Fachbereich Veterinärmedizin


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    Peripartale Blutserumkonzentrationen an anorganischem Phosphat bei Milchkühen und ihre Beziehungen zur Milchleistung, Fruchtbarkeit und zu Erkrankungen in der Folgelaktation (2015)

    Art
    Vortrag
    Autoren
    Hansen, Kirsten (WE 18)
    Pieper, Laura (WE 18)
    Roder, Andrea (WE 18)
    Staufenbiel, Rudolf (WE 18)
    Kongress
    40. Fortbildungsveranstaltung Labordiagnostik und Bestandsbetreuung
    Leipzig, 19. – 20.06.2015
    Quelle
    Internationale Tagung Zukunft gestalten 40 Jahre Präventivmedizin — M. Fürll (Hrsg.)
    Leipzig: Medizinische Tierklinik mit Funktionseinheit Klauentiere der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, 2015 — S. 49–50
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.vetmed.uni-leipzig.de/ik/wmedizin/labor/laborfortbildung/leipziger_laborfortbildung_15.pdf
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    +49 30 838 62261
    klauentierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Problemstellung: Peripartale Milchrinder neigen zu verminderten Ca und P-Blutwerten, wobei diese Tendenz bei pluriparen Tieren im Vergleich zu primiparen deutlich höher ist. In erschiedenen Studien konnte einen Zusammenhang zwischen Hypophosphatämie und verschiedenen peripartalen Erkrankungen wie Labmagenverlagerung, Milchfieber oder Leberverfettung gezeigt werden. Es scheint sich bei der Hypophosphatämie um einen häufigen Befund bei kranken Tieren zu handeln, jedoch ist eine Laktationsdynamik, mit Tiefpunkt der Phosphatwerte rund um die Geburt, ebenfalls zu beobachten. Ziel der vorliegenden Studie war die Überprüfung der Zusammenhänge zwischen niedrigen Blutserumkonzentrationen an anorganischem Phosphat und peripartalen Erkrankungen, Fruchtbarkeit und Milchleistung. Versuchsanordnung: In einem norddeutschen Milchviehbetrieb wurden zwischen April 2011 und März 2012 von 1794 primi- und pluriparen Tieren Blutproben an den Tagen 0, 1, 3, und 5 nach der Kalbung entnommen. Postpartale Erkrankungen (klinische und subklinische Gebärparese, Nachgeburtsverhaltung, Labmagenverlagerung, klinische und subklinische Ketose, Metritis, Mastitis und Klauenerkrankung) sowie Fruchtbarkeitskennzahlen (Rastzeit und Zwischentragezeit) und die 100d-Milchleistung wurden erfasst. Ein allgemeines lineares Modell mit Messwertwiederholung wurde zur Darstellung des Verlaufs der Phosphatkonzentrationen genutzt. Die Phosphatkonzentrationen wurden dann kategorisiert (≤1,6 mmol/l; >1,6 mmol/l) und mittels logistischer Regressionen mit den Erkrankungen in Beziehung gesetzt. Die Datenauswertung fand mit dem Statistikprogramm SPSS statt und p-Werte <0,05 wurden als signifikant angesehen.
    Ergebnisse: Die postpartalen Phosphatkonzentrationen waren zum Teil sehr niedrig und Werte unterhalb des Referenzwertes von 1,6 mmol/l wurden bei 94% der Tiere an Tag 0, bei 45% an Tag 1, bei 55% an Tag 4 und bei 44% an Tag 5 beobachtet. Der postpartale Verlauf der Phosphatkonzentration war abhängig von der Laktationszahl, wobei die geringsten Werte bei hohen Laktationszahlen gefunden wurden (Abbildung 1). Nach Berücksichtigung der Laktationszahl erkrankten hypophosphatämische Tiere (≤1,6 mmol/l) an Tag 0 seltener an 50 klinischer Ketose, klinischer Gebärparese und linksseitiger Labmagenverlagerung. Tiere mit Hypophosphatämie an Tag 1 erkrankten dagegen häufiger an klinischer und subklinischer Gebärparese und hatten häufiger Endometritiden. Tiere mit Gebärparese hatten dabei einen flacheren Anstieg der Phosphatkonzentration von Tag 0 bis Tag 1 p.p. als Tiere ohne ebärparese (Abbildung 2). Bei Betrachtung aller Tiere hatten hypophosphatämische Tiere an Tag 0,1 und 3 eine geringere Rastzeit als normophosphatämische Tiere. Die Zwischenkalbezeit war dagegen nicht unterschiedlich zwischen hypo- und normophosphatämischen Tieren. Bei der ausschließlichen Betrachtung von Tieren der 2. und höheren Laktation waren keine Unterschiede in den Reproduktionsparametern zwischen Tieren mit Hypophosphatämie und Normophosphatämie erkennbar. Die 100d-Milchleistung war höher bei Tieren, die am Tag der Kalbung und an Tag 3 p.p. eine Hypophosphatämie hatten.
    Diskussion: Eine Hypophosphatämie tritt bei fast allen Tieren am Tag der Kalbung und bei etwa der Hälfte aller Tiere an allen anderen Zeitpunkten in der ersten Laktationswoche auf.
    Nur ein geringer positiver Zusammenhang wurde zwischen Hypophosphatämie an Tag 1 und klinischer und subklinischer Hypokalzämie gefunden, wobei die Kausalität fraglich ist. Des Weiteren ist der Zusammenhang nicht einheitlich über alle Untersuchungstage feststellbar. Es lässt sich vermuten, dass die Hypophosphatämie als Folge einer Hypokalzämie, aufgrund verminderter Futteraufnahme und Vormagenmotorik, zu beobachten ist. Hypophosphatämische Tiere haben keine unterschiedlichen Fruchtbarkeitsparameter und zum Teil bessere Milchleistung und als normophosphatämische Tiere. Die klinische Relevanz dieser Feststellung muss allerdings noch untersucht werden.
    Schlussfolgerung: Die postpartale Hypophosphatämie ist eine regelmäßige Erscheinung bei Holstein Friesian Kühen und ihre klinische Relevanz ist fraglich.