Fachbereich Veterinärmedizin


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    Makroskopische, mikroskopische und morphometrische Vergleichsstudie des Gastrointestinaltraktes von kommerziellen B.U.T. Big 6 Puten und Wildputen (2012)

    Art
    Hochschulschrift
    Autor
    Berenfeld, Bronja Maria
    Quelle
    Berlin: Mensch & Buch Verlag, 2012 — 199 Seiten
    ISBN: 978-3-86387-178-9
    Verweise
    URL (Volltext): http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000038788
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Anatomie

    Koserstr. 20
    14195 Berlin
    +49 30 838 53555
    anatomie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Die Pute ist eines der wichtigsten praxis- und wirtschaftsrelevanten Geflügelarten. Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und die Effizienz der Verdauung haben in der Geflügelzucht eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. In der Literatur findet man wenig über die Anatomie, Histologie und das Wachstum des Gastrointestinaltraktes unter dem Einfluss der Domestikation. Durch genetische Selektion der Hausputen änderte sich sowohl die Wachstumsgeschwindigkeit als auch die Wachstumsstruktur der Tiere. Folgend wurde eine zusammenhängende anatomische, histologische und morphometrische Darstellung des Magen-Darm-Traktes einer modernen selektierten Hausputenlinie (British United Turkeys, B.U.T. Big 6) mit einer nicht selektierten Wildform (Wild Canadian Turkeys, WCT) im Vergleich verschiedener Altersstadien erstellt.
    Es wurden dazu 25 Hausputen sowie 48 kanadische Wildputen als nicht geschlechtlich vorsortierte Eintagsküken eingestallt. Die Gruppe der Hausputen wurde an 5 Terminen mit je 5 Tieren im Alter von 4, 8, 12, 16 und 20 Lebenswochen anatomisch beurteilt, fotografiert, beprobt und die Organlängen vermessen. Die Gruppe der Wildputen wurde mit je 8 Tieren pro Termin ebenfalls im vierwöchigen Intervall, beginnend mit der 4. Lebenswoche und einer zusätzlichen Gruppe im Alter von 24 Wochen anatomisch beurteilt, fotografiert und beprobt. Von je 5 Tieren wurden die Organlängen vermessen.
    Anatomisch und histologisch können bei beiden Putenrassen bis auf die Zunge und den subserösen Fettansatz keine nennenswerten Unterschiede detektiert werden. Die Wildputen weisen längere und schlankere Zungen mit zahlreicheren und spitzeren Papillen auf und lagern mehr subseröses, perivaskuläres Fettgewebe ein als die Hausputen. Bei den morphometrischen Vermessungen bestätigen sich die erwartet homogen höheren Körpermassen der Hausputen im Vergleich zu den geringeren und breiter gestreuten Körpermassen der Wildputen. Die Vermessung des Magen-Darm-Traktes zeigt korrespondierende Werte. Die Hausputen der vorliegenden Untersuchung weisen alle ein kontinuierliches, rasches Darmwachstum auf. Die Darmlänge im gesamten, sowie auch die einzelnen Darmabschnitte, sind in allen Altersstadien länger als die der Wildputen. Bei den Hausputen korreliert die Länge des Dünndarmes, der Caeca und des Colorectums stark mit der Körpermasse. Bei den Wildputen korreliert nur die Länge der Dünndarmabschnitte mittel mit der Körpermasse. Das Duodenum weist bei beiden Putenlinien die längsten Zotten des Dünn- und Dickdarmes auf. Im Dünndarm verändert sich der Vergrößerungsfaktor durch Zotten im Altersverlauf: die Wildputen bilden in den ersten 8 Wochen eine größere Oberfläche durch Zotten als die Hausputen, danach stagniert dieser Faktor. Bei den Hausputen hingegen steigt der Wert kontinuierlich an. Die Wildputen zeigen in beiden vermessenen Dünndarmabschnitten in allen Altersstadien einen geringgradig größeren Anteil der Oberflächenvergrößerung durch Krypten als die Hausputen. Im Dickdarm gibt es deutliche Unterschiede in den Zottenlängen sowohl innerhalb seiner einzelnen Abschnitte als auch im Vergleich zum Dünndarm. Die Zotten im Caecum sind bei beiden Spezies deutlich kürzer als die Zotten der Dünndarmabschnitte. Im Corpus caeci haben beide Putenrassen aller Altersstadien längere Zotten als im Apex caeci. Im kürzesten Darmabschnitt, dem Colorectum, sind die Zotten bei beiden Spezies kürzer als im Dünndarm und im Corpus caeci aber länger als im Apex caeci. Die Höhe der Enterocyten ist bei beiden Putenarten in allen Altersstadien im Dünn- und im Dickdarm ähnlich. Bei beiden Spezies ist der Darm mit Lymphgewebe durchsetzt, die Wildputen weisen ein diffuses Verteilungsmuster auf, bei den Hausputen formieren sich die Zellen eher zu Haufen.
    Fasst man diese Ergebnisse zusammen, lässt sich vermuten, dass bei gleicher Fütterung eine genetische, durch Domestikation und Züchtung geprägte, höhere Wachstumsrate mit inem längeren Darm und längeren Zotten assoziiert ist: der Darm der Hausputen ist grundsätzlich länger als der der Wildputen; mit 20 Wochen um das 1,7fache, die Zotten im Dünndarm um das 1,4fache. Die Morphometrie der für die Zellerneuerung wichtigen Krypten und der absorptiv tätigen Epithelzellen der Zotten zeigt derartig starke Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Spezies jedoch nicht auf. Die weitestgehende Konstanz der Kryptentiefe und der Epithelzellenhöhe im Altersgang zwischen der 4. und 20. (Hausputen) bzw. 24. (Wildputen) Lebenswoche entspricht scheinbar einem physiologischen Optimum, das bei den Epithelzellen der Zotten bei ca. 40 μm, bei den Krypten im Bereich zwischen 120 μm (Hausputen) und 150 μm (Wildputen) liegt.