Fachbereich Veterinärmedizin


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    Labordiagnostische Nachweise von Erregern der Enzootischen Bronchopneumonie im Landeslabor Schleswig-Holstein in den Jahren 2002 und 2003 (2012)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Soltau, G. (WE 18)
    Quelle
    Berlin: Mensch & Buch Verlag, 2012 — 257 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-182-6
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000011864
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    Klinik für Klauentiere

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    Abstract / Zusammenfassung

    Für die vorliegende Datenauswertung wurden 3678 Nasentupfer aus 2022 Betrieben, die in den Jahren 2002 und 2003 im Landeslabor Schleswig-Holstein virologisch und z.T. bakteriologisch auf Erreger respiratorischer Erkrankungen des Rindes untersucht wurden, sowie 2363 Blutproben aus 1258 Einsendungen, die im selben Zeitraum virologisch auf das Vorhandensein von BVDV untersucht wurden, herangezogen. Der Auswertung lagen nicht nur die labordiagnostischen Untersuchungsergebnisse des Landeslabors, sondern auch die vielen Probenbegleitscheinen zu entnehmenden vorberichtlichen Angaben der Einsender zugrunde.
    In Betracht gezogen wurden virologische Untersuchungen auf das BRSV, das BHV-1 und das PI3V sowie bakteriologische Untersuchungen auf M. haemolytica, P. multocida und A. pyogenes, da diese Erreger beim Rind für die Entstehung von Atemwegserkrankungen von Bedeutung sind. Die Häufigkeit der Erregernachweise wurde auf deren Abhängigkeit von den Faktoren Jahreszeit, Alter der beprobten Tiere, Produktionsrichtung des Bestandes, Geschlecht der beprobten Tiere, Zukaufaktivitäten des Bestandes, Impfmaßnahmen und Vorbehandlungen untersucht. Daneben wurden vorberichtliche Informationen über die Anzahl der erkrankten bzw. verendeten Tiere im Bestand, die Symptomatik des untersuchten Erkrankungsgeschehens sowie die klinisch gestellten Verdachtsdiagnosen der einsendenden Tierärzte ausgewertet.
    Die Einsendungen der Nasentupfer erfolgten größtenteils im Spätherbst und imWinter (66,5% in den Monaten Oktober bis März) wohingegen sich hinsichtlich der auf BVDV zu untersuchenden Blutprobeneinsendungen keine jahreszeitlichen Unterschiede feststellen ließen. In Bezug auf das Lebensalter der beprobten Tiere zeigte sich, dass Nasentupfer und Blutproben von Tieren mit einem Lebensalter von bis zu 4 Monatengehäuft eingesendet wurden.
    Die Nachweisrate des BRSV war mit 13,46% am untersuchten Nasentupferaufkommen der Jahre 2002 und 2003 unter den viralen Erregern am höchsten, gefolgt von der für das BHV-1 mit 4,02% und das PI3V mit 1,03%. Unter den bakteriellen Erregern war M. haemolytica mit 28,87% der am häufigsten nachgewiesene Keim, für P. multocida und A. pyogenes wurden Nachweisraten von 16,63 und 2,52% am untersuchten Probenaufkommen festgestellt. Die Blutprobenuntersuchungen auf das Vorhandensein des BVDV-Antigens verliefen in 6,14% der Fälle mit positivem Ergebnis. Hinsichtlich des jahreszeitlichen Auftretens konnte eine Häufung der Nachweise des BRSV, des BHV-1 sowie von M. haemolytica und P. multocida in den Wintermonaten Oktober bis März beobachtet werden. Im Gegensatz dazu verteilten sich die Nachweise des PI3V, von A. pyogenes sowie des BVDV (Blutproben) gleichmäßig über das Jahr.
    Unterschiede in Bezug auf das Lebensalter der betroffenen Tiere ließen sich für die Nachweise der viralen Erreger BRSV, BHV-1 und BVDV sowie die Nachweise der bakteriellen Erreger M. haemolytica und P. multocida darstellen. Während das BRSV sowie M. haemolytica und P. multocida gehäuft bei Tieren mit einem Lebensalter zwischen 2 Wochen und einem Jahr auftraten, zeigten sich die Nachweise des BHV-1 und des BVDV gehäuft bei Tieren, die zum Zeitpunkt der Probennahme älter als 4 Monate waren.
    In Bezug auf die Produktionsrichtung der Bestände, in denen die beprobten Tiere gehalten wurden, stellte sich heraus, dass Nachweise des BRSV gehäuft bei Tieren aus Mischbetrieben festgestellt werden konnten. Auch P. multocida wurde vermehrt bei Tieren aus Mischbetrieben nachgewiesen, während alle anderen Erregernachweise keine signifikanten Häufigkeitsunterschiede in Abhängigkeit von der Produktionsrichtung des Herkunftsbetriebes der beprobten Tiere aufwiesen. Zukaufaktivitäten hatten einen Einfluss auf die Nachweise des BRSV, die gehäuft in Betrieben ohne Zukauf beobachtet werden konnten, und des BHV-1, das vermehrt in Betrieben mit Zukauf nachgewiesen wurde.
    Der Nachweis des BRSV und des BVDV sowie von M. haemolytica und P. multocida erfolgte im Untersuchungszeitraum signifikant häufiger bei männlichen Tieren. Bei der Betrachtung der geschlechtsspezifischen Nachweisraten der einzelnen Erreger in Abhängigkeit von der Produktionsrichtung des Herkunftsbetriebes konnte in den Mastbetrieben eine erhöhte Nachweisrate sowohl des BRSV als auch des BHV-1 bei weiblichen Tieren festgestellt werden.
    Impfungen wurden bei Tieren, deren Daten im Rahmen der vorliegenden Arbeit bearbeitet wurden, in wesentlichem Umfang gegen das BRSV, das BHV-1, das PI3V, das BVDV und M. haemolytica durchgeführt. Signifikant reduziert zeigten sich nur die Nachweisraten des BRSV und des BVDV bei entsprechend geimpften Tieren.
    Unter den vorberichtlich genannten Vorbehandlungen war nur der Einsatz antibiotischer und antiphlogistischer Wirkstoffe von Bedeutung. Signifikant reduziert stellten sich die Nachweisraten von M. haemolytica bei antibiotisch sowie kombiniert antibiotisch- antiphlogistisch vorbehandelten Tieren dar. Daneben konnte beobachtet werden, dass antibiotische Behandlungen vermehrt in Mastbetrieben und in Betrieben mit Zukaufaktivitäten durchgeführt wurden.
    Die durchschnittliche Anzahl der erkrankten Tiere war in Betrieben erhöht, bei deren Tieren das BRSV sowie P. multocida aus Nasentupferproben nachgewiesen wurden. Eine signifikant erhöhte Anzahl durchschnittlich verendeter Tiere konnte in Abhängigkeit von M. haemolytica-Nachweisen registriert werden, wohingegen sich herausstellte, dass signifikant weniger Tiere durchschnittlich in Betrieben mit BHV-1-Nachweis verendeten.
    Um die Auswertung der den Vorberichten zu entnehmenden Beschreibungen der Symptome zu erleichtern, wurden diese den Gruppen Allgemeinsymptome, respiratorische Symptome, enterale Symptome, gynäkologische Symptome und Fieber zugeordnet. Quantitativ bedeutend waren nur die Gruppen Allgemeinsymptome, respiratorische Symptome und Fieber, so dass sich die Auswertung auf diese Gruppen beschränkte. Während sich hinsichtlich des Auftretens respiratorischer Symptome in Abhängigkeit von bestimmten Erregernachweisen nur marginale Unterschiede darstellen ließen, wurden Allgemeinsymptome deutlich weniger in Verbindung mit Fällen, in denen virale Erreger nachweisbar waren, vorberichtlich genannt. Im Gegensatz dazu konnte das Symptom Fieber häufiger bei Tieren beobachtet werden, deren Untersuchung ein bakteriologisches Ergebnis lieferte.
    Wenigen Vorberichten waren Verdachtsdiagnosen der einsendenden Tierärzte in Bezug auf die Ätiologie des vorliegenden Erkrankungsfalles zu entnehmen. Dabei wurde in nennenswertem Umfang der Verdacht auf BRSV-, BHV-1-, M. haemolytica- sowie BVDV-Infektionen ausgesprochen. Eine verhältnismäßig gute Übereinstimmung zwischen Verdacht und Untersuchungsergebnis zeigte sich für die viralen Erreger BRSV und BHV-1.
    Die Bereitschaft der einsendenden Tierärzte, den eingeschickten Proben vollständige vorberichtlichen Angaben beizufügen, stellte sich sehr unterschiedlich dar. Eine Reihe von Begleitschreiben enthielt überhaupt keine vorberichtlichen Angaben. Eine Verbesserung der vorberichtlichen Informationen könnte möglicherweise dadurch erreicht werden, dass das Einsendeformular durch gezielte Abfragen bestimmter vorberichtlicher Informationen ergänzt wird. Daneben ist eine Verbesserung der Probennahmetechnik z.B. durch Standardprotokolle anzustreben.