Fachbereich Veterinärmedizin


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    Abdominales Kompartmentsyndrom bei Hunden mit Magendrehung, -dilatation (2012)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Wendler, Marc-Florian (WE 20)
    Quelle
    Berlin: Mensch & Buch Verlag, 2012 — 112 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-124-6
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000010898
    Kontakt
    Klinik für kleine Haustiere

    Oertzenweg 19 b
    Haus 1
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62356 Fax: +49 30 - 838 460 157
    email: kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Das abdominale Kompartmentsyndrom (AKS) ist Folge einer intraabdominalen Druckerhöhung. Es ist eine gefürchtete Komplikation bei schwerwiegenden abdominalen Erkrankungen und nach Operationen. Bleibt es unerkannt und unbehandelt, führt es zum Multiorganversagen (MOV) mit Tod.
    Der intraabdominale Druck (IAD) wird indirekt intravesikal gemessen. Die Methode ist einfach, preiswert und beliebig häufig zu wiederholen.
    Ziel dieser Arbeit war es, den intraabdominalen Druck bei Hunden mit Magendilatation - drehung (GDV) zu messen sowie die klinische Bedeutung der Folgen dieses Krankheitsbildes, wie intraabdominale Hypertonie (IAH) und abdominales Kompartmentsyndrom (AKS), darzustellen. Auf der Basis dieser Daten sollte ein IAD-Wert ermittelt werden, der eine Aussage im Hinblick auf die Überlebenschance des Patienten zulässt.
    In einer Studie an 41 Hunden, die wegen einer Magendrehung/ -dilatation (GDV) an der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere der Freien Universität Berlin behandelt wurden, wurde intravesikal der Druck gemessen, um den intraabdominalen Druck und dessen Verlauf unter Therapie zu bestimmen. In einer Vergleichsgruppe mit 25 Hunden, die wegen einer orthopädischen Problematik operiert wurden, wurde präoperativ in verschiedenen Lagerungspositionen ebenso vorgegangen. Diese Messungen ergaben, dass die Lagerung keine Unterschiede des intraabdominalen Druckes verursacht. Die GDV Patienten wurden laparotomiert und es wurde eine inkorporierende Gastropexie durchgeführt. Ihnen wurde bei stationärer Aufnahme ein Foley-Katheter gelegt und mit einer standardisierten Messapparatur über eine Verweildauer von bis zu 96 Stunden der intraabdominale Druck bestimmt.
    Praeoperativ, in Narkose und postoperativ in der Aufwachphase sowie am wachen Tier wurde
    immer von demselben Untersucher gemessen.
    Alle Hunde mit GDV in dieser Studie zeigten eine intraabdominale Hypertonie. Bei keinem Patienten bestand ein AKS. Nur bei einem Patienten betrug anfangs der intravesikale Druck 49,00 cm H2O (= 36,26 mmHg) (Normalbereich 0-5 mmHg), so dass der Verdacht auf ein sich entwickelndes AKS bestand (IAD > 20 mmHg). Dieser Hund verstarb intraoperativ.
    Mehr als 95% der Hunde erreichten nach 36 Stunden einen nahezu physiologischen IAD (0-5 mmHg). Im Verlauf der Messungen sank der intraabdominale Druck bei den GDV Patienten maximal bis auf 4 cm H2O (= 2,96 mmHg) ab.
    31,7% der Patienten mit GDV starben. Aus den Druckmessungen konnte nicht eindeutig abgeleitet werden, dass Hunde mit einem hohen intraabdominalen Druck und solche mit einem gering erhöhten intraabdominalem Druck (Definition nach SCHNEIDER et al. 2000) besonders gefährdet sind. Tendenziell scheint die Mortalitätsrate bei schon erhöhtem IAD (Median 35 cm H2O = 25,90 mmHg) auch erhöht zu sein.
    Die eigenen Untersuchungen lassen keine prognostische Aussage zu, die Überlebenschancen bei Patienten zu bestimmen. Die eigenen Ergebnisse lassen sich vor allem damit erklären, dass schon bei Aufnahme der 41 Patienten mit GDV die sofortige perkutane Dekompression bei 10 Patienten noch vor der ersten indirekten intravesikalen Druckmessung erfolgte. Sicher ist, dass damit im Zusammenhang der Studie wertvolle Informationen zur lebensbedrohlichen IAH fehlen. Diese fehlenden Daten könnten zudem wichtige Informationen zum Krankheitsverlauf der 13 verstorbenen Hunde beinhalten.