Fachbereich Veterinärmedizin


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    Einflussfaktoren auf die Totgeburtenrate bei primi- und multiparen Holstein Friesian Milchkühen (2016)

    Art
    Vortrag
    Autoren
    Maschurek, Nancy (WE 18)
    Pieper, Laura
    Staufenbiel, Rudolf
    Kongress
    41. Leipziger Fortbildungsveranstaltung Labordiagnostik in der Bestandsbetreuung
    Leipzig, 24.06.2016
    Quelle
    41. Leipziger Fortbildungsveranstaltung Labordiagnostik in der Bestandsbetreuung — Manfred Fürll (Hrsg.)
    Leipzig: Medizinische Tierklinik der Veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig, 2016 — S. 29–30
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.vetmed.uni-leipzig.de/ik/wmedizin/labor/laborfortbildung/leipziger_laborfortbildung_16.pdf
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62261 Fax.+49 30 838 62512
    email:klauentierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Einleitung: Trotz intensiver Forschungen zu den Risikofaktoren pathologischer Geburtsverläufe werden Totgeburtenraten von durchschnittlich 8% (Junge et al., 2003; Lombard et al., 2007; Silva del Rio et al., 2007) und von bis zu 15% bei erstkalbenden Kühen (Hoedemaker et al., 2010) berichtet. Im Mittelpunkt der Diskussion steht häufig die Schwergeburt als ein zentraler Risikofaktor für perinatale Kälbermortalitäten (Hoedemaker et al., 2010). Daher ist es das Ziel der vorliegenden Arbeit, signifikante Einflussfaktoren auf die Totgeburtenrate bei primi- und multiparen Holstein Friesian Milchkühen zu untersuchen und die Bedeutung der Schwergeburt in die Problematik einzuordnen. Außerdem sollen praktische Möglichkeiten aufgezeigt werden, das Vorkommen von perinatalen Kälbermortalitäten zu senken.
    Material und Methoden: Von April 2013 bis Februar 2014 wurden 1949 Kalbungen in einem großen und gut gemanagten Milchviehbetrieb begleitet. Als Totgeburtenrate wurde die Geburt toter bzw. innerhalb von 30 min. p.p. letal verendeter Kälber definiert. Aus den betriebseigenen Abkalbeprotokollen wurden die Kalbeparameter in Microsoft® Excel erfasst und mit Hilfe des Herdenmanagementprogramms um weitere relevante Daten ergänzt. Weiterhin wurde zu definierten Zeitpunkten die Rückenfettdicke der Probanden sonographisch bestimmt und Blutproben entnommen. Die Auswertung der Daten erfolgte mit dem Statistikprogramm SPSS 22. Zunächst wurden die Zusammenhänge zwischen den Untersuchungsgrößen mittels Chi-Quadrat- bzw. Fisher-Exakter-Test und dem einfachen logistischen Regressionsmodell auf Signifikanz geprüft. Anschließend wurden die signifikanten Parameter mit Hilfe von multivariablen Regressionsanalysen ausgewertet, um Autokorrelationen zu reduzieren und um die Wirkstärke der Faktoren zu gewichten. Auf Grund des starken, hochsignifikanten Einflusses der Laktationszahl sind die Zusammenhänge für primi- und multipara Kühe getrennt dargestellt.
    Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Totgeburtenrate Primipara
    · Die Häufigkeit von Totgeburten ist bei Erstkalbinnen fast viermal so hoch (12,8%) im
    Vergleich zu Mehrkalbskühen (3,3%).
    · Das Vorliegen von schweren Geburtsverläufen ist der stärkste Einflussfaktor mit einer fünffachen Risikosteigerung (OR für Schwergeburten im Vergleich zu Spontangeburten 5,470) für perinatale Kälbersterblichkeiten.
    · Der signifikante Einfluss der Jahreszeit der Besamung (OR bis 0,310 für Sommeranpaarungen im Vergleich zu Frühlingsanpaarungen) wird indirekt über den Wechsel der eingesetzten Besamungsbullen bewirkt. Schlussfolgernd beeinflusst die Auswahl des Anpaarungsbullen signifikant die Totgeburtenrate. Auf Grund der Unsicherheit genomischer Zuchtwerte für die Totgeburten, sind für Färsenanpaarungen bevorzugt töchterbasierte Bullen einzusetzen.
    · Das Kälbergeburtsgewicht übt einen signifikanten Einfluss aus. Höhere neonatale Gewichte gehen mit einem geringeren Totgeburtenrisiko einher (Optimum 42 kg, OR 0,883 /kg höhere Geburtsmasse), was ein Hinweis auf die unzureichende Organentwicklung und geringere Vitalität zu früh geborener Kälber ist.
    · Das durch die intensive Aufzucht erreichte niedrige Erstkalbealter von 22,3 Monaten hat wider Erwarten keinen nachweisbaren Effekt auf die Totgeburtenrate. Erfolgsversprechende Ansätze zur Reduzierung der Totgeburtenrate bei Primipara ist die Dezimierung von Schwergeburten durch adäquate Managementmaßnahmen (Einsatz von gesextem Sperma, Überwachung der Trächtigkeitsdauern mit der Nutzung der Geburtsinduktion, Begrenzung der Intensität und Dauer der Vorbereitungsperiode) und die Auswahl von Besamungsbullen auf Grundlage von töchterbasierten Zuchtwerten für den Kalbeverlauf und die Totgeburtenrate.
    Totgeburtenrate Multipara
    · Auch bei den Mehrkalbskühen stellt die Schwergeburt den stärksten Einflussfaktor dar. Das Risiko für perinatale Mortalitäten steigt um das zehnfache (OR 10,552) im Vergleich zu problemlosen Kalbungen. Der Effekt ist damit doppelt so hoch im Vergleich zu erstkalbenden Kühen.
    · Die Jahreszeit der Konzeption übt den zweitstärksten Einfluss aus (OR für Herbstanpaarung im Vergleich zu Frühlingsanpaarung 7,026). Der Effekt ist auf verschieden Faktoren wie z. B. das Vorliegen von Torsio uteri und Anomalien am Kalb, aber u.a. auch auf eine unzureichende Geburtsüberwachung zurückzuführen.
    · Niedrigere Phosphorkonzentrationen geben bereits zu Beginn der Vorbereitungsperiode einen
    Hinweis auf ein geringeres Totgeburtenrisiko (OR 0,284). Es wird angenommen, dass dieser Effekt indirekt über eine Senkung der Schwergeburtenrate auf Grund niedrigerer Kälbergeburtsgewichte bewirkt wird.
    · Die Trächtigkeitsdauer (OR 0,947 /Tag längere Tragezeit) beeinflusst als unabhängiger Faktor die Totgeburtenrate. Als wichtige Maßnahmen für die Reduktion der Totgeburtenrate bei multiparen Kühen kann ebenfalls die Verringerung der Dystokierate durch geeignete Maßnahmen (Reduktion und frühzeitige Diagnostik von Mehrlingsträchtigkeiten, geeignete Bullenauswahl für die Anpaarung, Überwachung der Tragezeiten mit der Möglichkeit der Geburtsinduktion, Einsatz von gesextem Sperma und niedriger Geräuschpegel im Abkalbebereich) empfohlen werden. Außerdem sollte das Kalbepersonal regelmäßig zum Monitoring der kalbenden Tiere, v.a. zu physiologischen und pathologischen Geburtsanzeichen, und zur korrekten Anwendung geburtshilflicher Maßnahmen geschult werden.