Fachbereich Veterinärmedizin


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    Publikationsdatenbank

    Retrospektive Studie zur primären immunhämolytischen Anämie beim Hund (2013)

    Art
    Vortrag
    Autoren
    Thielemann, D (WE 20)
    Weingart, C. (WE 20)
    Schuberth, J.
    Kohn, B. (WE 20)
    Kongress
    21. Jahrestagung der FG Innere Medizin und klinische Labordiagnostik der DVG (InnLab)
    München, 01. – 02.02.2013
    Quelle
    Tierärztliche Praxis / Ausgabe K, Kleintiere, Heimtiere; 41(1) — S. 17
    ISSN: 1434-1239
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62356 Fax: +49 30 - 838 460 157
    email: kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Einleitung: Bei der primären IHA (pIHA) werden Autoantikörper ohne erkennbaren
    Grund gegen unveränderte Erythrozyten (Ec)-Membranen gebildet
    (Ausschlussdiagnose), bei der sekundären IHA (sIHA) liegt ein anderer
    Stimulus für die Antikörperbildung vor (z. B. Infektionserkrankungen,
    Neoplasien). Die Kombination einer pIHA und einer primären immunbedingten
    Thrombozytopenie wird als Evans-Syndrom bezeichnet. Ziel der
    Studie war die retrospektive Auswertung der Krankengeschichten von
    Hunden mit pIHA/Evans-Syndrom (Zeitraum 2003-2011). Der Schwerpunkt
    lag auf der Letalitäts- und Komplikationsrate innerhalb der ersten 14
    Tage nach Vorstellung. Material und Methoden: Es wurden alle Hunde erfasst,
    bei denen im Untersuchungszeitraum ein direkter Coombs-Test (CT)
    durchgeführt wurde (n = 366). Einschlusskriterien waren: Hämatokrit
    (Hkt) < 0,35 l/l, positiver CT oder negativer CT bei Vorliegen von Ec-Agglutination
    und Sphärozytose, Ausschluss sekundärer Ursachen einer IHA.
    Ausgewertet wurden die ersten 14 Behandlungstage. Ergebnisse: Der CT
    war bei 187 Hunden positiv, bei 177 Hunden negativ und bei 2 Hunden
    nicht auswertbar (persistierende Ec-Agglutination). Bei 134 Hunden wurde
    eine pIHA vermutet (CT positiv: 113, CT negativ: 19, nicht auswertbar: 2).
    Ein Evans-Syndrom lag bei 18 von 57 getesteten Hunden vor. Die Hunde
    gehörten 47 verschiedenen Rassen an, Mischlinge (24) und Cocker-Spaniel
    (15) kamen vermehrt vor. Das Alter lag zwischen 0,4 und 14 Jahren (Me -
    dian [M] 7 J.). 73 Hunde waren weiblich, 61 männlich. Bei Vorstellung lag
    der Mikro-Hkt zwischen 0,06 und 0,30 l/l (M 0,15 l/l). 124 der 134 Hunde
    wurden über mindestens 14 Tage kontrolliert; 13 der 124 Hunde wurden
    euthanasiert, 9 verstarben. Innerhalb der ersten 14 Tage traten bei 97 Hunden
    (72%) diverse Komplikationen bzw. Nebenwirkungen der Therapie auf
    wie disseminierte intravasale Koagulation (39), Verdacht auf Thromboembolie
    (8), Vomitus (65), Diarrhö (10), Hämaturie (27), Meläna (16), Aszites
    (7), Phlebitis (7), Pankreatitis (4), Arrhythmien (2), Thoraxerguss (2), bakterielle
    Zystitis (2), Hyphäma (2), Cholangitis (1), septische Arthritis (1),
    Perikarderguss (1), Hämatom (1) und Sepsis (1). Schlussfolgerungen: Die
    pIHA war in den ersten 14 Tagen mit einer hohen Komplikations-/Nebenwirkungsrate
    (72%) (insbesondere infolge von Gerinnungsstörungen, gastrointestinalen
    Störungen) verbunden. Die Letalitätsrate (18%) lag unter
    den Werten früherer Studien. Dies könnte auf individuell angepasste Behandlungsprotokolle
    sowie den intensiven Einsatz von Blutprodukten zurückzuführen
    sein. Zudem wurden zahlreiche Hunde (47%) nicht überwiesen/
    vorbehandelt, sodass im Gegensatz zu anderen Studien eventuell auch
    mildere Fälle in die Auswertung eingingen.