Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Die wissenschaftliche Grundlage der Klasseneinteilung des Röntgenleitfadens - Teil II. Das Fesselbein und die Gleichbeine (2016)

    Art
    Zeitschriftenartikel / wissenschaftlicher Beitrag
    Autoren
    Schulze, Nicole (WE 17)
    Lischer, Christoph (WE 17)
    Quelle
    Pferdeheilkunde; 32(6) — S. 595–605
    ISSN: 0177-7726
    Kontakt
    Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62299
    pferdeklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Das Fesselgelenk des Pferdes weist aufgrund seiner relativ kleinen Gelenkfläche im Verhältnis zum hohen Körpergewicht
    eine hohe Anfälligkeit für degenerative Veränderungen auf und wird deshalb im Rahmen von Ankaufsuntersuchungen oft geröngt. Im Röntgenleitfaden 2007 (RöLF 2007) sind verschiedene Befunde, die man auf einer seitlichen Aufnahme erheben kann, aufgelistet und klassifiziert.
    Das Ziel dieser Arbeit war es, die Klassifikation dieser Befunde in Hinblick auf ihre wissenschaftliche Grundlage zu überprüfen. Durch eine systematische Literaturrecherche in CAB und PubMed konnten 44 Publikationen (28 peer reviewed Veröffentlichungen und 16 Dissertationen) gefunden werden, die hinsichtlich der Prävalenz des jeweiligen Befundes und der dazugehörigen klinischen Bedeutung ausgewertet wurden. Zusätzlich erfolgte eine Evidenzklassifizierung der verwendeten Arbeiten gemäß der AHCPR (Agengy for Health Care Policy and Research). Hierbei erreichten 29 Arbeiten die Evidenzklasse II b und 15 Arbeiten die Evidenzklasse III. Publikationen, die auf Berichten von Experten-Ausschüssen oder Expertenmeinungen basierten und somit der Evidenzklasse IV zugeordnet werden, wurden nicht berükksichtigt. Die Prävalenz der untersuchten Röntgenbefunde am Fesselbein und Gleichbein ist in der Literatur für lahme und gesunde Warmblüter, Vollblüter und Traber nur unzureichend dokumentiert. Ausnahmen bildeten isolierte Verschattungen, welche als Knochenlösung am Fesselbein gedeutet werden (Befund 1.14.4), mit einer Prävalenz von 0,25%–1,8% und Zubildungen an der palmaren/plantaren Kontur der Gleichbeine (1.16.4/1.16.5) mit einer Prävalenz von 0%–4,2%. Hinsichtlich der klinischen Bedeutung der Befunde am Fesselbein und den Gleichbeinen bzw. deren Risikoeinschätzung sind in der Literatur keine Angaben vorhanden. Die Klasseneinteilung beruht demnach einzig auf Expertenmeinung der Röntgenkommission. Hinterfragt werden sollte die Klassifizierung von Zubildungen dorso-proximal am Fesselbein (II-III), da es sich hierbei auch um Hinweise auf Fissuren/Frakturen und/oder subchondrale Knochenzysten handeln kann. Zudem ist zu beachten, dass viele der untersuchten Befunde auf der latero-medialen Aufnahme allein nur unzureichend dargestellt werden können.
    Für eine abschließende Beurteilung und Klassifizierung wären Zusatzaufnahmen dringend erforderlich.