Fachbereich Veterinärmedizin


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    Isolation und Identifikation glykopeptidresistenter Enterokokkenspezies aus Mastgeflügel (1999)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Richter, Petra (WE 8)
    Quelle
    Berlin, Freie Universität, 1999 — 93 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000000151
    Kontakt
    Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene

    Königsweg 69
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62550 Fax.+49 30 838 46029
    email:lebensmittelhygiene@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    In den letzten Jahren gewinnen einige Stämme der Gattung Enterococcus als fakultativ patho-gene Erreger in der Humanmedizin an Bedeutung. Während noch vor 10 Jahren Enterokokken nicht zu den nosokomialen Sepsiserregern zählten, werden sie heute bereits für ca. ein Fünftel der septischen Allgemeininfektionen verantwortlich gemacht. Dieser Anstieg begründet sich vor allem auf ihrer besonderen Fähigkeit, Resistenzen gegenüber antimikrobiell wirksame Substanzen auszubilden. Entsprechende Untersuchungen ergaben natürliche Resistenzen gegen Cephalosporine, Aminoglykoside, Polymyxine und Makrolidantibiotika sowie erworbene Empfindlichkeiten gegenüber Tetracyclinen, Chloramphenicol sowie Glykopeptiden und Chinolonen, wobei letztere nur mäßig ausgeprägt ist. Mit diesem Phänomen verbindet sich das aktuelle Versagen von Reserveantibiotika wie Vancomycin und Teicoplanin in der Intensiv-medizin.
    Die hohe Glykopeptidunempfindlichkeit wird durch die Präsenz des high-level Resistenzgens VanA gekennzeichnet. Diese high-level Resistenz wird mittels Transposonen übertragen. Sie äußert sich in einer durch Vancomycin und Teicoplanin induzierbaren Unempfindlichkeit mit einer MHK von >256 µg/ml.
    Ziel der Studie war es, Vorkommen und Empfindlichkeit Vancomycin-resistenter Entero-kokken (VRE) zu erfassen sowie Zusammenhänge zwischen Glykopeptidresistenzen und dem Einsatz von Avoparcin in der Tierproduktion aufzuzeigen. Das Glykopeptid Avoparcin wurde in der Tiermast als Leistungsförderer eingesetzt und weist eine dem Teicoplanin und Vancomycin ähnliche Struktur auf. Allerdings ist seit Januar 1996 diese Applikation gesetzlich unterbunden worden, da man die Entwicklung von Kreuzresistenzen und Resistenzpools fürchtete.
    Die untersuchten Proben stammten aus Geflügelmastbetrieben. Zur Klärung möglicher Zu-sammenhänge zwischen Avoparcinverfütterung und Resistenzverhalten wurden Betriebe zweier unterschiedlicher Haltungsformen ausgewählt: Einerseits konventionell, also potentiell mit dem Einsatz von Avoparcin (bis zu dessen Verbot) als Futtermittelzusatz arbeitende Großbetriebe und andererseits ökologisch, also unter dem Verzicht von Fütterungsarznei-mitteln produzierende Kleinbetriebe.
    Um ein möglichst breites Spektrum der Infektionskreise zu erfassen, wurden die Proben aus den Bereichen Stall, Schlachthof und Lebensmittelendprodukt gezogen.
    Es wurden insgesamt 223 Proben entnommen und 281 VRE-Stämme isoliert. Zunächst wurde von allen VRE-Stämmen nach kulturmorphologischen, biochemischen und serologischen Kriterien die Artzugehörigkeit bestimmt. Anschließend wurde die Glykopeptidempfindlichkeit im Mikrodilutionsverfahren geprüft. Bei 48, auf grund von Herkunft, Haltungsform und Resistenzverhalten ausgewählten Isolaten, wurde mittels PCR das VanA-Gen nachgewiesen. Von diesen Isolaten wurde eine horizontale Polyacrylamidgelelektrophorese durchgeführt, und die Gele durch eine Clusteranalyse mit dem Programm Gelcompar 3.1 ausgewertet.
    60,1% der Gesamtproben erwiesen sich bei Anzüchtung auf einem mit 50 mg Vancomycin/l supplementierten CATC-Agar als VRE positiv. Bei den Proben kleinbäuerlicher Haltung fielen 30,5% VRE-positiv aus, hingegen 87,8% der Proben konventioneller Großbetriebe. Bei den VRE-Isolaten handelte es sich ausschließlich um E. faecium-Stämme mit einem high-level Resistenzverhalten. Das VanA-Gen wurde bei allen ausgewählten Isolaten nachgewiesen. Die Clusteranalyse zeigte eine Übereinstimmung der Proteinmuster von mehr als 90% und weist damit einen hohen verwandtschaftlichen Grad nach.