Fachbereich Veterinärmedizin


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    Zum Vorkommen von Campylobacter jejuni und Campylobacter coli in Rohmilch von Erzeugerbetrieben in Nordbayern mit Versuchen zur Überlebensfähigkeit von Campylobacter jejuni in Milch (1999)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Stiller, Christiane (WE 8)
    Quelle
    Berlin, Freie Universität, 1999 — 136 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000000095
    Kontakt
    Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene

    Königsweg 69
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62550 Fax.+49 30 838 46029
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    Abstract / Zusammenfassung

    Campylobacter jejuni und Campylobacter coli sind häufig isolierte Erreger bei durchfallskranken, aber auch bei klinisch gesunden Menschen und Tieren. In einigen Ländern übertrifft bereits die Zahl der Campylobacter-Isolierungen die der Salmonellen und Shigellen als Erreger der Enteritis infectiosa. Alimentäre Infektionsquellen sind im wesentlichen Fleisch, Geflügelfleisch, Wasser und Milch.

    In der vorliegenden Arbeit wird das Vorkommen von Campylobacter in Rohmilch und die Bedeutung der Rohmilch für die Übertragung einer Campylobacter-Infektion auf den Konsumenten untersucht.

    In einem ersten Schritt wurden 508 Rohmilchplan- und Mastitisproben auf das Vorkommen von Campylobacter spp. untersucht. Sämtliche Untersuchungen verliefen negativ, es konnte in keiner der Proben Campylobacter nachgewiesen werden. Dies Ergebnis deckt sich weitgehend mit den in der Literatur bereits beschriebenen Erhebungen. Weltweit liegt die Isolierungsrate von Campylobacter jejuni/coli aus Rohmilch unter 2%.

    Zur Verifizierung dieser ersten Untersuchungsergebnisse wurde in weiteren Ver-suchen die Überlebensfähigkeit von Campylobacter jejuni nach Inokulation in unterschiedlich behandelte Kuhmilchen (unbehandelte Rohmilch, pasteurisierte Milch und sterilisierte UHT-Milch) und anschließender Bebrütung im mikroaerophilen Milieu untersucht. Die 129 verwendeten unbehandelten Rohmilchen waren sämtlich campylobacterfrei. In UHT- und pasteurisierter Milch konnte Campylobacter jejuni, abhängig von der Bebrütungstemperatur und -dauer, unterschiedlich lange überleben bzw. sich sogar vermehren. Im Gegensatz dazu war in Rohmilch meist schon nach vier Stunden ein Nachweis von Campylobacter jejuni nicht mehr möglich. Die verwendeten Campylobacter-SelektivNährböden blieben entweder unbewachsen oder sie waren von Begleitflora überwuchert.

    Die Untersuchungsergebnisse belegen die hohe Empfindlichkeit von Campylobacter jejuni gegen die konkurrierende Begleitflora in der Milch. Die relativ häufig berichteten Fälle von durch Rohmilch übertragenen Campylobacter-jejuni-Infektionen lassen es fraglich erscheinen, ob daneben der in frisch ermolkener Rohmilch vorhandenen antimikrobiellen Aktivität des Lactoperoxidase-Systems eine nennenswerte Wirkung zukommt. Die Wärmebehandlung der Konsummilch stellt sicher, daß Campylobacter jejuni/coli abgetötet wird.

    Die Ergebnisse aus dem ersten experimentellen Teil dieser Arbeit deuten darauf hin, daß in Nordbayern Campylobacter jejuni/coli in Rohmilch ein vergleichsweise kleines Risiko darstellt. Nach Verlauf von 24 Stunden zwischen Probennahme und Untersuchung ist allerdings ein sicherer Nachweis des Erregers in Milch nicht mehr gewährleistet. Die orientierenden Untersuchungen im zweiten und dritten experimentellen Teil der Arbeit liefern eine Erklärung für die Ergebnisse des ersten Teils und bestätigen die Zuverlässigkeit der angewendeten kulturellen Nachweistechnik.