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Fachbereich Veterinärmedizin


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    Einfluss eines Hefezellwandproduktes auf die zootechnische Leistung sowie verdauungsphysiologische, mikrobiologische und immunologische Parameter bei Masthühnern (2015)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Vodde, Heike (WE 4)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2015 — IX, 128 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-666-1
    Verweise
    URL (Volltext): https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/4226
    Kontakt
    Institut für Tierernährung

    Königin-Luise-Str. 49
    14195 Berlin
    +49 30 838 52256
    tierernaehrung@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Untersuchungen zufolge kann der nutritive Einsatz von Hefezellwänden die zootechnische Leistung, die intestinale Mikrobiota sowie die Immunantwort von landwirtschaftlichen Nutztieren positiv beeinflussen. Die Ergebnisse der verschiedenen Fütterungsstudien sind jedoch uneinheitlich. Dabei liegen Unterschiede in der Herkunft der Hefen, dem Herstellungsprozess und den Gehalten an β-Glucanen und MOS in den verschiedenen Hefezellwandpräparaten vor. Im Rahmen dieser Studie sollte untersucht werden, ob ein Hefezellwandprodukt konzentrationsabhängige Effekte auf die zootechnische Leistung, die Zusammensetzung und Aktivität der intestinalen Mikrobiota, das Immunsystem und die Verdauungsphysiologie von Masthühnern ausübt. Zu diesem Zweck wurden Eintagsküken (Cobb Germany Avimex GmbH) auf zwei konsekutiv folgende Mastdurchgänge aufgeteilt und während sowie am Ende der 35-tägigen Mastperiode Proben für immunologische, mikrobiologische und verdauungsphysiologische Analysen bei den Tieren entnommen. Alle Tiere erhielten als Basisdiät ein Starter- (d 1 - 14) sowie ein Mast-/Endmastfutter (d 15 - 35) auf Sojaextraktionsschrot-, Mais- und Weizenbasis. Vier Versuchsgruppen wurde das Produkt Immunowall® in aufsteigenden Konzentrationen (0,05 %, 0,10 %, 0,20 % und 0,30 %) über die gesamte Mastperiode zugesetzt. Eine fünfte Versuchsgruppe fungierte als Kontrollgruppe. Dabei wurden im Mittel 17 Tiere in einer Versuchseinheit gehalten, denen Futter und Wasser ad libitum zur Verfügung standen. Die zootechnischen Leistungsparameter wurden wöchentlich erhoben. Am 21. Lebenstag wurden die Tiere oral gegen das NDV vakziniert und den Masthühnern vor sowie sieben und 13 Tage nach der Impfung Blut für die Ermittlung der Antikörpertiter gegen das NDV, der Phagozytoseaktivität der Monozyten sowie der Zellgehalte entnommen. Im Alter von 35 Tagen wurden Digestaproben aus dem Kropf, Ileum und den Caeca für die Quantifizierung der Laktobazillen, Bifidobakterien, Enterobakterien und Escherichia/Hafnia/Shigella spp. entnommen. Zusätzlich wurden diese Proben für die pH-Wert-Messungen und die Bestimmung der bakteriellen Metaboliten verwendet. Die Messung von intestinalem IgA erfolgte in Digestaproben aus dem Duodenum. Darüber hinaus wurden der Thymus, die Milz und Bursa Fabricii vorsichtig aus dem Tierkörper exenteriert, gewogen und im Anschluss die relativen Organgewichte ermittelt. Um den Einfluss des Hefezellwandproduktes auf die verdauungsphysiologischen Parameter zu ermitteln, wurde am 36. Lebenstag Digesta aus dem Ileum für die Ermittlung der scheinbaren praecaecalen Verdaulichkeit von Protein, Fett und Stärke sowie der prozentualen Trockensubstanzgehalte der ursprünglichen Substanz entnommen. Die statistische Auswertung der Ergebnisse erfolgte anhand einer einfaktoriellen Varianzanalyse oder dem Kruskal-Wallis-Test sowie einer polynomialen Kontrastanalyse als Trendtest. Die zootechnischen Parameter der Masthühner wurden durch die Zugabe des Hefezellwandproduktes beeinflusst. Die Masthühner, denen das