Fachbereich Veterinärmedizin


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    Verlaufsuntersuchungen über das Vorkommen des aviären Metapneumovirus (aMPV) in gegen das aMPV geimpften Geflügelmast-Großelterntierherden in Deutschland (2012)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Müller-Molenar, Stefan
    Quelle
    Berlin: Mensch & Buch Verlag, 2012 — 173 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-136-9
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000037596
    Kontakt
    Institut für Geflügelkrankheiten

    Königsweg 63
    14163 Berlin
    +49 30 838 62676
    gefluegelkrankheiten@vetmed.fu-berlin

    Abstract / Zusammenfassung

    In dieser Arbeit wurden im Rahmen einer Verlaufsuntersuchung vier in Deutschland lokalisierte Geflügelmast-Großelterntierherden über ihre gesamte Lebenszeit alle drei Wochen serologisch auf das Vorkommen von Antikörpern gegen das aviäre Metapneumovirus (aMPV) und molekularbiologisch auf das Vorkommen von viraler RNA der aviären Metapneumovirus Subtypen A und B untersucht. Die vier Geflügelmast- Großelterntierherden wurden mit einem kombinierten Impfprogramm bestehend aus einer zweimaligen Lebendimpfung (8.LW und 14.LW), gefolgt von einer einmaligen Inaktivatimpfung (18.LW) in der Aufzuchtsperiode gegen das aMPV vakziniert. Bei den vier Herden wurden vier verschiedene Impfstoffkombinationen hinsichtlich der aMPVSubtypen A und B verwendet (BBB, BBA, AAA, AAB). Zusätzlich wurden Daten der Herdengesundheit und wirtschaftliche Parameter (Legeleistung, Abgänge Hennen) während der gesamten Produktionsphase (ab 25.LW) für jede Herde gesammelt.
    Ziel der Arbeit war es, die Wirksamkeit und die Wirtschaftlichkeit einer kombinierten Impfung in einer breitangelegten Verlaufsuntersuchung unter Feldbedingungen in Geflügelmast-Großelterntierherden zu prüfen.
    Trotz der durchgeführten Impfungen konnten in allen vier Herden während der Produktionsphase Infektionen mit dem aMPV molekularbiologisch oder serologisch nachgewiesen werden. Insgesamt war die Infektionsrate aber während der Produktionsphase niedrig (Herde BBB eine Infektion, Herde BBA zwei Infektionen, Herde AAA drei Infektionen, Herde AAB zwei Infektionen). Die nachgewiesenen Infektionen mit dem aMPV führten zu keinerlei klinischen Symptomen, die dem SHS (Swollen Head Syndrome) entsprachen. Auch traten keine milden respiratorischen Symptome in den Herden auf. Weiterhin kam es auch zu keiner Veränderung der Eischalenqualität. In nur einer von acht nachgewiesenen aMPV-Infektionen während der Produktionsphase konnte ein zeitlicher Zusammenhang mit einer negativen Beeinflussung der Herdenleistung hergestellt werden. So ging einer serologisch nachgewiesenen Infektion in der 54. LW in der Herde BBB (Stall 2) ein Rückgang der Legeleistung von 7% in der 49.LW bis 51.LW voraus.
    Anhand der in dieser Verlaufsuntersuchung erhobenen Daten lässt sich die Aussage treffen, dass eine zweimalige Lebendimpfung, gefolgt von einer einmaligen Inaktivatimpfung die Herden zwar nicht vor einer aMPV-Infektion schützte, diese Infektionen jedoch nicht zu klinischen SHS-Symptomen führten und in sieben von acht nachgewiesenen Infektionen wirtschaftlicher Schaden durch ein Ausbleiben der negativen Beeinflussung der Herdenparameter (Rückgang der Legeleistung, Anstieg der Abgänge Hennen) abgewendet wurde. Ein kombiniertes Impfprogramm ist dementsprechend auch für die Zuchtstufe der Geflügelmast-Großelterntierherden, die unter besonderen Biosicherheitsmaßnahmen gehalten werden, zu befürworten. Ein Unterschied der vier verwendeten kombinierten Impfprogramme (BBB, BBA, AAA, AAB) hinsichtlich ihrer Fähigkeit im Falle einer homologen oder heterologen aMPV-Infektion vor klinischen Symptomen zu schützen und eine negative Beeinflussung der Herdenparameter zu verhindern, lässt sich nach Auswertung der Daten dieser Verlaufsuntersuchung nicht feststellen.
    Die Durchführung der ersten aMPV Lebendimpfung zu einem früheren Zeitpunkt als der 8.LW scheint aufgrund der vorliegenden Datenlage nicht zwingend notwendig. Es konnten in allen Herden keine aMPV-Infektionen vor der 8. LW nachgewiesen werden.
    In der Aufzuchtsperiode kam es in der Herde AAB zu einer zeitlich verzögerten und einer generell niedrigeren humoralen Immunantwort auf die aMPV-Lebendimpfungen im Vergleich zu den Herden BBB, BBA und AAA. Als Ursache dafür werden in der vorliegenden Arbeit die Wahl des verwendeten ELISA-Testkits, der Einfluss von Infektionserregern mit immunsuppressiver Wirkung und Impffehler während der Sprayapplikation der Lebendimpfstoffe diskutiert.