Fachbereich Veterinärmedizin


Service-Navigation

    Publikationsdatenbank

    Hyperketonämie in den ersten 6 Laktationswochen - Einfluss auf Milchleistung, Fruchtbarkeit und Merzung (2016)

    Art
    Vortrag
    Autoren
    Borchardt, Stefan (WE 19)
    Ruoff, Julia (WE 19)
    Mahrt, Annika (WE 19)
    Heuwieser, Wolfgang (WE 19)
    Kongress
    41. Leipziger Fortbildungsveranstaltung - Labordiagnostik in der Bestandsbetreuung
    Leipzig, 24.06.2016
    Quelle
    41. Leipziger Fortbildungsveranstaltung Labordiagnostik in der Bestandsbetreuung — Manfred Fürll (Hrsg.)
    Leipzig: Medizinische Tierklinik der Veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig, 2016 — S. 24
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.vetmed.uni-leipzig.de/ik/wmedizin/labor/laborfortbildung/leipziger_laborfortbildung_16.pdf
    Kontakt
    Tierklinik für Fortpflanzung

    Königsweg 65
    Haus 27
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62618 Fax.+49 30 838 62620
    email:fortpflanzungsklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Einleitung – Die ersten beiden Laktationswochen wurden als Hauptrisikozeitraum für Hyperketonämie (HYK; BHB ≥ 1,2 mmol/l) beschrieben (McArt et al., 2012). Es konnte jedoch gezeigt werden, dass Milchkühe bis zur sechsten Laktationswoche HYK aufwiesen (Mahrt et al., 2015). Das Ziel der vorliegenden Studie war es, 1) die Epidemiologie der HYK in den ersten 6 Wochen zu beschreiben und 2) den Einfluss von HYK auf Milchleistung, Fruchtbarkeit und Merzungsrisiko in der Frühlaktation zu untersuchen.
    Material und Methoden – Insgesamt wurden 655 Milchkühe aus 6 kommerziellen Milchviehbetrieben an Laktationstag 1 – 4 in die Studie aufgenommen. Die Kühe wurden innerhalb der ersten 6 Laktationswochen zweimal pro Woche mit einem BHB Schnelltestgerät (NovaVet, Nova Biomedical, Waltham, USA) untersucht. HYK wurde definiert als BHB-Konzentration ≥ 1,2 mmol/l. HYK wurde eingeteilt in zwei unterschiedliche Formen basierend auf dem Auftreten des ersten HYK Ereignisses (HYKfrüh: erstes HYK Ereignis innerhalb der ersten zwei Laktationswochen; HYKspät: erstes HYK Ereignis in der Laktationswoche drei bis 6). 32 Tiere wurden von der Analyse auf Grund einer Ketose-Behandlung von der statistischen Auswertung ausgeschlossen. Es wurde untersucht, ob der Zeitpunkt der Neuerkrankung (HYKfrüh vs. HYKspät) einen Einfluss auf die Milchleistung (Einsatzleistung, 100 Tage Milchleistung), die Fruchtbarkeit (Erstbesamungserfolg, Risiko für eine Trächtigkeit innerhalb von 200 Laktationstagen) und das Merzungsrisiko in der Frühlaktation (Abgang in den ersten 60 Laktationstagen) hat. Zur statistischen Auswertung wurde ein GENLINMIXED Verfahren und ein COX-Regressions Modell verwendet.
    Ergebnisse – Die kumulative Inzidenz für HYK in den ersten 6 Laktationswochen betrug 48% bei den Jungkühen und 72% bei den Altkühen. Die Peak-Inzidenz war in Woche 1 bei den Jungkühen und in Woche 2,5 bei den Altkühen. Die mittlere Prävalenz lag bei 17,5%. Insgesamt hatten 72% der erkrankten Tiere 3 – 4 Tage nach dem initialen HYK Ereignis ein negatives Testergebnis (BHB < 1,2 mmol/l). Kühe in der Gruppe HYKfrüh hatten eine höhere Einsatzleistung (+ 3,0 kg/d; P < 0,001) und 100 Tage Milchleistung (+ 301,6 kg; P < 0,001) gegenüber nicht-ketotischen Tieren. Dies konnte bei Tieren in der Gruppe HYKspät nicht beobachtet werden. Unabhängig vom Erkrankungsbeginn hatte HYK keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit oder das Merzungsrisiko in der Frühlaktation.
    Schlussfolgerung – HYK in den ersten beiden Laktationswochen war verbunden mit einer höheren Milchleistung ohne negative Effekte auf die Fruchtbarkeit und das Merzungsrisiko. Es gab eine hohe Selbstheilungsrate. HYK in der Frühlaktation ist Teil einer physiologischen Anpassungsreaktion an die besonderen Herausforderungen zu Beginn der Laktation.