Leistungsunterschiede zwischen den Laktationskategorien sind bereits ab dem 1. Tag p.p. vorhanden. Die Erstwochenleistung beträgt durchschnittlich 20,9 kg (A), 35,4 kg (B) bzw. 35,1 kg (C), die Peakwochenleistung 30,6 kg (A), 49,1 kg (B) bzw. 50,8 kg (C), die 100-Tage-Leistung 2885 kg (A), 4441 kg (B) bzw. 4637 kg (C) und die 305-Tage-Leistung 8768 kg (A), 11525 kg (B) bzw. 11903 kg (C). Die Erstwochenleistung ist signifikant positiv mit der Peakwochenleistung (0,815), der 100-Tage- (0,837) und der 305-Tage-Leistung (0,709) korreliert, ebenso die Peakwochenleistung mit der 100-Tage- (0,963) und der 305-Tage-Leistung (0,858). Aufgrund dieser starken Zusammenhänge wird empfohlen, die Milchmenge in den ersten 50 Laktationstagen weder stagnieren zu lassen noch zu drosseln.

    Stattdessen sollte sowohl im Sinne der Milchproduktion als auch der Tiergesundheit und Langlebigkeit unter Beachtung der spezifischen Anforderungen der unterschiedlichen Laktationskategorien den Einflussfaktoren auf die Höhe der Einsatzleistung im Betrieb besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

    Als positive Einflussfaktoren auf die untersuchten Milchmengen erweisen sich eine größere Menge an Erstkolostrum (>4 kg), die Vorbereitungs- (A), die Trächtigkeits- (B) bzw. die Gesamttrockenstehdauer (C) und somit die unmittelbar antepartale Phase, vermutlich aufgrund der zu diesem Zeitpunkt forciert ablaufenden Drüsenzelldifferenzierungsvorgänge im Euter. Dieser Zusammenhang unterstreicht die hohe Relevanz der Gestaltung der letzten Trächtigkeitswochen für die Milchproduktion. Insbesondere Erstkalbinnen reagieren positiv auf eine mehr als 14-tägige Vorbereitungsdauer. Daher wird eine ante- und postpartale Trennung zwischen Kuh- und Färsengruppen empfohlen zum Zwecke der besseren Anpassung an die neue Umgebung und Futterration, der Minderung des hierarchischen Stresses bei Primiparen und der unterschiedlichen Intensivbetreuung der Gruppen.

    Weitere positiv auf die Milchleistung einwirkende Faktoren stellen die Vatertiere (Genetik), die Kondition (RFD) zur Einstallung und Kalbung bzw. eine Konditionszunahme während der Trockenstehzeit und eine moderate Konditionsabnahme post partum dar. Darüber hinaus sind höhere BHB- und NEFA-Blutkonzentrationen 7 Tage post partum mit größeren Milchmengen assoziiert. Während antepartal erhöhte NEFA-Spiegel (7 Tage a.p.) bei Pluriparen jedoch mit niedrigeren Milchleistungen einhergehen, weisen die Primiparen höhere Leistungen auf. Dies ist vermutlich einem besseren Kompensationsvermögen der Erstkalbinnen bzw. einem Adaptationsproblem der Mehrkalbinnen geschuldet. Folglich sollten bei Pluriparen eine Verfettung während der Trockenstehzeit, Stress und eine Futterverzehrsdepression in den letzten 2 Wochen a.p. unbedingt vermieden werden.

    Die Anwendung von Geburtshilfe ist negativ und das Kälbergeburtsgewicht positiv mit den untersuchten Milchmengen assoziiert. Die Selektion auf ein hohes Geburtsgewicht schließt sich aufgrund des höheren Risikos für Schwergeburten und der gesundheitlichen Folgeprobleme jedoch aus. Binnen der ersten 30 Tage p.p. erkrankte Tiere erreichen niedrigere Leistungen als gesunde Tiere und die Milchmengenverluste steigen mit der Anzahl der Erkrankungsfälle pro Kuh an. Als einflussreichste Einzelerkrankung mit negativem Effekt auf die Höhe der Einsatz- und Laktationsleistung erweisen sich Metritiden (A), Nachgeburtsverhalten (B) bzw. Gebärparesen (C) und somit unterschiedliche Krankheiten in den Altersgruppen. Demzufolge wird ein optimales Herdenmanagement in der Transitphase mit individuellen, an die jeweilige Laktationskategorie angepassten Tierkontrollen und rechtzeitigen Behandlungen empfohlen.

    Gruppenübergreifend ist eine längere Zwischentragezeit (ZTZ>100 Tage) mit einer höheren 305-Tage-Leistung assoziiert. Daher ist zu erwägen, den Hochleistungstieren in der Herde eine längere freiwillige Wartezeit einzuräumen aus Gründen der Tiergesundheit und um ihr Milchleistungspotential voll ausschöpfen zu können.