Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Untersuchung zur Auswirkung unterschiedlicher Venenverweilkatheter auf die Jugularvenen beim Pferd (2016)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Müller, Carolin (WE 17)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2016 — VII, 66 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000103973
    Kontakt
    Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62299
    pferdeklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Katheterassoziierte Venenveränderungen weisen bezüglich ihres klinischen Bildes und ihres klinischen Verlaufs eine hohe Variabilität auf (Gerhards, 2004). Unterschieden werden kann zwischen einem perivenösen Hämatom, einer Periphlebitis, Endophlebitis, Phlebothrombose oder eine septischen Thrombophlebitis. Die Diagnosestellung einer Venenerkrankung erfolgt durch eine klinische Untersuchung (Anstaubarkeit der Vene, Schwellungen, Schmerzhaftigkeit, vermehrte Wärme und eventuelle Exsudation im Bereich der Einstichstelle) sowie eine sonographische Darstellung der Vene (perivenöses Gewebe, Venenwand, Veneninhalt) (Bonagura et al., 2010; Geraghty et al., 2009a; Hopster et al., 20011; Kihurani und Schusser, 2001; Milne und Bradbury, 2009). Neben der individuellen Konstitution des Patienten und der Grunderkrankung spielen insbesondere die verwendeten Kathetermaterialien und -systeme, die Sorgfalt beim Einbringen des Katheters und das weitere Kathetermanagement eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von katheterassoziierten Komplikationen (Hopster et al., 2011).
    Die Voruntersuchung wurde mit dem Ziel durchgeführt, einen aktuellen Überblick über das derzeit an deutschen und österreichischen Pferdekliniken verwendete Kathetermanagement zu bekommen. Hierfür wurde ein Fragebogen mit Begleitschreiben an 94 Pferdekliniken in Deutschland und Österreich per Email versandt. Darin wurden die Kliniken über die von ihnen verwendeten Kathetersysteme sowie über das Kathetermanagement befragt. Die Untersuchung zeigte, das teilweise ein sehr unterschiedliches Kathetermanagement hinsichtlich Auswahl des Venenkatheters, Venenverweildauer, Vorbereitung des Katheterfeldes und der Katheterpflege an deutschen und österreichischen Pferdekliniken durchgeführt wurde.
    Ziel der Hauptstudie war es, die Auswirkung unterschiedlicher Venenverweilkathetersysteme auf die Jugularvene beim Pferd anhand von Häufigkeit und Art katheterassoziierter Komplikationen zu untersuchen. Es sollte aufgezeigt werden, welches Material (Polyurethane/PU oder Polytetrafluorethylen/PTFE) und welche Katheterbauart (Durchmesser und Länge) zu Veränderungen der erhobenen Parameter der Kathetervene führt oder Auswirkungen auf die Gerinnungsparameter hat. Zusätzlich wurde die bakterielle Besiedelung der verschiedenen Kathetermaterialien untersucht.
    Hierfür wurden drei verschiedene Kathetersysteme die sich in Durchmesser, Länge und Material unterschieden (Polytetrafluorethylen = PTFE 14 G x 16 cm, Polyurethan1 = PU1 14 G x 13 cm, Polyurethan2 = PU2 12 G x 13 cm) drei Gruppen von Pferden (à 15 Pferde) nach dem Zufallsprinzip eingesetzt. Fünf der 45 untersuchten Pferde entwickelten eine aseptische Thrombophlebitis, die im Durchschnitt am fünften Untersuchungstag diagnostiziert werden konnte. Es konnte ein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Entwicklung einer Venenerkrankung zwischen den beiden Materialen PTFE und PU ermittelt werden (p = 0.023, 95 % Konfidenzinterval: 1.19 – 5.55). Venen mit PTFE Kathetern zeigten ein 2.6 fach höheres Risiko eine Venenerkrankung zu entwickeln als solche mit PU Kathetern. Es konnte kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Entwicklung einer Venenerkrankung zwischen den Katheterdurchmessern (12G and 14G) der beiden Kathetersystemen PU1 und PU2 ermittelt werden. Ebenso konnte kein signifikanter Unterschied innerhalb der Untersuchungsgruppen bzw. der Ausprägung von Venenerkrankungen hinsichtlich der Gerinnungsparameter ermittelt werden. Demzufolge kann davon ausgegangen werden, dass eine Erhöhung der Blutviskosität bei unserem Patientengut keine Rolle bei der Ausprägung von Venenerkrankungen gespielt hat. Wie auch in anderen Untersuchungen konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen einer positiven mikrobiologischen Untersuchung und der Ausprägung einer Venenerkrankung bzw. zwischen den Untersuchungsgruppen ermittelt werden (Askoy et al., 2008; Lankveld et al., 2001; Milne und Bradbury, 2009).
    Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Kathetersysteme aus PU sich besser zur Langzeitkatheterisierung eignen als Venenkatheter aus PTFE.