Fachbereich Veterinärmedizin


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    Bedeutung des murinen postsynaptischen Serotonin1A-Rezeptors für die adulte Neurogenese (2016)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Noto, Bettina (WE 14)
    Quelle
    Berlin, 2016 — XIV, 151 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000101516
    Kontakt
    Institut für Pharmakologie und Toxikologie

    Koserstr. 20
    14195 Berlin
    +49 30 838 53221
    pharmakologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die Zahl der an einer Depression erkrankten Menschen steigt von Jahr zu Jahr an, wobei ihre Pathophysiologie bis heute nicht eindeutig geklärt ist. In der Depressionsforschung ist in den letzten Jahren die adulte Neurogenese in den Fokus des Interesses gerückt. Mehrere Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen veränderter hippocampaler Neurogenese und einer depressiven Störung. Der Serotonin1A-Rezeptor, ein Subtyp der Familie der Serotoninrezeptoren, wird präsynaptisch als Autorezeptor auf serotonergen Neuronen in den Raphekernen und postsynaptisch als Heterorezeptor in den Projektionsgebieten serotonerger Neurone exprimiert. Veränderte Dichten und Bindungskapazitäten des postsynaptischen Serotonin1A-Rezeptors bei Depressiven deuten auf einen pathophysiologischen Zusammenhang zwischen der Expression des Serotonin1A-Heterorezeptors und der Depression hin. In der vorliegenden Arbeit wurde an einem transgenen Mausmodell mit einer Überexpression des postsynaptischen Serotonin1A-Rezeptors untersucht, welche Auswirkungen die Überexpression auf die adulte Neurogenese und Gliogenese hat. Die Analyse von morphometrischen Unterschieden zwischen transgenen und Wildtyp-Tieren, welche mit Hilfe von immunhistochemischen Untersuchungen und morphologischer Auswertung mittels Licht- und Fluoreszenzmikroskopie an jungadulten Mäusen durchgeführt wurden, zeigten bei den Mäusen mit einer Überexpression des postsynaptischen Serotonin1A-Rezeptors vergrößerte Gyri dentati. Des Weiteren konnte durch die in vivo Markierung mit BrdU eine erhöhte Proliferation und ein erhöhtes Zellsurvival im Gyrus dentatus detektiert werden. Weitere immunhistochemische Färbungen zeigten zudem eine erhöhte Zahl differenzierender Vorläuferzellen entlang der Subgranularzone dieser Tiere. Die transgene Maus mit postsynaptischer Serotonin1A-Rezeptorüberexpression in Hippocampus und Cortex weist demnach eine gesteigerte adulte Neurogenese auf, wobei die Veränderungen verstärkt beim weiblichen Tier zu finden waren. Dies ist möglicherweise auf die beim weiblichen transgenen Tier erhöhte Serotonin1A-Rezeptordichte im Gyrus dentatus und Cortex zurückzuführen. Der Serotonin1A-Heterorezeptor hat demnach eine zentrale Bedeutung bei der Regulation der hippocampalen Neurogenese im Hippocampus und übt dabei nicht nur einen proneurogenen Effekt auf die Stammzellen des Gyrus dentatus aus, sondern fördert zudem die Differenzierung und das Zellsurvival der neuen Zellen. Da sich die Granularzellschicht des Bulbus olfactorius und der Präfrontalcortex der transgenen Mäuse morphologisch unverändert darstellten, lieferte das untersuchte Tiermodell keine Hinweise auf einen bedeutenden Einfluss des postsynaptischen Serotonin1A-Rezeptors auf die adulte Neurogenese der Subventrikularzone und auf die adulte Gliogenese im Cortex. Zukünftige Studien müssen klären, ob durch selektive Agonisten des Serotonin1A-Rezeptors mit überwiegend postsynaptischer Wirkung, auch beim Menschen eine Steigerung der adulten Neurogenese erreicht werden kann. Dies könnte die Tür für neue antidepressive Medikamente öffnen, die durch eine Steigerung der adulten Neurogenese ihre antidepressive Wirkung entfalten.