Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Wissenschaftliche Grundlage der Klasseneinteilung von Befunden des Röntgenleitfadens - Teil I: Das Fesselgelenk (2016)

    Art
    Zeitschriftenartikel / wissenschaftlicher Beitrag
    Autoren
    Schulze, Nicole (WE 17)
    Lischer, Christoph (WE 17)
    Quelle
    Pferdeheilkunde; 32(3) — S. 231–240
    ISSN: 0177-7726
    Kontakt
    Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62299
    pferdeklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Der Röntgenleitfaden spielt in Deutschland bei der Kaufuntersuchung des Pferdes eine große Rolle und wird häufig wegen seiner fehlenden wissenschaftlichen Grundlagen kritisiert. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es deshalb, die wissenschaftliche Grundlage für die Klasseneinteilung von ausgewählten Befunden des Fesselgelenkes zu überprüfen. Durch eine systematische Literaturrecherche in CAB und PubMed wurden 43 Publikationen identifiziert (31 peer reviewed Veröffentlichungen und 12 Dissertationen). Gemäß der Evidenzklassifikation der AHCPR (Agency for Health Care Policy and Research) erreichten drei Arbeiten die Evidenzklasse IIa, 34 IIb und sechs Arbeiten III. Die Studien wurden im Hinblick auf ihre Aussagen bezüglich der Prävalenz und der klinischen Bedeutung der jeweiligen Befunde ausgewertet. Die Prävalenz der untersuchten Röntgenbefunde im Fesselgelenk ist für gesunde Populationen von Vollblütern, Trabern und zum Teil für Warmblutpferde relativ gut dokumentiert. Für isolierte, intraartikuläre Verschattungen dorsal des Fesselbeins liegt die Prävalenz zwischen 3,4%–19,49%, palmar bzw. plantar zwischen 3,4%–16,2%, und dorsal am Sagittalkamm zwischen 1,5%–13,8%. Randexostosen dorsoproximal am Fesselbein (Osteophyten) werden mit einer Frequenz zwischen 6%–39,2% gefunden. Wissenschaftliche Grundlagen zur Risiko -
    einschätzung der geprüften Befunde am Fesselgelenk gibt es kaum. Die Klasseneinteilung beruht weitestgehend auf Expertenmeinungen. Hinterfragt werden muss die Klassifizierung von intraartikulären osteochondralen Fragmenten und Osteophyten. Diese Befunde werden im RöLF 2007 als Klasse II-III (Norm- bzw. Akzeptanzzustand) bewertet, obwohl sie als pathologische Veränderung bezeichnet werden müssen.