Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Das Töten von Tieren aus philosophisch-ethischer Sicht (1999)

    Art
    Vortrag
    Autoren
    Luy, Jörg (WE 11)
    Hildebrandt, Goetz (WE 8)
    von Mickwitz, Gerhard
    Kongress
    40. Arbeitstagung des Arbeitsgebietes Lebensmittelhygiene der DVG
    Garmisch-Partenkirchen, 29.09. – 01.10.1999
    Quelle
    40. Arbeitstagung des Arbeitsgebietes Lebensmittelhygiene der DVG
    — S. 17–27
    Kontakt
    Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene

    Königsweg 69
    14163 Berlin
    +49 30 838 62550
    lebensmittelhygiene@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Angesichts der Vielzahl jährlich getöteter Nutztiere muß sich auch ein jeder Tierarzt der Frage stellen, inwieweit ein Lebewesen zum Zweck der Schlachtung getötet werden darf. Dabei geht es nicht um die Gedankenlosigkeit und unreflektierte Selbstverständlichkeit, mit der Lebewesen für menschliche Bedürfnisse instrumentalisiert werden, sondern um die grundsätzliche Frage des Rechtes auf Leben.
    Neben einer naturwissenschaftlich-medizinischen Betrachtungsweise sollte der Homo sapiens aber auch eine moralphilosophische Lösung anstreben oder zumindest eine ethische Diskussion führen . Die geisteswissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Törungsfrage begann schon vor über 2.000 Jahren. Argumentationen finden sich bei Epikur, Descartes, Spinoza, Kant, Schopenhauer, von Hartmann, Schweitzer, Singer und verschiedenen zeitgenössischen Autoren. Sofern die Frage der Tierquälerei (pathozentrisches Argument) a priori von der Tötungsfrage abgekoppelt wird, lauten die wesentlichen, z. T. konträr gewichteten Argumente:
    • weil das Tier keine moralischen Verpflichtungen eingeht, gibt es ihm gegenüber ebenfalls keine solche Verpflichtungen (Kontraktualismus)
    • die praktische Tötung vieler Tiere ist durch die notwendige Bestandsregulierung moralisch gerechtfertigt
    • Der schmerzlose Tod ist kein Schaden, weil kein leidender Geschädigter übrig bleibt
    • Das nutzlose Töten von Tieren übt einen verderblichen Einfluß auf den Menschen aus, die Tötung mit dem Ziel der Nurzung ist jedoch tolerabel
    • die goldene Regel ("was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu") gilt auch für Tiere (Gleichheitsgrundsatz)
    • Eine Verkleinerung der Zahl glücklicher Lebewesen ist per se unmoralisch (Wertobjektivismus)
    Die Beschäftigung mit der Frage, wie moralische Urteile entstehen, führt zu der Hypothese, daß Handlungen, die ohne Schmerzen und Leiden zum Auslöschen des Lebens führen, gar keinen moralischen Status besitzen können, sie sind weder moralisch wünschenswert noch unmoralisch. Die schmerzlose Tötung von Tieren kann möglicher Weise mit den Ansätzen der philosophischen Ethik nicht abschließend bewertet werden. Es läßt sich allerdings festhalten, daß keine moralphilosophische Argumentation, die auf die Verurteilung der angst- und schmerzlosen Tiertötung abzielt, plausibel und logisch konsistent zu sein scheint.