Fachbereich Veterinärmedizin


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    Einfluss der Temperatur auf die Cortisolkonzentration in Plasma und Allantoisflüssigkeit von Embryonen des Haushuhns (Gallus gallus f. domestica) (2004)

    Art
    Poster
    Autoren
    Sindt, M
    Tönhardt, H
    Kongress
    15. Symposium der DVG-Fachgruppe Physiologie und Biochemie
    Berlin, 25. – 27.03.2004
    Quelle
    15. Symposium / Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft / Fachgruppe Physiologie und Biochemie, Berlin
    — S. P 8
    Kontakt
    Institut für Veterinär-Physiologie

    Oertzenweg 19 b
    14163 Berlin
    +49 30 838 62600
    physiologie@vetmed.fu-berlin.de

    Abstract / Zusammenfassung

    Einführung: In der Embryonalentwicklung gibt es „sensible Phasen“, in denen Umweltstressoren sehr starken Einfluss auf die Regelgüte der späteren epigenetischen Adaptationsmechanismen nehmen. In diesen Phasen wird häufig eine Prädisposition für Erkrankungen des erwachsenen Tieres erworben. Die embryonale NNR ist ab 9. Bebrütungstag (D) der Bildungsort von Glucocorticoiden, die bei Einwirkung von Stressoren vermehrt gebildet werden. Die Glucocorticoide sind u.a. entscheidend für den termingerechten Schlupf, die Surfactantsynthese (Lungenreifung) und den embryonalen Glucosestoffwechsel. Bei Belastung hat das Cortisol einen permissiven Effekt für die Wirkung der Catecholamine, in dem deren Rezeptorsensitivität verändert wird. McNabb und Olson (1996) sprechen den Glucocorticoiden thermogenetische Funktion zu. In dieser Arbeit sollte geprüft werden, inwieweit der Umweltstressor Temperatur zu Adaptationsmechanismen an geänderte Temperaturen führt. Dazu werden Änderungen der Cortisolkonzentration in Plasma und Allantoisflüssigkeit nach Temperaturstress altersabhängig geprüft.
    Methoden:
    Inkubationsbedingungen: Brutschrank mit automatischer Eierwendung und Ventilationssystem, Luftfeuchtigkeit 60%, Temperatureinstellung nach Bedarf.
    Cortisolkonzentrationen sind in Blutplasma und Allantoisflüssigkeit vergleichend ermittelt worden. Als Kontrollgruppen dienten jeweils 10 Eier am D 14, 16 und 18, die durchgehend bei 37,5°C inkubiert wurden. Die gleich zusammengesetzten Versuchsgruppen wurden unmittelbar vor der Probenentnahme für 30 min bei 21°C gekühlt. Cortisol ist mittels Enzymimmunotestkit (BOEHRINGER MANNHEIM) bestimmt worden. Die Messung erfolgte mit dem Spectalphotometer ULTRSPEC Plus (Pharmacia LKB, Schweden) bei einer Wellenlänge von 420 nm.
    Ergebnisse: In der Allantoisflüssigkeit und im Plasma werden in den drei Kontrollgruppen (37,5°C) vergleichbare Konzentrationen an Cortisol gemessen. Es kommt zu einem altersabhängigen Anstieg (30,5 bis 43,5 ng/ml). Die kurzzeitige Abkühlung (21°C) hat auf die Cortisolkonzentration im Plasma keinen Einfluss. In der Allantoisflüssigkeit treten dagegen signifikant erniedrigte Werte in allen drei Altersgruppen (13,9 bis 34,3 ng/ml) im Vergleich zur Kontrolle auf (36,0 bis 49,3 ng/ml). Auch bei Abkühlung ist ein altersabhängiger Anstieg sichtbar.
    Schlussfolgerung: . Bei verminderter Inkubationstemperatur gelangt weniger Cortisol aus dem Blut in die Allantoisflüssigkeit. Es handelt sich um eine aktive Schutzreaktion, die die Blutkonzentration an Cortisol erhält und damit seine Wirkung im Embryo auch bei Abkühlung.
    Die unterschiedlichen Konzentrationen an Cortisol zwischen Blut und Allantoisflüssigkeit nach kurzzeitiger Abkühlung zeigen auch eine Barrierefunktion der beteiligten Epithelien sowie die Existenz unterschiedlicher Regulationsmechanismen für beide Flüssigkeitsräume an.

    Lit.: McNabb F.M.A., Olson, J.M. (1996): development of thermoregulation and ist hormonal control in precocial and altricial birds. Poult.Avian Biol.Rev.(7) 111-125