Fachbereich Veterinärmedizin


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    Gewebedopplerechokardiographische Untersuchung der Wirkung des ß2-Sympatomimetikums Clenbuterol auf den Herzmuskel gesunder und an RAO erkrankter Pferde (2012)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Neukirch, Susanne (WE 17)
    Quelle
    Berlin: Mensch & Buch, 2012 — XII, 199 Seiten
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000040189
    Kontakt
    Klinik für Pferde, allgemeine Chirurgie und Radiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    Tel.+49 30 838 62299 Fax.+49 30 838 62529
    email:pferdeklinik@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Im Rahmen dieser Studie wurde die kardiale Wirkung des β₂- Sympathomimetikums Clenbuterol bei einer therapeutischen Dosierung (0,8μg/kg, 2x tägl.) und einer Anwendungsdauer über 14 Tage mit der sensitiven Methode der Gewebedopplerechokardiographie untersucht.
    Die Gruppe der 45 untersuchten Pferde setzte sich aus 25 lungengesunden und 20 an RAO erkrankten Warmblutpferden zusammen. Eine Gruppeneinteilung und die anschließende Zuteilung in die unterschiedlichen RAO-Schweregrade erfolgten nach einer klinischen Allgemeinuntersuchung und einer speziellen Untersuchung des Atmungsapparates.
    Nach Ausschluss einer Herzinsuffizienz bzw. einer Herzdimensionsveränderung mit Hilfe der Standardechokardiographie wurde bei allen Pferden vor und im Anschluss an eine zweiwöchige Clenbuterol Behandlung eine gewebedopplerechokardiographische Untersuchung durchgeführt. Es erfolgte eine Evaluierung der radialen und zirkumferentiellen Myokardfunktion aus der rechten parasternalen kurzen Achse (RKDKA), sowie der rechtsventrikulären longitudinalen Myokardfunktion aus dem abgesenkten Vierkammerblick (abgesenkte RKDLA). Als Messmethoden fanden dabei sowohl die Spektral- und Farbgewebedopplermodalität zur Erhebung der Myokardgeschwindigkeiten, als auch die Methode des Speckle Trackings zur Bestimmung der myokardialen Deformation ihre Anwendung.
    Die Spektralgewebedopplertechnik war dabei in beiden Schnittebenen die Untersuchungstechnik mit der geringsten interindividuellen Variabilität der Messwerte.
    Die signifikant erhöhte frühdiastolische Geschwindigkeit in allen untersuchten Myokardabschnitten, mit Ausnahme der rechtsventrikulären Hinterwand (RVHW) der gesunden Tiere in der kurzen Achse im PW-Modus, sowie der erhöhte E/A Quotient in der linken Wand (LVHW), im Interventrikularseptum (IVS) und am Trikuspidalannulus, deuten auf eine verbesserte diastolische Funktion infolge der Clenbuterolbehandlung hin. Verkürzte Zeitintervalle, insbesondere in der linksventrikulären Hinterwand und eine tendenzielle Erhöhung aller Deformationsparameter, unterstreichen die verbesserten Relaxationseigenschaften des Herzmuskels infolge der Medikamentengabe.
    Darüber hinaus wurde bei der veränderten rechtsventrikulären Myokardkinetik infolge der pulmonalen Hypertonie bei hochgradig an RAO erkrankten Pferden, ein positiver Effekt auf das Myokard durch Clenbuterol erzielt. Dies kam durch eine signifikante Erhöhung der frühdiastolischen Geschwindigkeit und des E/A Quotienten, die vor Behandlungsbeginn beide noch signifikant niedriger waren als bei den gesunden Kontrolltieren zum Ausdruck.
    Die vorliegende Studie verdeutlicht, dass die Gewebedopplertechnologie auch in der Tiermedizin sensibel genug ist, um myokardiale Umbauprozesse weit vor dem Auftreten manifester Veränderungen in der Standardechokardiographie zu erkennen.
    Insgesamt sprechen die Ergebnisse sowohl bei den Gesunden als auch bei den lungenkranken Pferden für eine durch Clenbuterol hervorgerufene physiologische kardiale Hypertrophie und deuten bei der angewandten Dosierung auf keine erhöhte Rigidität oder reduzierte Dehnbarkeit des Herzmuskels hin.
    In Zukunft sollte aber eine Evaluierung der Herzmuskelfunktion bei der oftmals diskutierten schrittweisen Erhöhung der Clenbuterol-Dosierung bis zum Wirkungseintritt bei der RAO Therapie vorgenommen werden, um eine Grenze zwischen der Steigerung der bronchodilatatorischen Wirkung einerseits und dem möglicherweise gleichzeitig beginnenden negativen Effekt auf das Myokard andererseits ziehen zu können.