Hefezellwandprodukt zugesetzt wurde, zeigten in der zweiten und dritten Lebenswoche konzentrationsabhängige verbesserte Lebendmassen (p = 0,029 und p = 0,089). Dies spiegelte sich in der dritten Lebenswoche in einem tendenziell verbesserten Futteraufwand in der quadratischen Kontrastanalyse wider (p = 0,083). In der vierten und fünften Lebenswoche zeigten sich hingegen kompensatorisch höhere Lebendmassezunahmen sowie ein günstigerer Futteraufwand in der fünften Lebenswoche zugunsten der Kontrollgruppe und der Versuchsgruppe, denen 0,05 % des Hefezellwandproduktes hinzugefüttert wurde. Darüber hinaus war die mittlere Futteraufnahme in den ersten sieben Tagen in der Versuchsgruppe mit dem Zusatz von 0,30 % des Hefezellwandproduktes erhöht (p = 0,002) und der Futteraufwand ungünstiger (p = 0,081). Über die gesamte Mastperiode konnten keine Gruppenunterschiede bei den zootechnischen Parametern ermittelt werden. Bei der Quantifizierung der verschiedenen intestinalen Bakterienspezies konnten lediglich bei den Laktobazillen im Ileum Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen beobachtet werden (p = 0,027). Dabei ergaben sich abgesicherte konzentrationsabhängige Effekte auf die Laktobazillen in der Kropf- sowie Ileumdigesta zugunsten der Versuchsgruppen, denen das Hefezellwandprodukt zugegeben wurde. Ähnliche Effekte konnten auch bei der Milch- und Essigsäure in der Kropf- und Ileumdigesta ermittelt werden, wenngleich die Effekte sich dort nicht absichern ließen. Entgegengesetzte konzentrationsabhängige Effekte wurden bei den pH-Wert-Messungen in der Kropfdigesta ermittelt. Die Ammoniumkonzentration in der Kropf- Ileum- und Caecadigesta wurde nicht beeinflusst. Die Propionsäurekonzentration der Versuchsgruppe mit dem Zusatz von 0,30 % des Hefezellwandproduktes war verglichen zu den Versuchsgruppen, denen 0,05 % und 0,10 % des Hefezellwandproduktes zugegeben wurde, erniedrigt (p = 0,047). Es konnten keine Gruppenunterschiede oder Dosis-Wirkungsbeziehungen bei den relativen Immunorgangewichten, der IgA-Konzentration im Duodenum, der Phagozytoseaktivität der Monozyten im Blut, dem Antikörpertiter gegen das NDV sowie der Quantifizierung der Monozyten und Heterophilen im Vollblut der Tiere festgestellt werden. Die Lymphozyten-, T- und B-Zellzahlen hingegen waren in dieser Fütterungsstudie an allen drei Zeitpunkten der Blutentnahme numerisch erhöht und es ergaben sich teils abgesichert sowie tendenziell erhöhte Lymphozyten-, T- und B-Zellzahlen am 28. und 34. Lebenstag durch den Einsatz des Hefezellwandproduktes. Bei der Analyse des prozentualen Trockensubstanzgehaltes in der ursprünglichen Substanz im Ileum und der scheinbaren praecaecalen Verdaulichkeit von Fett und Stärke blieben Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen aus. Demgegenüber konnte ein Trend in der scheinbaren praecaecalen Proteinverdaulichkeit zugunsten der supplementierten Versuchsgruppen beobachtet werden. Als Schlussfolgerung zeigt sich, dass die Zugabe des Hefezellwandproduktes zu konzentrationsabhängigen Effekten der zootechnischen Leistung, der Zusammensetzung und Aktivität der intestinalen Mikrobiota, des erworbenen Immunsystems und der scheinbaren praecaecalen Rohproteinverdaulichkeit von gesunden Masthühnern geführt hat. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Hefezellwandprodukt eingesetzt werden könnte, um die Immunreaktion der Tiere zu verbessern, die Zusammensetzung und Aktivität der intestinalen Mikrobiota positiv zu beeinflussen und die zootechnische Leistung von gesunden Masthühnern in den ersten drei Lebenswochen zu verbessern. Es bleibt aber abzuklären, inwieweit das Hefezellwandprodukt bei Masthühnern unter ungünstigen hygienischen Bedingungen sinnvoll eingesetzt werden kann, um die Gesundheit und Leistung der Tiere zu verbessern.