Fachbereich Veterinärmedizin


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    Campylobacter haben die Salmonellen überholt:
    Wer sich um Bakterien in Geflügel sorgt, denkt meist an Salmonellen. Doch Campylobacter-Infektionen sind inzwischen häufiger. (2011)

    Art
    Pressespiegel
    Autor
    Braunwarth, Anja
    Quelle
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/campylobacter-haben-die-salmonellen-ueberholt.html
    Kontakt
    Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene

    Königsweg 69
    14163 Berlin
    +49 30 838 62550
    lebensmittelhygiene@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Infektionen mit Campylobacter haben in den letzten Jahren in Europa deutlich zugenommen und Salmonellen von Platz 1 der Erreger bakterieller Gastroenteritiden verdrängt. Vor allem Babys und Kinder bis zum Alter von vier Jahren sowie Jugendliche und jüngere Erwachsene sind betroffen.
    500 Keime genügen für eine Gastroenteritis

    In Europa dominiert Campylobacter jejuni. Im Jahr 2009 wurden dem Robert Koch-Institut insgesamt 62 000 Infektionen gemeldet, schreiben Professor Dr. Thomas Alter vom Institut für Lebensmittelhygiene der Freien Universität Berlin und seine Kollegen im „Bundesgesundheitsblatt“.

    Schon 500 Keime genügen bereits, um nach etwa ein bis drei Tagen das klassische Bild mit akuten, wässrig-blutigen Durchfällen auszulösen. Dazu kommen krampfartige Bauchschmerzen, Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Bei immunkompetenten Patienten verläuft die Infektion meist selbstlimitierend und klingt nach etwa vier Tagen langsam ab. In diesen Fällen sind symptomatische Maßnahmen ausreichend.

    Bei schwerem Verlauf (ca. 20 %), Immunsuppression oder Rezidiven (5–10 %) kann der Einsatz von Makroliden oder Gyrasehemmern erwogen werden, wobei man mit Resistenzraten zwischen 10 % und 30 % rechnen muss.
    Campylobacter lauern vor allem im Geflügel

    In einigen Fällen entwickelt sich eine postinfektiöse Arthritis und bei einem von 1000 Patienten muss man mit einem Guillain-Barré-Syndrom rechnen, ausgelöst durch kreuzreagierende Antikörper. Diese periphere Neuropathie, die mit Lähmungen und Hirnnervenschäden einhergehen kann, ist meist reversibel.

    Hühner sind das wichtigste Reservoir für Campylobacter und ihre Besiedlung scheint fast unvermeidlich. Zwei bis drei Wochen nach dem Schlüpfen nehmen sie die Bakterien aus der Umwelt auf. Nur mit optimaler Hygiene gelingt es, die Kontamination zu verhindern oder zu verzögern. Mit zunehmendem Alter der Hühner steigt daher die Gefahr. Wie Prof. Alter erklärt, fanden sich in einer eigenen Untersuchung nach einer Mastdauer von 30–35 Tagen 40 % von 52 Hühnerherden frei von Campylobacter, nach 112 bis 147 Tagen betrug dieser Anteil nur noch 10 %.
    Fleisch immer gut durchbraten, um die Keime zu töten

    Neben dem Verzehr von unzureichend erhitztem oder rekontaminiertem Geflügelfleisch gilt der Konsum von rohem Rinder- und Schweinefleisch, nicht pasteurisierter Milch, keimbelastetem Trinkwasser sowie der Kontakt zu Wiederkäuern oder Haustieren als potenzielle Campylobacter-Quelle. Allerdings scheint das Risiko hier deutlich geringer. So reduziert beispielsweise der Schlachtprozess bei Schweinen die mögliche Erregerzahl erheblich.

    In Deutschland zeigt sich eine saisonale Häufung an Campylobakteriosen in den Sommermonaten. Laut Prof. Alter könnte dies auf eine erhöhte Besiedlung von Masthähnchen und anderen Nutztieren, verändertes Freizeitverhalten (grillen!) und klimatisch variierende Übertragungswege (Fliegen) zurückzuführen sein.

    Thomas Alter et al., Bundesgesundheitsblatt 2011; 54: 728–734