Fachbereich Veterinärmedizin


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    Einfluss von Fütterung und Genetik auf die Tiergesundheit und klinische Laborparameter in einem ökologisch wirtschaftenden Milchviehbetrieb (2011)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Pieper, Laura (WE 18)
    Quelle
    Berlin: Mensch und Buch Verlag, 2011 — IX, 159 Seiten
    ISBN: 978-3-86664-919-4
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000021833
    Kontakt
    Klinik für Klauentiere

    Königsweg 65
    Gebäude 26
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62261 Fax.+49 30 838 62512
    email:klauentierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Vielfach wird eine steigende Milchleistung als Ursache für zunehmende Tiergesundheitsprobleme angesehen. Besonders die Hochleistungszucht wird kritisch betrachtet. Die Vererbbarkeit vieler Krankheiten ist gering, was fehlerhaftem Management und unausgewogener Fütterung einen höheren Stellenwert beimisst.
    Die ökologische Bewirtschaftung bedingt unter Anderem Einschränkungen hinsichtlich des Managements, der einsetzbaren Futtermittel und des Medikamenteneinsatzes. Die Vorschriften des nordamerikanischen Programms National Organic Programme (NOP) zeichnen sich besonders durch den vollständigen Verzicht des Antibiotikaeinsatzes aus. Die Restriktionen der Rationsgestaltung erschweren die leistungsgerechte Fütterung, was eine mögliche Rolle bei der Entstehung von Erkrankungen spielt.
    Zielstellung der vorliegenden Arbeit war die Untersuchung des Einflusses des genetischen Milchleistungspotentials auf die Tiergesundheit und klinische Laborparameter am Modell einer ökologisch wirtschaftenden Milchviehherde.
    Es wurden von Oktober 2007 bis Oktober 2008 in einem nach EU-Bio-, Biopark- und NOP-Normen arbeitenden Betrieb bei Kühen im peripartalen Zeitraum wöchentlich Stoffwechseluntersuchungen und Rückenfettdickenmessungen durchgeführt. Zusätzlich wurden Milchleistungs-, Fruchtbarkeits-, Krankheits- und Fütterungsdaten erhoben. Die untersuchten Tiere wurden anhand ihrer Pedigreezuchtwerte und aktueller Zuchtwerte in Kühe mit hohen, mittleren und niedrigen Zuchtwerten eingeteilt. Die erfassten Parameter wurden zwischen den Zuchtwertgruppen verglichen.
    Die Milchleistung der Herde liegt im Untersuchungszeitraum bei durchschnittlich 7576 kg, mit einem Fett- und Eiweißgehalt von 3,94 bzw. 3,15%. Die Fruchtbarkeitskennzahlen sind auf dem Niveau konventioneller Betriebe. Die Hauptkrankheitsschwerpunkte bestehen in dieser Herde im Bereich der Klauen- und Eutergesundheit. Stoffwechselkrankheiten spielen eine untergeordnete Rolle. Die Rationsanalysen, die Harnstoffkonzentrationen in Blut und Milch und der niedrige Milcheiweißgehalt deuten auf eine Rohproteinunterversorgung der Tiere hin. Die Laborparameter lassen keine erhöhte Krankheitsanfälligkeit der ökologisch geführten Herde vermuten.
    Tiere mit hohen Zuchtwerten für Milchleistung zeigen eine um durchschnittlich 1991 kg höhere 305d-Leistung als Tiere mit niedrigen Zuchtwerten. Gleichzeitig verlängert sich bei diesen Tieren die Zwischentragezeit ohne Erhöhung des Besamungsaufwandes. Es lassen sich keine negativen Effekte eines hohen Zuchtwerts auf die Gesundheit oder die Adaptationsfähigkeit des Stoffwechsels feststellen.
    Tiere mit hohen Zuchtwerten für Milchleistung zeigen im Vergleich zu solchen mit niedrigen Zuchtwerten eine ökonomisch relevant höhere Milchleistung. Gleichzeitig verschiebt sich der Konzeptionszeitpunkt, ohne dass dies eine Verschlechterung der Fruchtbarkeitsleistung darstellt. Ein hohes genetisches Milchleistungspotential bedeutet demnach nicht zwangsläufig eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit.