Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Das neonatale Immunsystem des Schweins (2015)

    Art
    Vortrag
    Autor
    Tedin, Lydia (WE 4)
    Kongress
    AfT Frühjahrssymposium "Moderne Impfstrategien und Immunmodulation in der Nutztiermedizin
    Montabaur, 19. – 20.02.2015
    Quelle
    AfT Frühjahrssymposium "Moderne Impfstrategien und Immunmodulation in der Nutztiermedizin : 19./20.02.2015 — AfT (Hrsg.)
    Montabaur, 2015 — S. 5–6
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.aft-online.net/fileadmin/aft/downloads/abstracts/Fruehjahrssymposium-2015-abstracts.pdf
    Kontakt
    Institut für Tierernährung

    Königin-Luise-Str. 49
    Gebäude 8
    14195 Berlin
    +49 30 838 52256
    tierernaehrung@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die spezifischen immunologischen Fähigkeiten des Ferkels, schädliche von unschädlichen Antigenen (Nahrungsantigenen und kommensale Bakterien) zu unterscheiden, sind zum Zeitpunkt der Geburt nicht ausgereift. Um die ersten Wochen außerhalb des Mutterleibs zu überleben, stehen dem Ferkel grundsätzlich zwei „immunologische Strategien“ zur Verfügung:
    1) Nutzung der spezifischen Immunabwehr der Mutter über die Aufnahme maternaler Antikörper und Immunzellen
    2) Nutzung der angeborenen Immunität. Die angeborene Immunität im engeren Sinne ist unspezifisch.
    Beide Strategien sind eng mit der intestinalen Immunabwehr verbunden. Denn der Darm stellt die größte Kontaktfläche des Ferkels mit der Außenwelt dar und wird binnen kürzester Zeit postpartum stärker als jedes andere Organ des Körpers bakteriell besiedelt. Über die Darmschleimhaut dringen die meisten Pathogene in den Körper ein. Krankheitsbedingte Tierverluste in der Säugeperiode gehen in erster Linie auf intestinale Infektionen zurück. Infolgedessen wird vom Immunsystem des Darms die größte Anpassungsleistung an die abrupt veränderten Umweltbedingungen verlangt. Auch die maternalen Antikörper, Immunzellen und immunologisch wirksame Substanzen in der Milch werden über den Darm aufgenommen oder sind im Darm aktiv. In dieser Hinsicht ist das neonatale Immunsystem des Schweins weitgehend ein intestinales Thema.
    Die Entwicklung des Darmimmunsystems ist wiederum eng mit der systemischen Abwehr verknüpft. Eine Schlüsselbeobachtung in diesem Bereich wurde von Michael Wannemühler schon 1982 gemacht. Im Vergleich zu Tieren, die eine komplexe intestinale Mikrobiota aufweisen, sind keimfrei aufgezogene Tiere schlechter in der Lage, orale Toleranzen gegenüber Nahrungsmittelantigenen zu entwickeln und aufrecht zu erhalten. Der
    Darmbesiedelung und der damit einhergehenden Entwicklung des mukosalen Immunsystems wird deswegen heute eine steuernde Funktion zugeschrieben, die weitreichenden Einfluss auf die systemische Immunität hat. Sie durch den Einsatz von Probiotika zu beeinflussen, war Bestrebung zahlreicher Tierversuche.
    Die früheste Möglichkeit, per Vakzinierung Einfluss auf das Immunsystem des Ferkels zu nehmen, besteht in der Immunisierung der Muttersau und die nachgeburtliche Übertragung von maternalen Antikörpern und Immunzellen auf das Ferkel. Bei der aktiven Immunisierung von Neugeborenen wurde in der Vergangenheit davon ausgegangen, dass ein hoher Titer von maternalen Antikörpern dem Impferfolg abträglich sei. Neuere Untersuchungen widersprechen dieser Hypothese. Vermutlich ist in erster Linie der Entwicklungszustand des Ferkels für den Impferfolg entscheidend. Es ist jedoch auch nicht auszuschließen, dass andere Stoffe, die mit der Muttermilch übertragen werden, Einfluss auf die Darmbesiedelung und/oder die Entwicklung des Ferkel-Immunsystems haben.