Fachbereich Veterinärmedizin


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    Quantitativer Listeriennachweis:
    Vergleich von direktem Koloniezählverfahren und MPN-Methode unter Modell- und Feldbedingungen (1999)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Schott, Waltraud S. (WE 8)
    Quelle
    Berlin, Freie Universität, 1999 — 147 Seiten
    Kontakt
    Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene

    Königsweg 69
    14163 Berlin
    +49 30 838 62550
    lebensmittelhygiene@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Um das Koloniezählverfahren zum quantitativen Listeriennachweis gemäß Amtlicher Sammlung von Untersuchungsverfahren nach §35 LMBG (L. 00.00 - 22) mit einer auf gleichartigen Nährmedien basierenden MPN-Methode (MP.N = Most Probable Number) zu vergleichen, wurden die zwei Nachweistechniken in drei Modellversuchen und einer Statuserhebung einander gegenübergestellt. Bei den vier Durchgängen kamen eine L. monocytogenes-Reinkultur in Nährbouillon, künstlich kontaminiertes Subslrat (Schabefleisch und Schweinehackfleisch), eine artifiziell mit kältegeschädigten L. monocytogenes Keimen beimpfte Schabefleischmatrix sowie 77 Rinderbackfleischproben aus dem Berliner Einzelhandel zum Einsatz.
    Die Ergebnisse der Untersuchungen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Hinsichtlich der Produktivität beider Nachweisverfahren erwies sich das direkte Koloniezählverfahren der MPN-LEB-Methode (LEB - Listeria Enrichment Broth) in den Modellversuchen 1 und 3 sowie im Feldversuch als leicht überlegen. Das Koloniezählverfahren erbrachte im Vergleich zur MPN-LEB-Technik zu 72,5% (Modellversuch 1) und zu 57,5% (Modellversuch 3) eine höhere L. monocytogenes-Ausbeute. Im Feldversuch konnte das Koloniezählverfahren bei 59% der Proben, welche sich mit beiden Nachweismethoden als L. monocytogenes-positiv erwiesen, die höhere Keimdichte ermitteln. Allerdings lagen bei den Modellversuchen die arithmetischen Mittelwerte der logarithmierten Ergebnisse der zwei Methoden stets nahe beieinander, und im Feldversuch erreichte die Differenz der L. monocytogenes-Keimmengen der durch beide Nachweisverfahren als positiv ausgewiesenen Proben nur selten eine ganze Zehnerpotenz. Dagegen konnte in Modellversuch 2 die MPN-LEB-Tecbnik in 57,5% der Untersuchungen die größere Keimmenge anzeigen. Die unter Verwendung der FRASER-Bouillon durchgeführte MPN-Methode erbrachte im Modellversuch 3 zwar eine geringfügig höhere Produktivität als das Koloniezählverfahren, erforderte aber den größten Arbeitsaufwand. Darüber hinaus lieferten die Röhrchen der FRASER-Bouillon, die keine Schwarzfärbung aufwiesen, in 2% der Fälle falsch negative Ergebnisse.
    Die Ergebnisse der MPN-Tecbnik wiesen metbodenbedingt stärker streuende Werte auf; im Vergleich zum Koloniezählverfahreo nahm die Standardabweichung der MPN-Tecbnik etwa doppelt so hohe Werte an. Die MPN-Technik mit FRASER-Bouillon führte sogar zu noch größeren Varianzen.
    Die um ca. 2/3 niedrigere Nachweisgrenze des MPN-Verfabrens erlaubte es, bei natürlich kontaminierten Hackfleischproben eine deutlich höhere Anzahl an listerienpositiven Proben aufzudecken. Bei der Statuserhebung an Rinderhackfleischproben aus dem Berliner Einzelhandel erbrachte die MPN-Technik 43% mehr Listeria spp.-positive Proben und 21 % mehr L. monocytogenes-positive Proben als das Koloniezählverfabren, wenn man die Anzahl der mit dem Koloniezählverfahren als positiv nachgewiesenen Proben gleich 100% setzt.
    Methodologisch läßt sich aus diesen Ergebnissen schlußfolgern, daß aufgrund der geringfügig höheren Produktivität und der geringeren Streuung der Ergebnisse das standardisierte Koloniezählverfahren der MPN-Metbode in der Routinediagnostik vorzuziehen ist, für epidemiologische Studien jedoch die MPN-Technik aufgrund der niedrigen Nachweisgrenze ihre Bedeutung besitzt.
    Die Statuserhebung an Rinderhackfleisch erbrachte bei Einsatz des Koloniezählverfahrens 39% Listeria spp.- und 31% L. monocytogenes-positive Proben. Mit der MPN-Technik erwiesen sich 56% als Listeria spp.- und 38% als L. monocytogenes-positiv. Die Keimmengen lagen beim Koloniezählverfahren zwischen 10 und 580 KbE/g (L. spp.-positive Proben) bzw. zwischen 10 und 270 KbE/g (L. monocytogenes-positive Proben). Die MPN Methode ermittelte bei den L. spp.-positiven Proben Keimzahlen zwischen 3,6 und 930 MPN/g und bei den L. monocytogenes-positiven Proben Keimmengen zwischen 3,6 und 150 MPN/g.
    Die mit Hilfe des Koloniezählverfahrens isolierten L. monocytogenes-Stämme wurden zu 46% dem Serovar 1/2a zugeordnet und zu 33% dem Serovar l/2c. 13% wurden als Serotyp l/2b identifiziert, während Serovar 3b und 4c jeweils zu 4% auftraten. Ein ähnliches Serovarietätenmuster zeigten die aus positiven MPN-Röhrchen angezüchteten L. monocytogenes-Stämme. Die häufigste Serovarietät war auch hier Typ 1/2a mit 43%, gefolgt wie beim Koloniezählverfahren vom Serovar l/2c (32%) und Serovar l/2b (14%). Die Serotypen 3c, 4b und 4c konnten zu jeweils 4% isoliert werden.
    Da die am häufigsten Human-Listeriosen verursachenden L. monocytogenes-Serovarietäten 4b, l/2a und l/2b auch in rohem Hackfleisch gefunden werden konnten, ist eine Gefährdung für Angehörige der Risikogruppen bei Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Hackfleisch nicht auszuschließen. Allerdings lag die L. monocytogenes-Keimzahl bei den eigenen Untersuchungen in Rinderhackfieisch, welches ohnehin üblicherweise nicht dem Rohverzehr dient, so niedrig, daß ein Erkrankungsrisiko auch für empfindliche Personen kaum besteht.
    Bezogen auf den Beurteilungs- und Maßnahmenkatalog des BGA ergab sich für die L. monocytogenes-Belastungsrate der untersuchten Rinderhackfleischproben in 21 von 24 Fällen (Koloniezählverfahren) bzw. in 26 von 29 Fällen (MPN-Technik) die Einordnung in den Keimzahlbereich unter 100 KbE/g. Da es sich bei rohem Rinderhackßeisch um ein häufig mit geringen L. monocytogenes-Keimzahlen kontaminiertes Lebensmittel mit kurzer Haltbarkeitsfrist handelt, kann in diesen Fällen von Aktionen des Maßnabmenkataloges abgesehen werden. In den restlichen Fällen, bei denen L. monocytogenes-Keimmengen zwischen 102 und 103 KbE/g gefunden wurden, sind die Maßnahmen 1 und 2 des Kataloges durchzuführen (Nachuntersuchung von 5 weiteren Proben der gleichen Charge und Rückverfolgung im Betrieb).