Fachbereich Veterinärmedizin


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    Frakturen und Luxationen bei freilebenden Greifvögeln und Eulen und die Anwendung der AO-Klassifikation auf Frakturen des Vogelskelettes:
    Fractures and luxations in birds of prey and owls and the classification of fractures of the bird skeleton with the AO classification (2016)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Titze, Kerstin (WE 20)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2016 — VIII, 177 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-746-0
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000103122
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    +49 30 838 62356
    kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Ziel dieser Studie war die Auswertung der Daten von freilebenden Greifvögeln und Eulen mit Frakturen und Luxationen, die zwischen Januar 1999 und Dezember 2011 in der Klinik für kleine Haustiere der Freien Universität vorgestellt wurden. Zusätzlich wurde die Anwendbarkeit der AO-Klassifikation nach MÜLLER (2008) auf die Frakturen des Patientengutes überprüft. Einschlusskriterien waren das Vorhandensein mindestens einer Fraktur oder Luxation und zwei senkrecht aufeinander stehender Röntgenbilder dieser Verletzungen.

    Es wurden 806 Greifvögel [326 Mäusebussarde (Buteo buteo), 172 Sperber (Accipiter nisus) 148 Turmfalken (Falco tinnunculus), 123 Habichte (Accipiter gentilis), 37 Seeadler (Haliaeetus albicilla)] und 117 Eulen [49 Waldohreulen (Asio otus), 48 Waldkäuze (Strix aluco), 20 Schleiereulen (Tyto alba)] in die Studie aufgenommen. Auf tierartliche Unterschiede wurde bezüglich von Alter und Geschlecht der Vögel sowie Alter und Lokalisation der Frakturen und Luxationen untersucht.

    Mäusebussarde (40,4%, 326/806) wurden bei den Greifvögeln und Waldohreulen (41,9%, 49/117) bei den Eulen am häufigsten vorgestellt. Juvenile Vögel (Greifvögel 43,8%, 317/724; Eulen 48,1%, 37/77) und weibliche Tiere (Greifvögel 52,9%, 344/650; Eulen 56,8%, 42/81) dominierten in beiden Gruppen. Im tierartlichen Vergleich wiesen Sperber mit einem Anteil von 77,3% (133/172, p≤0,023) signifikant mehr weibliche Vögel auf als Habichte und Turmfalken.

    Die Frakturen und Luxationen waren bei Greifvögeln und Eulen erst vor kurzer Zeit entstanden (Greifvögel 81,8%, 1094/1338; Eulen 84,5%, 169/200) und das Weichteilgewebe im Traumabereich geschlossen (Greifvögel 72,8%, 974/1338; Eulen 71,0%, 142/200). Mit 59,8% (800/1338) und 56,0% (112/200) stellte die Schwinge sowohl bei den Greifvögeln als auch bei den Eulen die Hauptlokalisation der Frakturen bzw. Luxationen dar. Signifikante Unterschiede waren bezüglich der Häufigkeit von Frakturen am Schultergürtel und der Ständer zwischen den Tierarten vorhanden. An der Schwinge wurden am Humerus mit 35,6% (226/635) bei den Greifvögeln und mit 41,8% (38/91) bei den Eulen am häufigsten Frakturen und Luxationen diagnostiziert. In der Gruppe der Frakturen waren bei den Greifvögeln signifikante tierartliche Unterschiede in der Häufigkeit der frakturierten Knochen der Schwinge nachweisbar. So wiesen Seeadler zum Beispiel signifikant häufiger Frakturen des Karpometakarpus auf als die anderen Greifvogelarten (p≤0,034). Am Schultergürtel wurden Frakturen und Luxationen bei Greifvögeln und Eulen insgesamt am häufigsten am Korakoid diagnostiziert (Greifvögel 52,5% 135/257; Eulen 48,5% 16/33). Das Knochenpaar Tibiotarsus und Fibula stellte am Ständer sowohl bei Greifvögeln als auch bei Eulen die Hauptlokalisation für Frakturen und Luxationen dar (Greifvögel 31,3%, 41/131; Eulen 35,5%, 11/31). Frakturen und Luxationen an Rumpf und Schädel traten insgesamt deutlich seltener auf und speziell an der Wirbelsäule war bei den Greifvögeln mit 67,6% (n=25/37) die Brustwirbelsäule am häufigsten frakturiert bzw. luxiert. Eulen wiesen keinen dominierenden Wirbelsäulenabschnitt für Frakturen und Luxationen auf.

    Die AO-Klassifikation nach MÜLLER (2008) mit den eigenen Ergänzungen konnte an allen Knochen des Vogelskelettes, mit Ausnahme der Wirbelsäule, des Beckens und des Schädels, angewendet werden. Aufgrund von Überlagerungen waren die Frakturlinien an diesen Knochen nicht eindeutig auf den Röntgenbildern nachvollziehbar. Die häufigste Fraktur am Humerus bei den Greifvögeln war der Kode 12A2 (26,5%, 49/185) und bei den Eulen der Kode 12A1 (21,1%, 7/33). An Radius und Ulna dominierte in beiden Gruppen die Kodierung 22C1 (Greifvögel 28,8%, 60/208; Eulen 34,8%, 8/23) und am Korakoid die 172A2 (Greifvögel 25,6%, 23/90; Eulen 20,0%, 2/10). Am Femur wurde bei den Greifvögeln (21,9%, 7/32) und bei den Eulen (50,0%, 3/6) die Fraktur 32A2 am häufigsten klassifiziert.

    Es wurden 243 Frakturen und 25 Luxationen konservativ (u. a. singulare Ulna- und Radiusfrakturen, Korakoidfrakturen und – Luxationen, Wirbelsäulenfrakturen) und 162 Frakturen und fünf Luxationen chirurgisch versorgt (u. a. Frakturen von Femur, Tibiotarsus, Humerus, Radius und Ulna sowie Korakoidluxationen). Insgesamt konnten 30,1% der Greifvögel (243/806) und 23,1% der Eulen (27/117) nach Therapieende an Auswilderungsstationen zur Rehabilitation abgegeben.