Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Diagnostik der Knochenbeschaffenheit bei hochtragenden Milchrindern mit chronischer metabolischer Azidose (2016)

    Art
    Vortrag
    Autoren
    Pieper, Laura (WE 18)
    Roder, Andrea (WE 18)
    Staufenbiel, Rudolf (WE 18)
    Kongress
    41. Leipziger Fortbildungsveranstaltung Labordiagnostik in der Bestandsbetreuung
    Leipzig, 24.06.2016
    Quelle
    41. Leipziger Fortbildungsveranstaltung Labordiagnostik in der Bestandsbetreuung — Manfred Fürll (Hrsg.)
    Leipzig: Medizinische Tierklinik der Veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig, 2016 — S. 46–47
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.vetmed.uni-leipzig.de/ik/wmedizin/labor/laborfortbildung/leipziger_laborfortbildung_16.pdf
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62261 Fax.+49 30 838 62512
    email:klauentierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Problemstellung: Bei den generalisierten Osteopathien beim Rind sind insbesondere die Rachitis bei Kälbern, Osteomalazie bei Milchkühen und Osteoporose bei Mastrindern zu nennen. Durch die Aufklärung der Ursachen dieser Erkrankungen und folgend die Optimierung der Fütterung in den letzten Jahrzehnten, sind die Osteopathien allerding selten geworden. Für die tierärztliche Bestandsbetreuung werden hauptsächlich Blut-, Urin-, Haar-, Kot-, und Futterproben genutzt. Mit diesen Proben lassen sich die meisten Bestandsprobleme diagnostizieren. Biopsien zum Beispiel von Leber oder Knochen werden nur noch in Einzelfällen durchgeführt. Diese sind relativ einfach durchzuführen und besonders für die Diagnostik der Spurenelementversorgung und von Osteopathien sinnvoll. Die Knochenbiopsie inklusive chemischer Analyse der Spongiosa nach Priboth (1967) kann als der Goldstandard in der Diagnostik generalisierter Osteopathien angesehen werden. Im betroffenen Betreib wurden die hochtragenden Färsen zur Vermeidung der Verfettung mit extensiven Grassilagen gefüttert. Aufgrund einer verminderten Düngung mit Kalium und einer, besonders in späteren Schnitten, erhöhten Schwefelanreicherung im Futter wurden in diesen Silagen negative DCAB-Werte nachgewiesen. In Analogie zu Milchkühen a.p. wurde vermutet, dass die negative DCAB eine milde metabolische Azidose inklusive Aktivierung des Kalziumstoffwechsels auslöst. Weiterhin wurde vermutet, dass die längerfristige Verabreichung dieser Silagen chronische metabolische Azidosen verursacht, die sich in Osteopathien äußern.
    Ziel der Analyse des Knochenbioptats war die Untersuchung des Vorliegens einer Osteopathie aufgrund einer, durch eine negative DCAB ausgelösten, azidotischen Stoffwechsellage. Versuchsanordnung: Von 10 klinisch gesunden hochtragenden Hostein-Friesian Milchrindern wurden Harnproben und Knochenbiopsien (Priboth, 1967) entnommen. Die Proben wurden im Labor der Freien Universität Berlin untersucht. Die Knochenproben wurden entsprechen der Anweisung von Fürll et al. (1981) verarbeitet. Futtermittel wurden zur Analyse an ein zertifiziertes Futtermittellabor geschickt.
    Ergebnisse: Futtermittelanalysen ergaben, dass die Tiere mit Anwelksilagen mit DCABWerten bis -138 meq/kg gefüttert wurden. In den Harnanalysen waren die pH-, NSBA-, Basen- und BSQ-Werte vermindert und die Kalziumausscheidung erhöht (Tab 1). Dies bestätigt, dass eine metabolische Azidose vorlag. Die Phosphatausscheidung war dagegen nicht verändert. Die Knochenbiopsien ergaben einen geringfügig verminderten Anteil der Rohasche in der fettfreien Trockensubstanz des Knochens (Tab 2). Alle anderen Parameter des Knochens waren nicht ausgelenkt.
    Diskussion: Die negative DCAB verursachte eine azidotische Stoffwechsellage bei den hochtragenden Färsen. Bei ausreichender Kalziumfütterung und ausgeglichenem Kalzium/Phosphor-Verhältnis geht dies jedoch ohne relevante Veränderungen in der Knochensubstanz einher. Somit scheint diese Form der metabolischen Azidose keine Osteopathie hervorzurufen.
    Schlussfolgerungen: Eine längerfristige Verringerung der DCAB bei Trockenstehern und Färsen kann zu einer chronischen metabolischen Azidose führen. Die metabolische Azidose durch eine geringe DCAB im Futter hatte jedoch keine relevanten Auswirkungen auf die Beschaffenheit der Knochensubstanz. Die Azidose kann mithilfe einer einfachen Harnuntersuchung diagnostiziert werden. Für die Bewertung der Knochenbeschaffenheit kann und sollte die Knochenbiopsie in der tierärztlichen Bestandsbetreuung eingesetzt werden.